Management

Der Forschergeist hat Konjunktur

Während das Verbesserungswesen früher in den meisten Unternehmen aus einer Zettelbox bestand, ist es mittlerweile vielerorts höher aufgehängt. In Großunternehmen hat es sich längst zu einem Managementinstrument gemausert. „Ideenmanager“ ist sogar ein eigenes Berufsbild geworden.

Bis vor kurzem konnten 3100 Platinen aus einem Coil geschnitten werden, jetzt sind es 4270 Coils – das sind Blechrollen, aus denen Türen oder Hauben gefertigt werden. Dank eines Verbesserungsvorschlags des Planungs-Ingenieurs Andreas Rogall konnte die Produktivität der Schneideanlage im Presswerk der Bochumer Opelwerke um mehr als 25 % gesteigert werden. Hintergrund: Die Sicherheitsvorschriften ließen eine Lagerung von großen Coils – also Blech-Rollen, aus denen Türen oder Hauben gefertigt werden – nicht zu, da diese schnell kippen könnten. Der Durchmesser durfte höchstens fünf Mal so groß sein wie die Breite. „Was bedeutete, dass wir fast mehr Rüst- als Produktionszeiten hatten.“ Das ließ den Maschinenbauer aus dem Manufactoring Engineering so lange grübeln, bis er die Lösung hatte: Eigens angefertigte Spezialgestelle mussten her, die den festen Stand großer Coils garantieren. Dann bräuchte das Coil nur noch alle zwei bis drei Stunden gewechselt werden. Die Idee wurde vom Abteilungsleiter, von der Zentralen Material- und der Stahlqualitätsstelle in Rüsselsheim, auf Arbeitssicherheit und Machbarkeit geprüft – und für gut befunden.
„Durch ein gutes Vorschlagswesen gewinnen die Unternehmen an Wettbewerbsfähigkeit“, sagt Claudia Hentschel, Projektleiterin „Ideenmanagement“ beim Deutschen Institut für Betriebswirtschaft (dib). Sei es nun durch direkt messbare Einsparungen – manchmal bis zu knapp 10 000 DM pro Mitarbeiter – oder aber durch Ideen in punkto Umweltschutz, Arbeitsplatzgestaltung oder Arbeitssicherheit. Ein Großteil der Vorschläge landen nicht in der Schublade, sondern werden umgesetzt: „Nicht selten entstehen durch die Anstöße aus der Mitarbeiterschaft sogar innovative Produkte.“
Insgesamt, so hat eine aktuelle Studie des dib ergeben (s. Kasten), ist die Bedeutung von Mitarbeiterideen gewachsen. Satte 1 231 654 Verbesserungsvorschläge können die 441 Unternehmen, die sich an der Umfrage beteiligten, im Jahr 2000 verbuchen. Die Opelaner in Rüsselsheim, Bochum und Kaiserslautern hatten in der Kategorie „Unternehmen mit über 20 000 Mitarbeitern“ die Nase vorn: 88 951 Verbesserungsvorschläge wurden eingereicht, die insgesamt rund 142 Mio. DM einsparen. Diese wurden mit insgesamt 22,5 Mio. DM honoriert – 20 ganz findige Mitarbeiter fanden sogar ein Plus von 100 000 DM auf ihrer Lohn- oder Gehaltsabrechnung.
„Die Prämien sind sicherlich ein Anreiz für Mitarbeiter, sich zu engagieren“, meint Stephan Menke vom Vorschlagswesen im Opelwerk Bochum. Doch dass jeder Mitarbeiter mit im Schnitt 3,62 Vorschlägen mit von der Partie ist, hat nicht nur etwas mit Geld zu tun. Vielmehr geht es darum, sich aktiv einbringen zu wollen und die Arbeit mit zu gestalten. Die Identifikation mit der Arbeit und dem Arbeitgeber steigt. Andreas Rogall, der die Prämie für seinen Vorschlag noch gar nicht kennt, ist überzeugt: „Gerade diese kleinen Änderungen bewegen etwas, da sie zu kontinuierlichen Verbesserungen führen.“ Daher blickt er immer wieder über den Tellerrand seiner eigentlichen Aufgabe.
Während das Verbesserungswesen früher in den meisten Unternehmen aus einer Zettelbox bestand, ist es mittlerweile vielerorts höher aufgehängt. „Das Ideenmanagement hat an strategischer Bedeutung gewonnen“, weiß Claudia Hentschel. Kleine und mittlere Unternehmen nutzen es, um Mitarbeiter anzuspornen und ein positives Klima zu fördern – in Großunternehmen hat es sich längst zu einem Managementinstrument gemausert. „Ideenmanager“ ist ein Berufsbild geworden. Mal ist diese Aufgabe im Personalwesen, mal in Fachabteilungen, im Marketing oder im Total Quality Management angesiedelt. Oft managen ganze Abteilungen die „Tüfteleien“. Auch bei Opel hat sich das Procedere Mitte der 90er Jahre geändert: „Dadurch, dass wir den Ablauf dezentralisiert haben, also die Vorgesetzten mit einbeziehen, hat das Ganze einen anderen Stellenwert bekommen“, sagt Menke. Beim Vorschlagswesen „Marke Postkorb“ erfuhr der Chef oft nichts vom Einsatz seiner Mitarbeiter. Jetzt steht das Gespräch über die Vorschläge im Mittelpunkt. Auch Ablehnungen werden diskutiert und nicht nur mitgeteilt. Die Mitarbeiter fühlen sich ernst genommen – was die Motivation erhöht. Und motivierte Mitarbeiter haben bekanntlich die besten Ideen. A. BEHNKE

Einträgliche Ideen

Mitarbeiter und Unternehmen profitieren

Das Deutsche Institut für Betriebswirtschaft (dib) hat jüngst seinen Jahresbericht 2000 zum Ideenmanagement/Betrieblichen Vorschlagswesen in Deutschland veröffentlicht. An der Umfrage beteiligten sich 441 Unternehmen aus 16 Branchen sowie Behörden mit insgesamt 2,65 Mio. Mitarbeitern. Mit über 1,23 Mio. Verbesserungsvorschlägen konnte das Ergebnis aus dem Jahr 1999 um 7 % gesteigert werden. Das zeigt, dass Arbeitnehmer die Chance nutzen, sich einzubringen. Ihre Einfälle wurden mit 338 Mio. DM belohnt. Die Einsparungen: 2,13 Mrd. DM. Allein bei Siemens AG – der unangefochtenen Einsparungs-Königin – waren es 417 Mio. DM, die die über 100 000 Vorschläge einbrachten. Dafür wurden zwei Mal die Höchstprämien von 128 000 Euro vergeben. So wie der Elektrokonzern, sehen die meisten Unternehmen in Mitarbeiterinitiativen einen Beitrag zum Unternehmenserfolg. Rund zwei Drittel aller Vorschläge werden realisiert – in der Elektroindustrie sogar 94,8 %. AB

Von Ab

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