Management

Der Enron-Skandal hat die US-Börsenlandschaft massiv verändert

VDI nachrichten, Düsseldorf, 27. 1. 06, ps – Rund fünf Jahre nach dem Konkurs des Energiekonzerns Enron kommen jetzt die beiden führenden Ex-Manager vor Gericht. Der Prozess wird mindestens so spektakulär werden wie die einstige Milliardenpleite sowie die anschließenden massiven Auswirkungen auf das US-Aktienrecht.

Am kommenden Montag startet in Houston, Texas, der Milliardenprozess gegen die ehemaligen Topmanager des Enron-Konzerns. Auf der Anklagebank werden der Ex-Vorstandsvorsitzende Kenneth L. Lay sowie der Ex-Präsident Jeffrey K. Skilling sitzen. Nicht mehr dabei sein wird der einstige Buchhaltungschef Richard A. Causey. Nachdem dieser sich überraschenderweise am 28. Dezember in einem wesentlichen Anklagepunkt schuldig bekannt hatte, wurde sein Verfahren abgetrennt.

Causey hat gegenüber Richter Sim Lake den Aktienbetrug gestanden und gleichzeitig seine uneingeschränkte Kooperation mit der Staatsanwaltschaft erklärt. Damit wird er jetzt im Prozess zusammen mit dem ebenfalls geständigen Ex-Finanzchef Adrew S. Fastow als weiterer Kronzeuge der Anklage auftreten.

Doch völlig ungeschoren kommen beide deshalb nicht davon. Fastow, der schon im Sommer 2005 ein Geständnis ablegte und sich seitdem kooperativ zeigte, ist inzwischen rechtskräftig zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt. Und auch auf den 45-jährigen Causey kommen voraussichtlich noch fünf bis sieben Jahre Gefängnis zu, sowie ein Bußgeld von 1,25 Mio. $, dem er bereits zugestimmt hat.

Lay (Anklage: Investorenbetrug und Aktienvergehen) und Skilling (Investorenbetrug, Aktienvergehen, Falschmeldungen und Insiderhandel) dagegen beteuern weiterhin ihre Unschuld. Für sie und ihre Verteidiger ist das ganze Verfahren nur eine Mega-Verleumdungskampagne, bei der die Medien, die Börsenaufsicht und die Staatsanwaltschaft Hand-in-Hand arbeiten.

Doch die beiden Kronzeugen werden eine harte Nuss für sie sein, denn beide hatten über Jahre hinweg detaillierte Einblicke in alle Finanzmauscheleien des Konzerns. Sollten Lay und Skilling in den wesentlichen Anklagepunkten schuldig gesprochen werden, drohen den beiden lebenslange Freiheitsstrafen und Bußgelder im mehrstelligen Millionenbereich.

„Ich habe nichts zu verbergen. Schuld am Enron-Konkurs hat ausschließlich Adrew Fastow, der viel zu milde verurteilt wurde“, lautet Kenneth Lays Version des Skandals, der zur größten Reform des US-Aktienwesens seit dem Riesencrash im Oktober 1929 geführt hat. Das bekannteste Gesetz dazu ist der „Sarbanes-Oxley-Act“ aus dem Jahr 2002 (siehe Kasten).

Doch nach Meinung der Industrie schießt die Regelung über das Ziel hinaus. Laut einer Studie der Marktforschungsagentur AMR kostete die US-Wirtschaft die Anpassung an das neue Gesetz bereits über 10 Mrd. $. Dabei handelt es sich vor allem um Honorare und Haftpflichtprämien, die sich verdoppelt haben. Insgesamt sind die Kosten einer Börsennotierung für eine mittlere AG von 1,3 Mio. $ auf 2,5 Mio. $ gestiegen, hat die Anwaltskanzlei Foley & Lardner errechnet.

PricewaterhouseCoopers präsentierte jüngst eine Studie, wonach inzwischen 59 % der US-Chefs internationaler Konzerne die Kosten und die Bürokratie der neuen Regelung für zu hoch halten. Der französische Mediengigant Vivendi hat bereits angekündigt, sich wegen der strengen Auflagen und der hohen Kosten im Sommer dieses Jahres von der New Yorker Börse zurückzuziehen.

Kritik kommt auch aus den Reihen des US-Mittelstandes. „Das Parlament musste damals etwas gegen die Skandale von Enron unternehmen, doch die meisten US-Aktiengesellschaften haben nicht annähernd die Größe von Worldcom oder Enron. Sie können sich die vielen Auflagen einfach nicht leisten“, hält Jack Wynn, Chef von NSPCLC, einem Verband von kleinen und mittleren Aktiengesellschaften, den Gesetzesvertretern entgegen.

Auch die Investoren, für die das Gesetz eigentlich geschaffen wurde, äußern Bedenken. „Es ist eine Bürde fürs Small Business. Es drückt auf die ganze Wirtschaft, das kann nicht im Interesse der Aktionäre sein“, beklagt Brian Wesbury, Chef-Ökonom beim Chicagoer Börsenmakler GKST die Gesetzes-Auswirkungen.

Bezweifelt wird auch die Wirksamkeit des Gesetzes. So schreibt es etwa vor, dass die Mehrheit des Verwaltungsrates mit unabhängigen Mitgliedern besetzt sein muss. Doch ob damit das Board stärker im Interesse der Aktionäre handelt, ist bislang unbewiesen. „Die vorliegenden quantitativen Analysen sind unvollständig“, hieß es vorsichtig, aber deutlich in der Kundenzeitschrift von Booz Allen Hamilton.

Alan Reynolds, Professor am liberalen Cato Wirtschafts-Institut sagt es deutlicher: „Der einzige Großkonzern, der mir spontan einfällt, weil er alle neuen Regeln vorbildlich erfüllen würde, ist Enron.“

Thurman Rodgers, CEO und Gründer von Cypress Semiconducters, hält das Gesetz sogar für völlig nutzlos. „Wenn ich das Board hinters Licht führen will, gelingt mir das, ohne dass sie es jemals merken. Das Board kann zwar ein Audit-Komitee beauftragen, aber auch die haben weder die Detailkenntnisse noch die Zeit, um alles rauszufinden, was man verstecken möchte.“

Ironischerweise profitieren von den komplizierten neuen Regeln vor allem die großen Wirtschaftsprüfer – also genau die Unternehmen, die eine maßgebliche Mitschuld an den Skandalen zu verantworten hatten. „Sie müssen jetzt halt schärfer auf sich selbst aufpassen und lassen sich das fürstlich honorieren“, sagte Fred Smith vom Washingtoner Think-tank „Competitive Enterprise Institute“.

Auch die Anbieter von Informationstechnologie verdienen mit dem neuen Gesetz gutes Geld. Laut AMR-Research entfallen von dem Geld, das die US-Unternehmen in diesem Jahr für die Einhaltung des Gesetzes ausgeben müssen, rund 2 Mrd. $ auf IT-Ausgaben. Davon profitieren neben einigen Softwareanbietern vor allem die Speicherhersteller, wie NetApp und EMC. „Das Gute für die US-Wirtschaft ist daran, dass diese Hardware-Umsätze nicht nach Indien ausgelagert werden können“, freut sich der New Yorker Wirtschafts-Consultant John Glader.

HARALD WEISS

Von Harald Weiss
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