Personalmanagement

Der Chef macht Theater

All dies wollen sogenannte Unternehmenstheater in den Griff bekommen. Voraussetzung: absolute Offenheit der Chefs.

Eine Szene auf der Bühne: Der Chef hat schlechte Laune. Ein Kunde habe kein Bargeld dabei, berichtet der Kassierer. „Auch keine Schecks?“, schreit der Baumarktleiter ins Telefon. Lacher im Publikum. „Kreditkarte? Nee, selbst wenn da Diamanten drauf sind – wir sind doch nicht bei Harrods in London!“ Das Publikum, allesamt Führungskräfte der Baumarktkette Praktiker, krümmt sich vor Vergnügen. Ein Theaterstück nur für sie, und sie sehen ihren eigenen Baumarkt auf der Bühne. „Wenn er pampig wird, Meier, dann drohen Sie damit, dass ich zu ihm an die Kasse komme!“, brüllt der Chef und knallt den Hörer auf die Gabel.
Am Ende des Stücks klatschen die Zuschauer begeistert, und die Macher des Unternehmenstheaters sind sich sicher, dass die Botschaft von der Kundenorientierung verstanden wurde, und zwar ganz ohne langatmige Seminare und Mitarbeiterbelehrungen. Im Dankschreiben an Visual, dem Mannheimer Theater für Businesskommunikation, wird es später heißen: „Der große Erfolg auf unserer Jahrestagung hat uns bestätigt, dass es Ihnen ganz hervorragend gelungen ist, die Spannungsfelder, in denen sich unsere Marktleiter im Hinblick auf Kundenorientierung und Führung bewegen, darzustellen.“
Lob wie dieses ist Visual-Geschäftsführerin Dany Strobel gewohnt. Einen ganzen Ordner mit solchen Dankschreiben von DaimlerChrysler über Lufthansa bis hin zur Käserei Champignon Hofmeister verschickt sie interessierten Neukunden. „Das sagt oft mehr, als wenn wir uns nur selber loben“, sagt sie selbstbewusst. Mit eben diesem Selbstbewusstsein besorgte sie sich mit ihrem Mann Bernhard Strobel nach jahrelangem und teurem Kampf schließlich 1997 den Markenschutz für den Begriff „Business-Theater“, das seitdem ausschließlich von Visual in Mannheim angeboten wird. Andere Theater in der gleichen Branche können sich „Unternehmenstheater“ nennen.
Verständlicherweise war die Konkurrenz nicht gerade begeistert von diesem Schachzug. Beispielsweise die Theatertruppe „Mobilé“ in Köln. Ursprünglich von Kölner Sportstudenten gegründet, entdeckten die Macher Mitte der 90er Jahre das schlummernde Potenzial des Unternehmenstheaters und gründeten neben dem Showbetrieb eine eigene Abteilung nur für die Firmenstücke. Egal, ob es sich um Probleme zwischen Innen- und Außendienst, Neuorganisation durch Fusionen oder Verbesserungen des Führungsverhaltens im Unternehmen handelt, unisono versprechen die Theatermacher unterhaltsame Lösungen. „Wir halten den Firmen den Spiegel vor“, sagt Geschäftsführerin Regina Jahn, „deshalb brauchen unsere Auftraggeber Mut, sich dieser Auseinandersetzung zu stellen, sonst ist die Veranstaltung sinnlos.“ Der Erfolg gäbe ihr recht, denn nicht von ungefähr habe man viele „Wiederholungstäter“, Firmen, die nach dem ersten Erfolg gleich weitere Stücke in Auftrag geben.
Denn wenn Manager auf diese Weise Courage beweisen und mit Hilfe der Schauspieler humorvoll eigene Führungsfehler eingestehen, kommt das an bei Mitarbeitern, die im Arbeitsalltag nur still gelitten haben. Hier komme es dann zu einer regelrechten Befreiung vom Leidensdruck, „weil endlich einer mal den Mut hat, etwas auszusprechen, was sich der Einzelne vorher nie getraut hätte zu sagen“, analysiert der Münchener Psychologieprofessor Lutz von Rosenstiel, einer der Führungsexperten in Deutschland.
Doch auf der Suche nach Munition für diese „Wellenbrecher“ – wie von Rosenstiel sie nennt – müssen die Theatermacher oft Überzeugungsarbeit leisten. „Es gibt Kunden, die zappeln spätestens bei der Generalprobe und sagen: “So können wir es auf keinen Fall machen!“, weil sie sich bei einem Misserfolg des Stücks um ihre Karriere sorgen“, so Jahn. Vorschläge zum „Absoften“ hört sie dann immer wieder, obwohl sich der Mut zur ungeschminkten Nabelschau bisher noch immer ausgezahlt hat. Jahn: „Es ist immer das gleiche: Und nach der Vorstellung fallen sie uns dann um den Hals, weil es so gut angekommen ist.“
Auch Dany Strobel kennt die Bedenken, deshalb propagiert sie die absolute Offenheit: „Wir laden Interessierte immer ein, sich mal auf unseren beiden Probebühnen umzuschauen, damit sie wissen, was sie erwartet.“ Hat man sich geeinigt, verraten Hausbesuche beim Kunden wertvolle Hinweise für das Casting der geeigneten Schauspieler bis hin zum detailgetreu nachgeahmten Bühnenbild. Auch im Textbuch wird viel Wert auf den spezifischen Firmenjargon und professionelle Lösungsansätze gelegt, schließlich wolle man nicht nur unterhalten. „Wir sind die einzige Unternehmensberatung, die mit Theater kommuniziert“, betont Dany Strobel, die nach eigenen Angaben selbst Leiterin für Marketing und Vertrieb in einem Unternehmen war. Man müsse schon betriebswirtschaftliches Grundwissen mitbringen, um für die Firmen nicht zu einer Enttäuschung zu werden.
Der Erfolg der Vorreiter hat viele Nachzügler angelockt, schließlich gibt es viel Geld zu verdienen. So liegt bei Visual ein Theaterstück zwischen 30 und 45 Minuten als Komplettpreis nicht unter 72 000 DM. Gibt es Sonderwünsche, wie unlängst bei einer Aufführung in Rokokokostümen in Florenz, ist nach oben eine Menge Luft. „Jedes Theaterstück ist für mich wie ein eigenes Kind“, versichert Dany Strobel, deshalb nehme sie mehr als drei pro Monat auch nicht an. Inzwischen arbeitet Visual auf Wunsch auch in englischer, französischer und italienischer Sprache.
Weitaus billiger können die Firmen allerdings ihre theatralische Selbstdarstellung bewerkstelligen, wenn sie den Vorschlag Lutz von Rosenstiels beherzigen und „besser noch die eigenen Mitarbeiter solche Stücke inszenieren und aufführen lassen“. Eine Marktlücke, die auch Visual im weiteren Sinne bereits entdeckt hat: Seit neuestem veranstalten die Mannheimer auch Workshops für Vorstände, in denen diese von Schauspielern lernen, wie man überzeugend und unterhaltsam Reden hält. Es könne doch nicht sein, so Dany Strobel, „dass die Zuhörer bei Auftritten der Vorstände immer einschlafen oder heimlich Männchen malen.“
Bliebe nur das Ausgangsproblem: Denn meist sind es genau diejenigen Firmen und Vorstände, die die Nachhilfe von der Theaterbühne am dringendsten brauchen, leider auch jene, die am meisten Angst davor haben. „Verrückt“, sagt Dany Strobel, „denn bislang ist bei uns noch jeder für seinen Mut zum Theater belohnt worden und im Unternehmen nach oben gefahren.“ ANDREAS LEIMBACH
Wie man sich rüstet, so wirkt man: Auch Top-Manager werden mit ihrem eigenen Fehlverhalten konfrontiert. Hier eine Theaterszene zum Thema Verhalten in der Öffentlichkeit.
Kundenorientierung liegt nicht jedem.

Unternehmenstheater

Lachen ist gesund

Häufig sind die Wege zwischen Firmenleitung und Mitarbeitern weit. Wie bekommt man dann schnell die nötige Motivation für die Einführung eines neuen Produkts oder neuer Führungsmethoden? Die Alternative zu den üblichen Schulungen und Workshops heißt in immer mehr Betrieben: Unternehmenstheater. Spielerisch und humorvoll wird der Arbeitsalltag auf der Bühne dargestellt, die Mitarbeiter erkennen sich selbst, die Stärken und Schwächen des Arbeitsalltags und als „Happyend“ die Chancen, in Zukunft Probleme sinnvoller lösen zu können. Dafür kommen die Theaterleute zunächst ins Unternehmen und suchen neben der gewünschten Themenstellung nach Eigenarten, die sich auf der Bühne wiederfinden sollen. Denn je besser die Wiedererkennung funktioniert, um so größer ist später die Identifikation des „mitarbeitenden Zuschauers“. Das Ziel: ein Lerneffekt, der soviel Spaß macht, dass ihn keiner merkt.

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