Management

Der Chef guckt lieber in die Röhre

Seit den Terror-Anschlägen in den Vereinigten Staaten am 11. 9. ziehen viele Firmenvertreter ein Long-Distance-Meeting vor.

Groß war plötzlich der Andrang bei unabhängigen Dienstleistern in den USA, die Videokonferenzräume auf Stundenbasis an Unternehmen vermieten. Zwar erklärte die New York Times unlängst, dass sich die 6 $ pro Meetingminute nur wenige Firmen leisten. Doch nach den Terroranschlägen in den USA hat sich die Nachfrage nach Videokonferenzen verdoppelt, berichten Insider. Bei Dow Chemical in Midland (Michigan) belagern plötzlich scharenweise Manager den Videodienst. Freie Dienstleister werden von einer Buchungslawine überrannt. Und auch an den Märkten sind Hersteller von Videokonferenzsystemen gefragt wie nie zuvor: Die Aktien der Firma Polycom etwa sind an der Nasdaq zurzeit etwa 2 Mrd. Dollar wert – mehr als doppelt so viel wie die der Fluggesellschaft United Airlines.

Auch in deutschen Chefetagen erleben Konferenzdienste jeder Art einen ungeahnten Aufschwung: „Die Nachfrage hat deutlich angezogen“, bestätigt Harald Lenz, Leiter Produktmarketing bei der Gloocorp AG. Aktives Marketing musste Lenz in den letzten Wochen nicht viel machen: Unternehmen rufen von sich aus an und erkundigten sich nach den Gloocorp-Produkten. Auch die Kölner MVC Teleconferencing bestätigt diesen Trend: „Das Telefon steht kaum noch still“, heißt es aus dem Unternehmen, dass weltweit 1500 Videokonferenzstudios vermietet. Wer da wohl angerufen hat? Öffentlich bekennen sich deutsche Unternehmen nämlich nur ungern zum verstärkten Videoeinsatz. Tenor bei Nachfragen: Das haben wir schon immer genutzt. So melden etwa Deutsche Bank, Hewlett-Packard und Sun Microsystems unisono: Lage unverändert. Repräsentativ ist die Aussage von Microsoft Deutschland. „Was elektronisch geht, machen wir elektronisch“, sagt Sprecher Kurt Braatz. Zwar habe es nach den Anschlägen ein Flugverbot gegeben, das zu einer kurzfristigen Mehr-Nachfrage nach elektronischen Treffen geführt hat. „Aber langfristig hat das keinen Einfluss“, so Braatz.

Auch bei den Beratungsunternehmen setzt man schon seit Jahren auf Video- und Telefonkonferenzen: „Der generelle Trend hat durch die Ereignisse nur Auftrieb erhalten“, meint Götz Erhardt von Accenture WO“OO. Alles also ein alter Hut? Die Politik einiger Firmen scheint zu lauten: Hinterrücks neue Ausrüstung kaufen – und nach außen den Trend zur Videokonferenz leugnen. Eine verständliche Taktik: Wer zugibt, mehr Teletreffen zu machen, gesteht gleichzeitig ein, Reisekosten verschwendet zu haben. Wenn es heute elektronisch geht, war die Geschäftsreise gestern wohl überflüssig …

Wer allerdings glaubt, das neue Medium ohne Vorbereitung nutzen zu können, irrt. „Das Werkzeug Videokonferenz wird erst leistungsfähig, wenn wir gelernt haben, damit umzugehen“, sagt Marco Roettger vom Team für soziale Innovation in Berlin. Der Psychologe ist Spezialist für das Zusammenspiel von Mensch und Maschine in der Geschäftswelt. Sein Tipp: Vor dem ersten Teletreffen sollten alle Manager eine Übungsrunde vor der Kamera absolvieren. Fallstricke lauern selbst im kleinsten Detail. Beispiel Kleidung: Klein karierte Sakkomuster, grelle Krawatten und Glitzerschmuck sind vor der Kamera tabu. Grund: Sie erzeugen ein Flimmern im Videobild. Auch das Redeverhalten muss angepasst werden: „Sprechen Sie nur, wenn Ihnen das Wort erteilt wird“, rät Marco Roettger. Die wohl größte Umstellung ist die fehlende menschliche Nähe. Der Mensch ist von Natur aus darauf programmiert, dass nett ist, wer nah ist. Fällt Nähe, Geruch, Tastsinn und Gestik weg, fühlen sich viele Manager wie im emotionalen Blindflug. Folge: zähe Gespräche, ergebnislose Verhandlungen. Die wichtigste Regel deshalb: Wer sich häufig per Videokonferenz trifft, sollte sich auch persönlich kennen lernen. Bleibt die Frage: Ist ein Teletreffen überhaupt immer sinnvoll? Marco Roettger empfiehlt: „Je komplexer das Thema ist, desto weniger E-(lektronik) verträgt der Mensch“. Fazit: Videokonferenzen sind teuer, gewöhnungsbedürftig und begrenzt einsetzbar. Lohnt sich der Aufwand also überhaupt? Oder ist der aktuelle Tele-Trend womöglich nur ein Strohfeuer und in einigen Wochen heißt es wieder: Business(travel) as usual? Sicher nicht. „Viele Unternehmen planen Videokonferenzen schon seit längerem“, meint Götz Erhardt vom Beratungsunternehmen Accenture in Eschborn. Wie andere Experten glaubt auch er, dass der Boom mehr als nur eine weitere Technologieblase ist, sondern ein Durchbruch. Das Marktforschungsunternehmen Frost & Sullivan bestätigt diesen Trend: Es prognostiziert, dass sich die Umsätze mit Telekonferenz-Geräten in den nächsten fünf Jahren vervierfachen werden – auf 3,2 Mrd. Dollar. C. GILLIES

Von C. Gillies

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