Management

Der Aufsichtsrat dient oft als „Blumentopf“

Im Zuge der Diskussion um überhöhte Vorstandsgehälter, gefälschte Bilanzen und Insolvenzen ist auch die Frage nach der Rolle der Aufsichtsräte in den Mittelpunkt gerückt. Von „Frühstücksdirektoren und Grüßonkeln“ ist die Rede. Kienbaum hat ermittelt, dass Aufsichtsräte oft zu wenig Geld für ihre Aufgabe erhalten.

Aufsichtsräte scheffeln Geld ohne Ende. Sie haben wenig zu tun, kassieren dafür fette Honorare, und gebieten über das ihnen anvertraute Unternehmen wie über ein Fürstentum. Soweit das gängige Vorurteil. Die Praxis sieht ganz anders aus: „Viele Aufsichtsräte bekommen nicht mehr als ein Taschengeld“, sagt Heinz Evers von der Kienbaum-Unternehmensberatung in Gummersbach, „sie haben viel Arbeit, beziehen häufig Prügel von den Aktionären, und werden nicht anständig bezahlt.“ Berater Evers kann das mit Fakten belegen: 500 € im Monat bekommen 40 % der deutschen Aufsichtsräte.
Das sei nicht viel angesichts der Belastung, die dieser Job mit sich bringt. Evers rechnet vor: „Mindestens vier Sitzungen im Jahr, Reisen, Teilnahme an der Hauptversammlung, laufende Vor- und Nachbereitung, zusätzliche Arbeiten in Ausschüssen.“ Angesichts dieser Rechnung seien die Honorare nicht mehr zeitgemäß. Ein interessanter Vergleich: „Mancher Aufsichtsrat verdient das in einem Jahr, was ein Unternehmensberater am Ende eines einzige Arbeitstages mitnehmen kann“, ermittelte Evers in einer Studie, die die Vergütung der Aufsichtsräte in 2000 deutschen Aktiengesellschaften untersuchte. In Zahlen sieht das so aus: Für ihre Arbeit bekommen 16 % der Aufsichtsräte 2500 € im Jahr, weitere 18 % verdienen nur zwischen 2500 € und 5000 € im Jahr.
Diese Art der Bezahlung hat Folgen: Viele Aufsichtsratssitzungen sind nicht mehr als ein Treffen von Frühstücksdirektoren und Grüßonkeln. Wie das manchmal zugeht, beschreibt Peter May. Professor an der FH Bergisch Gladbach „Die Sitzung beginnt mittags mit einem ausgedehnten Essen. Danach, wenn die Räte alle müde sind, werden noch ein paar Dinge abgehandelt, und das war die ganze Sitzung.“
Aufsichtsrats-Experte Evers ergänzt diese Einschätzung: „Jeder Aufsichtsrat ist nur so gut wie seine Vergütung.“ Ein geringes Honorar drücke geringe Wertschätzung gegenüber einem Gremium aus, das das Unternehmen eigentlich kontrollieren und beaufsichtigen soll. Die lange verbreitete Haltung beschreibt er so: „Aufsichtsräte sind oft nicht mehr als die Blumentöpfe, die ein Unternehmen schmücken.“ Auch der Gesetzgeber stützt die Sichtweise vom unwichtigen Aufsichtsrat: Ausgaben für Honorare können die Unternehmen nur zur Hälfte als Betriebsausgabe von der Steuer absetzen.
„In manchen Sitzungen werden dicke Unterschriften-Mappen mit Beschlussvorlagen vorgelegt“, so die Praxis. Mancher Rat unterschreibe einfach, ohne sich genau darüber zu informieren, um was es eigentlich geht. So können Vorstände eine Erhöhung ihrer Bezüge durchbringen – manchmal ohne, dass der Aufsichtsrat recht weiß, dass er gerade einen Gehaltsaufschlag von 150 % unterschrieben hat. Wer daran etwas ändern wolle, müsse für eine angemessene Vergütung sorgen. Einige Unternehmen tun das schon. Erst wenn Aufsichtsräte für gute Arbeit auch gut bezahlt würden, sei die Kontrollfunktion sicher gestellt, sagt Evers: „Die Räte müssen den Vorständen auf Augenhöhe begegnen können. Sonst nimmt sie keiner ernst.“
Was das in der Praxis heißt, sagt Unternehmer-Kenner May: „Der Aufsichtsrat ist ein Sparring-Partner für die Führung des Unternehmens.“ Er stelle die unangenehmen Fragen, die sonst keiner stellt – und er sorge für das nötige Maß an strategischer Disziplin und Kontrolle. In den Aufsichtsrat gehörten unabhängige Persönlichkeiten, die auch nicht mit Kritik an der Führung sparen. Nur wenige Unternehmen zahlen ihren Räten hohe Honorare. Die Aufsichtsräte der Deutschen Bank beispielsweise erhalten pro Kopf 144 000 € im Jahr. Das ist ein stattlicher Betrag, den viele Manager nicht einmal im Jahr verdienen. AXEL GLOGER

Von Axel Gloger
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