Management

Der alte Chef ist auch der neue

Wenn die Chefs großer Firmen ihren Posten räumen, ist dafür häufig kein Umzugsunternehmen zu beauftragen. Den Wechsel vom Chefsessel an die Spitze des Aufsichtsrates lassen sich viele Firmenlenker üppig honorieren.

Bei elf der 30 Unternehmen, die im Deutschen Aktien-Index (Dax) notiert sind, wechselten binnen Jahresfrist die Vorstandsvorsitzenden. Doch die ausgeschiedenen Firmenchefs bleiben den Unternehmen meist als Aufsichtsräte erhalten. Was immer der neue Vorstandsvorsitzende im Unternehmen ändern will, in der Regel weiß er: Sein alter Chef wird auch sein neuer sein.
Wenn am nächsten Mittwoch die Lufthansa AG auf ihrer Hauptversammlung den langgedienten „Hanseat“ Wolfgang Mayrhuber als neuen Vorstandsvorsitzenden präsentiert, wählen die Aktionäre seinen Vorgänger Jürgen Weber zum Aufsichtsrats(AR)-Chef. Unter dessen Kontrolle muss Mayrhuber die Airline in eine ertragreiche Zukunft steuern: Mit Weber hat Lufthansa im ersten Quartal 415 Mio. € Verlust eingeflogen, und auch für das Gesamtjahr kündigte der scheidende Chef einen operativen Verlust an. Wie unabhängig Mayrhuber mit Weber als AR-Chef einen neuen Kurs einschlagen kann, bleibt offen – zumal Weber zu den Aufsichtsräten gehören wird, die ihr Lager in Vorstandsnähe aufschlagen.
„Ich würde nie an die Spitze eines Unternehmens gehen, wenn der bisherige Vorstandsvorsitzende in den Aufsichtsrat wechselt“, so Manfred Goll, langjähriger Chef des Versorgers EnBW. Goll versagte sich daher den Schritt an die Aufsichtsratspitze. Auch Jürgen Dormann, Ex-Chef des Pharmakonzerns Aventis AG, erklärt: „Ich habe eine starke Präferenz, dass ein ehemaliger Vorstandschef nicht Aufsichtsratsvorsitzender werden und besser gar nicht in den Aufsichtsrat gehen sollte.“ Doch er sitzt dem Aventis-Kontrollgremium vor – weil seine Kollegen ihn „festgehalten haben“.
Das scheint in insgesamt 16 der 30 Dax-Unternehmen so zu sein. Die Chefs der angeschlagenen Versicherer Allianz AG und Münchener Rück AG, Henning Schulte-Noelle und Hans-Jürgen Schinzler, wechselten vorzeitig vom Vorstands- auf den Aufsichtsrats-Vorsitz. Albrecht Schmidt von der HypoVereinsbank AG (München) wartete mit diesem Schritt nicht einmal die Hauptversammlung ab, sondern ließ sich per Gerichtsbeschluss zum AR-Chef bestellen. Manfred Schneider (Bayer AG), Martin Kohlhaussen (Commerzbank AG), Rolf Breuer (Deutsche Bank AG), Ferdinand Piech (VW AG), Hasso Plattner (SAP AG), Jürgen Strube (BASF AG), Manfred Lautenschläger (MLP AG) – alle waren Vorstandsvorsitzende und wurden oder werden AR-Chef bei ihrer alten Firma.
Ulrich Hartmann und Wilhelm Simson, ehemals gleichberechtigte Vorstandschefs bei der E.ON AG, Düsseldorf, wechselten gemeinsam in den Aufsichtsrat, Hartmann als Vorsitzender. Selbst Dietmar Kuhnt, bis Ende Februar Chef beim Versorger RWE AG, fand gegen Widerstände einen Platz im Aufsichtsrat. Der wird allerdings vom verrenteten WestLB-Chef Friedel Neuber geführt, der bislang keine Neigungen zeigt, zurückzutreten. Bereits vor gut zwei Jahren wechselte beim Pharmakonzern Schering AG Giuseppe Vita nahtlos von der Vorstands- an die AR-Spitze. Diese Karrierelaufbahnen sind auch bei Aktiengesellschaften in anderen Börsensegmenten zu finden, mit zum Teil bemerkenswerten Folgen: So muss sich Henning Kreke, der seit 2002 den Hagener Handelskonzern Douglas Holding AG führt, an der Spitze des Douglas-AR mit seinem Vorgänger im Amt auseinander setzen, der zudem auch noch sein Vater ist, mit Jörn Kreke.
Für die Regierungskommission Corporate Governance, die sich um eine verbesserte Unternehmens-Kultur in deutschen Aktienunternehmen verdient machen will, sind diese Personalrochaden kein Thema. Der Kodex will lediglich die Zahl der AR-Mandate pro Person auf fünf und das Höchstalter der Aufsichtsräte auf 72 Jahre beschränken. Außerdem drängt der Kodex auf die Offenlegung der AR-Bezüge. Vom Vorsitzenden der Regierungskommission, Gerhard Cromme, ist kaum eine Änderung zu erwarten, ist dieser doch im Hauptberuf Aufsichtsrat mit zehn Mandaten. Er präsidiert bei der ThyssenKrupp AG, wo er zuvor Vorstandsvorsitzender war. Cromme erklärt, dass es „nicht verkehrt sei, wenn der Aufsichtsrat etwas von dem Unternehmen versteht, das er überwacht“.
Ein weiterer Anreiz für den Wechsel in den Aufsichtsrat sind zudem die dort derzeit explodierenden Bezüge, die neben den Firmenpensionen gezahlt werden. Cromme verdient als AR inzwischen deutlich besser: Seine Bezüge stiegen binnen Jahresfrist von 55 250 € auf 120 000 € im Jahr, Ferdinand Piech verbesserte sich im selben Zeitraum um rund 100 000 € auf 305 000 €. Unangefochtener Spitzenreiter bei den Aufsichtsratschefs ist Giuseppe Vita, dessen Bezüge sich auf 350 000 € im Jahr addieren sollen.
MARTIN ROTHENBERG

  • Martin Rothenberg

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