Management

Das Übernahmefieber steigt  

Übernahmen wurden in den vergangenen Jahren häufig aus einer defensiven Position getätigt. Wir erklären die Hintergründe.

Die operativen Schwierigkeiten und die finanziellen Verluste ließen oft keine Alternative als den Verkauf zu. Das Umfeld und die Unternehmenssituation haben sich allerdings zum Positiven gewandelt. Viele Unternehmen haben in den vergangenen Jahren ihre Bilanzen saniert und das operative Geschäft neu ausgerichtet. Dies macht sie für Käufer deutlich attraktiver als in früheren Jahren, als die Rentabilität der Firmen unter den schwierigen Marktumständen und den hohen Finanzierungskosten litt.

Seit einigen Jahren gewinnen Finanzinvestoren stark an Bedeutung. Derzeit stehen diesen Fonds über 50 Milliarden Euro für Investitionen in Deutschland zur Verfügung, im nächsten Jahr soll nochmals die gleiche Höhe an Eigen- und Fremdmitteln hinzukommen. Diese Übernahmen werden größtenteils von Banken finanziert. Das derzeit niedrige Zinsniveau wirkt dabei wie ein Katalysator.

Außerdem steigt der Wettbewerb unter den Banken, die immer höhere Summen für die Akquisitionsfinanzierung bereitstellen. Käufer erhalten auf diese Weise umfangreiche Finanzierungspakete.

Allerdings werden auch zunehmend warnende Stimmen laut: Angesichts der hohen Zinsbelastung könnten die betroffenen gekauften Unternehmen in den kommenden Monaten bei einem Abflauen der Weltwirtschaftskonjunktur ins Straucheln geraten.

Diese grundsätzlichen Trends lassen sich wie folgt auch in der Automobilindustrie, dem Maschinenbau, der Elektronik und der chemischen Industrie beobachten.

Elektronik:

Im Bereich der Elektronik war in diesem Jahr Siemens besonders aktiv. Siemens erwarb Flender sowie die österreichische VA Tech. Bei beiden Übernahmen stand die Erweiterung des Produktportfolios im Zentrum der Überlegungen. Am Finanzplatz Frankfurt wurde insbesondere die Flender-Transaktion genau beobachtet: Während in den Monaten zuvor Finanzinvestoren bei Übernahmen häufig Industrieunternehmen ausstachen, schnappte Siemens in letzter Minute den Investoren Flender weg. Ein Grund war sicherlich der hohe Kaufpreis von 1,2 Milliarden Euro. Dies entsprach dem 1,2-fachen des Umsatzes von Flender bzw. dem Zwölffachen des Ergebnisses vor Steuern und Zinsen.

Bei kleineren mittelständischen Unternehmen schreitet die Konsolidierung ebenfalls voran. Ausländische Investoren suchen häufig den Zugang zu den deutschen Kunden des Zielunternehmens. Einen weiteren Faktor bei der Suche nach passenden Übernahmeobjekten stellt die Technologie der Zielunternehmen dar deutsche Hochtechnologie und Ingenieursleistungen besitzen weltweit nach wie vor einen ausgezeichneten Ruf.

Automobilindustrie und Automobilzulieferung:

Der Einstieg von Porsche bei Volkswagen war in diesem Jahr der Paukenschlag in der deutschen Automobilindustrie. Die Finanzmärkte interpretierten diese Transaktion als defensive Maßnahme des Volkswagen-Konzerns. Neben dem Land Niedersachsen hat das Unternehmen nun einen zweiten stabilen Hauptaktionär. Somit kennzeichnet diese Transaktion in gewisser Weise die strategische Situation der europäischen und nordamerikanischen Volumenhersteller: Der globale Wettbewerbsdruck und die Produktionskapazitäten in Hochlohnländern führen zu tief greifenden Restrukturierungen auf Unternehmens- und Gesellschafterebene. Betroffen hiervon sind auch so prominente Zulieferer wie Delphi und Federal Mogul, die eine Restrukturierung im Rahmen des US-Insolvenzrechts durchführen.

Neben defensiven Maßnahmen gab es auch eine Reihe von selektiven Akquisitionen, die dazu dienten, das Produktportfolio zu erweitern und neue Märkte zu besetzen. Hierzu zählen zum Beispiel die Akquisition des Kabelspezialisten Neumatic durch Leoni oder der Kauf von Knipping durch die französische Lisi-Gruppe.

Einen Schritt weiter als die Automobilindustrie sind deutsche Maschinenbauunternehmen. Investitionen in neue Technologien bei gleichzeitiger Kapazitätsanpassung und eine Konzentration auf Kerngeschäfte haben die Wettbewerbsfähigkeit in den letzten Jahren erheblich gesteigert. Da kommt der globale Aufschwung gerade recht: Deutsche Maschinenbauer berichteten in den vergangenen Monaten häufig von zweistelligen Zuwachsraten bei Auftragsbestand, Umsatz und Ergebnis. Dies hat natürlich das Geschäft mit Übernahmen stimuliert.

Portfoliobereinigungen der 30 Dax-Unternehmen prägen weiterhin den M&A-Markt. So trennte sich E.on für 1,5 Milliarden Euro von Ruhrgas Industries, MAN verkaufte seine Beteiligungen an der SHW und ThyssenKrupp wiederum den Bereich „Metal Cutting“. Hierbei traten Finanzinvestoren als Käufer auf. Als eigenständige Gesellschaften, so die Logik der Käufer, werden sich diese Gesellschaften besser entwickeln als das ungeliebte Anhängsel einer Konzerndivision. Spannend bis zum Schluss bleibt der Verkauf von MTU Friedrichshafen durch DaimlerChrysler. Werden sich auch hier Finanzinvestoren durchsetzen oder erhält MAN den Zuschlag? Eine Entscheidung wird in Kürze erwartet.

Als neue Käufergruppe haben sich asiatische Unternehmen am Markt etabliert. Deren Hauptaugenmerk liegt auf der Technologie der Zielunternehmen. Diese können sie häufig billig aus einer Insolvenz heraus erwerben. Das Wissen und die Maschinen wandern dann nach China, Indien oder die Türkei ab.

Chemie:

Hohe Rohstoffpreise und die Konzentration auf das Kerngeschäft waren und sind ausschlaggebend für Transaktionen im Chemiebereich. Hierzu gehören der Verkauf von Basell durch BASF und Shell sowie die Ausgliederung von Lanxess aus dem Bayer-Konzern. Daneben sind Finanzinvestoren weiter an Chemieaktivitäten interessiert, insbesondere aufgrund ihrer Fähigkeit zur Generierung hoher Cash-Flows.

So könnte Cognis einen neuen Gesellschafter finden, da die jetzigen Gesellschafter ihren Einsatz über Rekapitalisierungen realisiert haben. Gleiches gilt für den PVC-Hersteller Vinnolit. Und interessant bleibt die Frage, wie die Schulden bei Wacker Chemie zurückgeführt werden, sei es nun via IPO oder durch die Aufnahme von zusätzlichem Eigenkapital. Aber auch Condea, die die Sasol wieder zur Disposition stellt, dürfte Finanzinvestoren locken.

Auch im Maschinenbau, der Automobilindustrie und im Bereich Elektronik werden im nächsten Jahr Finanzinvestoren eine wichtige Rolle spielen. Treiber sind das weiter verbesserte wirtschaftliche Umfeld sowie Portfoliobereinigungen bei Konzernen.

Zunehmen werden aber auch sogenannte Secondary Buy Outs, also Transaktionen, bei denen ein Finanzinvestor seine Beteiligung an einen anderen Investor verkauft.

 

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