Beteiligungen/Übernahmen

Das Geschäft mit Fusionen kann 2011 gut laufen

Prall gefüllte Unternehmenskassen und aktiv werdende Private-Equity-Fonds sind positive Zeichen dafür, dass der Beteiligungsmarkt in diesem Jahr wieder in Schwung kommen könnte. Voraussetzung ist, wie Fabian Terner und Stephan Döring vom Frankfurter Beratungshaus DC Advisory Partners im folgenden Beitrag schreiben, dass die Konjunktur sich weiter gut entwickelt.

Während die Jahre 2008 und 2009 – als Folge der Finanz- und Wirtschaftskrise – durch rückläufige Transaktionszahlen geprägt waren, hat sich der globale Markt für Fusionen und Übernahmen 2010 erheblich erholt. Laut Mergermarket, dem unabhängigen M&A-Nachrichtendienst in London, sind letztes Jahr weltweit 11 719 Transaktionen mit einem Gesamtwert von 1500 Mrd. € getätigt worden – ein Anstieg um 23 % im Vergleich zu 2009. Für den deutschsprachigen Raum belief sich die Zahl auf ca. 100 Mrd. € (+ 63 % im Vergleich zu 2009).

Auch die sich häufenden Meldungen über Milliardendeals, vor allem in den USA, zeigen, dass sich die Lage auf dem internationalen M&A-Markt wesentlich verbessert hat. Viele Unternehmen haben die vergangenen Jahre genutzt, Effizienzsteigerungen durchzuführen. Laut dem Wirtschaftsnachrichtendienst Bloomberg verfügen die weltweit 1000 größten Konzerne jenseits des Finanzsektors derzeit über mehr als 2200 Mrd. € an liquiden Mitteln – Geld, das für strategische Zukäufe zur Verfügung steht.

Auch Finanzinvestoren tragen zur Erholung des M&A-Marktes bei. In vielen Fällen zwang die Krise sie dazu, Beteiligungen länger zu halten, als es sonst in ihrem Geschäftsmodell üblich ist. Durch den konjunkturellen Aufschwung sind die Chancen gestiegen, Portfolio-Unternehmen, die die Krisenjahre erfolgreich überwintert haben, zu guten Preisen an den Mann zu bringen. Gleichzeitig steigt bei den Fonds der Druck, neu zu investieren.

Das Marktforschungsinstitut Preqin hat ermittelt, dass Private-Equity-Fonds derzeit über 700 Mrd. € in ihren Einkaufskassen halten.

Einzelne Branchen, die immer wieder im Visier von internationalen Einkäufern stehen:

Automobil

Die deutsche Automobilbranche zieht ein positives Fazit aus dem Geschäftsjahr 2010. Während sich die Branche zu Beginn des Jahres noch zweigeteilt mit deutlichen Zuwächsen im Export bei schwacher Binnennachfrage präsentiert hat, zeichnet sich zum Ende des Jahres ein weitaus homogeneres Bild ab. Weiterhin starke Exportzahlen, die gegenüber den Vorjahren um 53 % gestiegen sind, stehen einer anziehenden Binnennachfrage mit einer Absatzsteigerung von 17 % im Nutzfahrzeugsektor gegenüber.

Die absoluten Zahlen für 2010 liegen zwar noch deutlich unter den Rekordwerten der Boomjahre, der wiederkehrende Optimismus in der Branche sowie die weiterhin erfreuliche Entwicklung der Auslandsumsätze lassen aber darauf schließen, dass die Krise überwunden ist und sich der positive Trend aus 2010 auch 2011 fortsetzen wird.

Während in 2010 noch ein großer Teil der Transaktionen auf das Konto angeschlagener restrukturierungsbedürftiger Unternehmen gegangen ist, werden in 2011 anhaltender Konsolidierungsdruck sowie strategische Überlegungen der Automobilhersteller die M&A-Landschaft prägen. Für die Zulieferindustrie könnte zudem die wieder erstarkte Private-Equity-Branche ein entscheidender Transaktionstreiber sein.

Chemie

Der globale Übernahmemarkt der Chemiebranche startet das Jahr 2011 mit der Ankündigung des US-Chemiekonzern DuPont, den Weltmarktführer für Lebensmittelzusatzstoffe Danisco für 4,5 Mrd. € zu übernehmen. Branchenexperten sehen diese Ankündigung bereits als Beleg für die wieder zunehmende Zahl an Transaktionen im Chemiesektor, welche sich 2010 im deutschen Markt schon durch die 3,1 Mrd. € schwere Übernahme des Spezialchemikers Cognis durch BASF angedeutet hat.

Energie

Im Vergleich zu 2009 hielt sich die Energiebranche bei Transaktionen in 2010 relativ bedeckt. Gegen Anfang des Jahres bereinigten E.on, EnBW und Vattenfall ihre Portfolios um Beteiligungen im Wert von jeweils 800 Mio. € bis 900 Mio. € EnBW beteiligte sich mit mehr als 500 Mio. € zu 41 % an Prazska Energetika, einem tschechischen Stromversorger. Außerdem gab es mehrere kleinere Transaktionen im Bereich der erneuerbaren Energien, etwa die Akquisition des Solarenergieproduzenten Sovello durch den deutschen PE-Investor Ventizz in Höhe von 60 Mio. €.

Gegen Ende des Jahres 2010 sorgte die Ankündigung der 45 % Beteiligung des Landes Baden-Württemberg am Energieriesen EnBW (4,7 Mrd. €) und der Verkauf der Evonik-Tochter Steag, ein Kraftwerksbauer und -betreiber, an das Stadtwerke-Konsortium Rhein-Ruhr für eine Belebung des Marktes.

EnBW dürfte auch in naher Zukunft für Aktivitäten am Transaktionsmarkt sorgen. Nach dem Einstieg der öffentlichen Hand werden neben einer Neuausrichtung der Atomsparte auch die Neuordnung von Beteiligungen an regionalen Gasversorgern und die Abtrennung der Stromnetztochter EnBW Transportnetze AG diskutiert.

Finanzdienstleistungen

Mit dem Aufstocken ihrer Anteile an der Postbank bis zur Mehrheitsbeteiligung (52 %) und der Übernahme von Sal. Oppenheim war die Deutsche Bank der Taktgeber für Transaktionen im deutschen Finanzdienstleistungssektor. Die beiden Zukäufe stellen einen weiteren Schritt in der Konsolidierung des deutschen Bankensektors dar, mit dem der Branchenprimus sein Privatkundengeschäft weiter stärkt.

Der Finanzsektor bleibt jedoch schwierig. Die von vielen Seiten erwartete und geforderte Konsolidierung der Landesbanken ist noch nicht vollzogen. Bei der WestLB zeichnet sich eine Lösung ab. Es soll eine Servicebank für die Sparkassenorganisation geben. Darüber hinaus haben Kaufinteressenten bis 11. Februar Zeit, Offerten für weitere Teile der Bank abzugeben. Beispiele für anstehende Transaktionen sind auch die BHF Bank und die IKB, deren Verkaufsverfahren sich offensichtlich ebenfalls schwierig gestalten.

Die M&A-Aktivitäten in diesem Sektor dürften auch durch die noch nicht abgeschlossene Einführung verschärfter Eigenkapitalvorschriften weitere Dämpfer bekommen.

Maschinenbau

Basierend auf anhaltend steigender Inlandsnachfrage und traditionell starkem Exportgeschäft blickt die Branche positiv ins Jahr 2011 und erwartet ein Wachstum von ca. 8 %. Trotz der herausragenden Rolle des Maschinenbaus für die deutsche Wirtschaft spielt die Branche im M&A-Sektor nur eine untergeordnete Rolle.

2011 könnte das anders werden: Mit dem Spezialmaschinenbauer GEA Group und dem Kranhersteller Demag Cranes stehen zwei prominente deutsche Unternehmen im Fokus von Transaktionsgerüchten.

F. TERNER / S. DÖRING

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