Personalmanagement

Businessplan im Blick

Obwohl die Klage über mangelnde Fachkräfte nicht verstummt, zahlen Unternehmen längst nicht jeden Preis für einen Spezialisten. Das ist jedenfalls die Erfahrung von Personalberater Dipl.-Ing. Günter Akca. Mancher Firma wiederum muss er erklären, dass sie für den Traumkandidaten zu wenig zu bieten hat.

Akca: Obwohl die Situation bunt im Markt ist, haben uns die Klienten im Banken- und Versicherungssegment, Industrie, IT & Telco sowie aus der Start-up Szene gefunden. Kurz zu den Start-ups: Voller Motivation sind die Analysten dran gegangen, haben die Start-ups hochgejubelt, und sobald ein Zug ins Fahren gerät, versuchen alle noch aufzuspringen. Auf der anderen Seite haben wir die Kandidatenmentalität – etwas Eigenes in einem entwicklungsfähigen Unternehmen zu entwickeln – fast als Unternehmer, aber mit der Sicherheit des Angestellten, das war noch vor Monaten bei den Start-ups das Thema. Die Hoffnung hat nachgelassen.

VDI nachrichten: Welche Erfahrung machen Sie mit den Kandidaten?

Akca: Wir merken jetzt bei den Kandidaten ein Umdenken. Sie sagen, Start-up ja, aber ich gucke mir vorher mal den Businessplan an. Wenn ein Unternehmen heute im Markt agiert, muss es im Bereich Personalmarketing differenzierter agieren als früher. Es reicht nicht zu sagen, wir sind ein Start-up und wir sind dynamisch und all diese Attribute. Man muss auf die Kandidaten zugehen und sagen: Das haben wir vor, hier sind deine Chancen. Was wir nicht versprechen können ist, dass du deine 45-Stunden-Woche einhalten kannst. Die eher konservativen Unternehmen haben auch gelernt. Sie wissen, dass sie etwas mehr bieten müssen als das Übliche „nach einer gewissen Wartezeit die Treppen hochfallen“.

VDI nachrichten: Hatten Sie nach den Börsenturbulenzen der vergangenen Zeit und im Rahmen der ersten Pink-slip-Partys regen Zulauf?

Akca: Ja, es standen und stehen so natürlich mehr Kandidaten zur Verfügung. Bei einigen ist es aber gar nicht so einfach, sie wieder neu zu vermitteln, weil sie innerlich eine gedrückte Stimmung haben und sich fragen, ob es falsch war, bei einem Start-up anzufangen, nur weil es gescheitert ist. Diese Mentalität ist in den USA ganz anders.

VDI nachrichten: Können IT-Spezialisten fordern, was sie wollen?

Akca: Das war nie so. Wenn ich als Kandidat „marketingorientiert“ bin und sage, jetzt habe ich studiert, bin 27, habe einen MBA, beherrsche IT-Wissenschaften und will nicht unter 150 000 DM einsteigen – ist das die falsche Einstellung. Das mache ich vielleicht zwei bis drei Mal als Jobhopper und bin dann aber out. Alte Disziplinen wie Fleiß, Engagement sind heute wieder sehr gefragt. Man spricht nicht darüber, aber jeder weiß, diese alten Tugenden werden wieder gerne gesehen.

VDI nachrichten: Einstiegsgehälter ab 100 000 DM – ist das realistisch?

Akca: Wir haben Klienten gehabt, die gesagt haben, Mensch, Herr Akca, ich möchte Sie gern engagieren, aber wenn Sie mir sagen, diese Kandidatengruppe möchte gern Einstiegsgehälter ab 95 000, bin ich nicht bereit, das zu machen.

VDI nachrichten: Und das trauen sich die Firmen trotz desolater Personallage?

Akca: Immer mehr, immer öfter. Das Einstiegsgehalt heute liegt in der Regel bei einer normalen DV Job-Descripton mit abgeschlossenem Studium zwischen 80 000 DM und 90 000 DM.

VDI nachrichten: Wie steht“s mit der variablen Vergütung?

Akca: Gut. Und wird immer noch gerne genommen, aber das Fixgehalt muss heute schon so gestrickt sein, dass ein Mensch nicht immer auf strategische Hoffnung hin arbeiten muss. Ein IT-Spezialist, der unter normalen Konstellationen 10 000 DM brutto im Monat verdient, ist bereit, das Festgehalt bei minimal 6500 DM bis 7500 DM anzusiedeln.

VDI nachrichten: Welche IT-Künste sind denn gefragt?

Akca: Es ist so, dass professionelle Software in Deutschland gut entwickelt wird. Das Ingenieur-Know-how hier ist immer noch bestens. Zu sagen, was denn jetzt verlangt wird, ist schwierig. Unternehmen suchen immer gerne kommerziell talentierte Menschen, die einfach Verständnis für die IT mitbringen, die verstehen, warum eigentlich eine Software gebraucht wird. Diese Menschen müssen in der Praxis nicht programmieren können. Sie müssen einem technisch denkenden Menschen mitteilen können, was denn die Prozesse eines Betriebes beinhalten, damit er das programmtechnisch in die entsprechenden Codes umsetzen kann. Das ist der eine gefragte Typus.

VDI nachrichten: Und der andere?

Akca: Natürlich der Entwickler, der die Geschäftsprozesse begreift und diese im Team umsetzt. Er muss die Technik in die Prozessabläufe integrieren können. Deshalb sind auch kommunikative Fähigkeiten notwendig, um sich mit anderen Entwicklern zu koordinieren und den Betriebswirtschaftler zu verstehen.

VDI nachrichten: Welche Chancen haben Ingenieure als Quereinsteiger?

Akca: Ein Ingenieur bringt für mich immer gute Voraussetzungen mit, er kann sich DV-Know-how schnell aneignen. Der Quereinsteiger ist für uns eigentlich die falsche Zielgruppe. Wir suchen sehr oft diesen Typus: zwei bis drei Jahre DV-Praxis mit Studium und zwischen 28 und 32 Jahren alt.

VDI nachrichten: Haben ältere Arbeitnehmer eine Chance?

Akca: Auf jeden Fall. In der Vergangenheit ist allerdings nicht genügend auf deren Kompetenz zurückgegriffen worden. Wir haben bereits zu diesem Zeitpunkt dazu beigetragen, dass sich die Mentalität geändert hat. Man muss gerade die Kompetenz der älteren Arbeitnehmer im Sinne des Unternehmens nutzen. CLAUDIA HANTROP

Zur Person

Dipl.-Ing. Günter Akca führt seit Mitte 1995 die Personalberatung Technology Recuiters in Köln (Partner in anderen Städten), die auf die ITK-Branche spezialisiert ist. Klienten nach eigenen Angaben: u.a. IT-Unternehmensberatungen, Banken und Industrie.

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