Management 28.04.2006, 19:21 Uhr

„Blut ist dicker als Tinte“  

Geschwister. Wie passt die besondere Beziehung zusammen, wenn Brüderlein und Schwesterlein (oder andere Geschwisterkonstellationen) gemeinsam ein Unternehmen leiten? Nicht selten sehr gut, hat Jürgen Hoffmann für die VDI nachrichten herausgefunden.

Der eine ist Ingenieur und Entwickler: Ingo Hoffmann (57), sein Bruder Thomas (50) Kaufmann. Die beiden sind Gründer und Vorstände der artec technologies in Diepholz. Als sie vor fast 20 Jahren ihr Unternehmen aus der Taufe hoben, das heute erfolgreicher Anbieter digitaler Videosicherheitssysteme in Deutschland ist, wählten sie als Firmensitz das Haus ihrer Familie, in dem vorher schon Oma und Opa eine Drogerie betrieben hatten.

Die brüderliche Geschäftsleitung hat für Ingo Hoffmann vor allem einen Vorteil: „Wir vertrauen uns blind. Das war nie eine Frage, sondern schon von Kind auf vorhanden. Wir brauchen keine großen Absprachen, schon gar keine schriftlichen. Jeder macht seinen Part und kann sich auf den anderen 100-prozentig verlassen. Blut ist dicker als Tinte.“ Keine Politik machen und sich nicht jedes Wort drei Mal überlegen zu müssen – das spare Kraft und Nerven. Außerdem sei die Bindung ans Unternehmen sehr viel größer, wenn der Bruder dort mit in der Verantwortung steht: „Den lässt man einfach nicht im Stich.“ Die niedersächsischen Unternehmensbrüder, die Sicherheitsanlagen für Unternehmen und Behörden in ganz Europa realisieren, motivieren sich gegenseitig. „Jeder spürt sofort, wenn der andere ein aufmunterndes Wort braucht“, sagt der Ältere. „Das ist über ein halbes Jahrhundert in Fleisch und Blut übergegangen.“

Ähnliches sagen die Geschwister Martina Dürndorfer und Claus Dürndorfer. Die beiden promovierten Finanzexperten gründeten vor zwei Jahren in München The Value Group. Die Dürndorfers entwickeln Finanzprodukte und Anlagekonzepte, versuchen die klassische Finanzanalyse um die Bewertung der so genannten „Extra-Financial Assets“ zu ergänzen und damit bisher nicht ausreichend erkannte langfristige Werttreiber in Unternehmen zu identifizieren. „Als wir die Geschäftsidee hatten, war uns sofort klar, dass wir keinen besseren Geschäftspartner finden würden“, erzählt Martina Dürndorfer. „Wir ergänzen uns fachlich und persönlich“. Sie gilt als Expertin für Fragen rund um die Themen Unternehmensführung, Prozess- und Personalmanagement, er verfügt über viel Erfahrung im Pension Asset Management. Das Unternehmer-Duo aus dem selben Elternhaus hat gleiche Wertvorstellungen und „jahrzehntelange Erfahrungen im Konfliktmanagement mit dem anderen“, wie die fünf Jahre Jüngere sagt. „Wir kennen unsere Stärken und Schwächen und wissen, mit ihnen umzugehen.“ Vertrauen und klare Worte – zwei Voraussetzungen für erfolgreiche Doppelspitzen, die bei Geschwistern oft vorhanden sind. Doch manches ist auch schwieriger, wenn man zusammen aufgewachsen ist. So mussten Felix und Jan Goedhardt, vor Jahren gemeinsame Chefs der Hamburger Beteiligungsgesellschaft pre-IPO, ihr brüderliches Verhältnis als Manager-Duo „professionalisieren“, wie Felix Goedhart damals konstatierte. Sie arbeiten nicht mehr zusammen. Auch die Zwillinge Nina und Peer Blumenschein, die mit 17 Jahren die Software-Vermarktungsfirma Softline gegründet hatten, haben sich geschäftlich getrennt. Sie waren sicher zu wissen, „was wir vom anderen zu erwarten haben“ und wagten im Februar 2000 den Börsengang an den Neuen Markt. Rund 5000 Produkte hatten sie, über 300 Mitarbeiter und im Geschäftsjahr 1999/2000 einen Umsatz von 42 Mio. €. Es folgten der Aktienkurssturz von über 60 € auf unter 1 €, Massenentlassungen, Umsatzeinbrüche, Verluste über Jahre. Die Sanierer gaben sich die Klinke in die Hand. 2002 zog sich Bruder Peer aus der Beletage zurück – mit satter Abfindung und einem Beraterhonorar, das drei Mal so hoch wie seine früheren Vorstandsbezüge war, in der Tasche. Anfang 2004 warf auch Schwester Nina das Handtuch. Heute hat sie eine Marketing-Agentur und macht Werbung, ihr Bruder ist in der Dental-Branche.

Michael Greve (43), der Elektrotechnik studiert hat, hob mit seinem vier Jahre jüngeren Bruder Matthias in Karlsruhe das Internetportal Web.de aus der Taufe: „Wir kannten von Jugend an unsere Präferenzen und haben uns die Aufgaben entsprechend geteilt.“ Ist die Streitkultur unter Brüdern eine andere als unter „normalen“ Vorstandskollegen? „Ja, wir haben uns intensiver gestritten“, gibt Michael Greve zu, „aber wir haben auch eher Lösungen gefunden und die dann auch intensiver gefeiert.“ Als die Firma ihr Portalgeschäft an den Internet Service Provider United Internet verkaufte, wechselte der jüngere Greve-Bruder gleich mit. Michael Greve nicht. Reden sie auf Familienfeiern über das Geschäft? Matthias Greve: „Nein, dass ist bisher noch nicht vorgekommen.“ J. HOFFMANN

Ein Beitrag von:

  • Jürgen Hoffmann

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