Personalmanagement

Bei Opel verschwindet jede dritte Stelle

VDI nachrichten, Dortmund, 17. 12. 04 -Mit einem Kraftakt wollen die US-Konzernmutter General Motors (GM), das Management, Betriebsrat und öffentliche Hand die Adam Opel AG (Rüsselsheim) sanieren. Rund 9900 Mitarbeiter, also jeder dritte Beschäftigte, sollen von der Gehaltsliste des kränkelnden Automobilherstellers verschwinden – ohne betriebsbedingte Kündigungen und zunächst ohne Aufgabe eines Standorts.

Es hat Jahre gedauert, bis GM, Opel und der Öffentlichkeit klar wurde, wie schlecht es dem traditionsreichen Autobauer wirklich geht. Ein Indiz dafür sind sicherlich die Gespräche, die GM seit diesem Dienstag mit dem italienischen Fiat-Konzern führt: Darin, so hieß es aus Firmenkreisen, bietet der US-Konzern bis zu 1 Mrd. €, damit er die restlichen 80 % von Fiat Auto nicht übernehmen muss. Eigentlich hatte GM sich dazu verpflichtet und diesen Zukauf noch vor kurzer Zeit als optimale Ergänzung seines weltweiten Geschäfts gefeiert.
Doch inzwischen kränkeln die Europa-Marken von GM, Fiat steckt tief in den roten Zahlen, und es geht nur noch um einen Kapazitätsabbau. Selbst das vor allem von Arbeitnehmerseite gepflegte Feindbild des US-Konzerns GM, der eine Politik ohne Rücksicht auf seine Europa-Töchter fährt, gerät ins Wanken.
„Ohne General Motors gäbe es Opel in Europa schon gar nicht mehr“, sagt unwidersprochen Professor Ferdinand Dudenhöffer, Automobil-Spezialist der Fachhochschule Gelsenkirchen. Der bekannte Chef des Center of Automotive Research (CAR) bürstet kräftig gegen den Strich, wenn es um die Rolle des US-Autokonzerns bei Opel geht. Zwar seien die Qualitätsprobleme, mit denen das Traditionsunternehmen in den vergangenen Jahren zu kämpfen hatte, ein Fehler des von Detroit eingesetzten Managements gewesen. Doch aktuell profitiere Opel von der Mutter aus den USA: 1 Mrd. € will GM in den nächsten Jahren für Opel locker machen.
„Es sieht so aus, dass das Geld für die Transfergesellschaften, mit denen betriebsbedingte Kündigungen vermieden werden sollen, aus Detroit kommt“, meinte Dudenhöffer. Opel selbst habe kein Geld mehr in den Kassen. Gewinne habe man seit Jahren nicht mehr geschrieben, die aufgelaufenen Verluste reichten an 2 Mrd. € heran.
Der Standort Bochum – übrigens gleichzeitig auch Wohnort des Autoprofessors – steht exemplarisch für den neuen Kurs von GM in Europa. Opel betreibt dort drei Werke: Einen europaweiten Ersatzteile-Versand als Werk 3 mit 670 Beschäftigten, im Werk 2 eine Achsenfertigung mit 790 Mitarbeitern und einen Getriebebau mit rund 1000 Beschäftigten sowie die Montage von rund 240 000 Pkw der Modelle Zafira und Astra Caravan im Werk 1.
Dort arbeitet die Masse der Bochumer Beschäftigten, also etwa 7200 Männer und Frauen. Sie fertigen zusätzlich noch Komponenten wie Auspuffanlagen. Nach dem Opel-Sparszenario, das am Montag auch vom Bochumer Betriebsrat gebilligt wurde, könnte Werk 3 komplett an ein Logistik-Unternehmen, die Achsenfertigung im Werk 2 an ein Automobilzulieferer abgetreten werden. Die Getriebeproduktion läuft bereits unter Fiat-Regie im Joint Venture „Powertrain“.
Das Hauptwerk schrumpft auf die reine Montage. Die Komponentenfertigung dort ginge an einen Zulieferer, die Herstellung von rund 240 000 Bausätzen, die versandt werden und aus denen in anderen Werken Pkw montiert werden, wird aufgegeben.
„Eigentlich arbeitet in Bochum nur etwa jeder Zweite in der eigentlichen Automontage“, heißt es im Werk. Diese Beschäftigung soll gehalten werden, weil gerade die Modelle Zafira und Astra Caravan gut verkauft werden. Von der übrigen Produktion – und den entsprechenden Belegschaften mit einer Kopfzahl von 3600 – will sich der Konzern schnell trennen und damit seinen Standort Bochum nahezu halbieren.
Da, wo noch vor wenigen Wochen gegen den rigiden Sparplan wild gestreikt wurde, regt sich derzeit nur leiser Unmut.
„Die Stimmung unter den Kollegen ist ganz beschissen“, sagt die „Opelanerin“ Annegret Gärtner (26). Von den geplanten Auffanggesellschaften hält sie nichts. „Das ist doch nichts anderes als eine Kündigung mit zweijähriger Kündigungsfrist.“ Daher scheinen derzeit vor allem die Abfindungen gefragt, die Opel anbietet: beispielsweise 200 000 € nach 32-jähriger Betriebszugehörigkeit für den, der bisher ein Monatsbrutto von 3500 € hatte. Mit diesen Zahlen lockt das Unternehmen.
Und die Agentur für Arbeit, bei der sich der dann Arbeitslose Ex-Opel-Beschäftigte melden müsste, signalisiert auch Entgegenkommen: Wenn die Kündigungsfristen eingehalten werden und die Mitarbeiter ihre Entlassung nicht selbst betreiben, werden sie noch nicht einmal eine Sperrfrist ihres Arbeitslosengeldes hinnehmen müssen, wird von den Agenturen signalisiert. Üblicherweise wird in solchen Fällen das Arbeitslosengeld für drei Monate gesperrt. Selbst eine Abfindung in fünf- oder sechsstelliger Höhe schmälert das Arbeitslosengeld nicht. Es würde erst nach spätestens 32 Monaten Arbeitslosigkeit auf das Arbeitslosengeld (Alg) II angerechnet – wenn dann noch etwas von der Abfindung vorhanden ist.
Autoprofessor Ferdinand Dudenhöffer sieht Opel jedenfalls auf einem dornigen, aber guten Weg. Bis 2009/10, wenn der nächste Modellwechsel beim Zafira kommt, seien der Standort Bochum, bis 2007 beim Modellwechsel des Vectra der Standort Rüsselsheim garantiert. Bis dahin müssten die Werke so „schlank“ sein, dass sie im konzerninternen Wettbewerb mit den westeuropäischen Konkurrenten – beispielsweise Antwerpen oder Eisenach, aber auch den spanischen Werken – mithalten könnten. Abstriche beim Opel-Lohn, der bis zu 20 % über dem Metalltarif liegt, seien ebenso möglich wie längere Arbeitszeiten ohne Lohnausgleich. MARTIN ROTHENBERG

Von Martin Rothenberg

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