Personalmanagement

„Aus Mitarbeitern Mit-Unternehmer machen“  

VDI nachrichten, Köln, 21. 12. 07, ps – Der Finanzdienstleister Axa beteiligt seine Mitarbeiter seit Jahren am Erfolg und am Kapital des Unternehmens. Bereits mehr als 5 % des Grundkapitals gehört den weltweit 140 000 Angestellten. Welche Philosophie steckt dahinter? Schafft das Partnerschaftsprogramm einen Ausgleich für sinkende Reallöhne? Fragen an Personalvorstand Ulrich Nießen.

Nießen: Im Gegenteil. Die Gehaltsentwicklung der vergangenen Jahre hat dazu geführt, dass die Arbeitskosten bei uns im internationalen Vergleich gesunken sind. Dadurch ist der Standort Deutschland wieder wettbewerbsfähig geworden. Das Ergebnis können Sie an der Arbeitsmarktstatistik ablesen. Wir haben heute 1,5 Mio. Arbeitslose weniger als noch vor zwei Jahren.

VDI nachrichten: Das freut die Betroffenen. Aber wer bereits Arbeit hatte, musste sich einschränken. Ist der Preis nicht zu hoch?

Nießen: Die Kaufkraft der meisten Beschäftigten ist tatsächlich nicht gestiegen. Die Reallöhne haben sich für einige Jahre von der positiven wirtschaftlichen Entwicklung abgekoppelt. Aber ich finde die öffentliche Debatte darüber wird sehr einseitig geführt.

Direkt oder indirekt profitiert jeder vom Aufschwung. Denken Sie an die sinkenden Beiträge zur Arbeitslosenversicherung, denken Sie an die Rentenkasse, die wieder gefüllt ist, denken Sie an die Beiträge zur Krankenversicherung, denken Sie an den weitgehenden Ausgleich des Staatshaushalts.

Diese längst überfälligen Sanierungsleistungen werden viel zu wenig gewürdigt. Die Medien zeichnen oft ein völlig verzerrtes Bild. Mich wundert deshalb nicht, dass viele enttäuscht sind von der wirtschaftlichen Entwicklung.

VDI nachrichten: Mehr als 80 % der Menschen sagen, dass der Aufschwung bei ihnen nicht ankommt. Spüren Sie den Unmut auch in Ihrem Unternehmen?

Nießen: Nein, die Stimmung bei uns ist viel positiver. Das liegt sicher auch an der Erfolgsbeteiligung, die wir bei Axa seit Jahren praktizieren…

VDI nachrichten: …unter anderem schenken Sie jedem Beschäftigten Aktien im Wert von aktuell knapp 3000 €. Jeder Mitarbeiter kann weitere Belegschaftsaktien zu Sonderkonditionen erwerben. Außerdem gibt es eine jährliche Gewinnbeteiligung…

Nießen: Ja, das ist Dank und Anerkennung für die Leistung unserer Mitarbeiter. Wir haben als Versicherungsunternehmen ambitionierte Ziele. Axa will weltweit bis 2012 die Beitragseinnahmen verdoppeln und den Gewinn verdreifachen. Das ist extrem ehrgeizig. Gerade in Westeuropa haben wir es mit stagnierenden Märkten zu tun. Dennoch sind wir auf gutem Wege, diese Ziele zu erreichen. Auch die Geschäftsentwicklung in Deutschland läuft überaus positiv.

Wem verdanken wir das? Als Finanzdienstleister, der keine Rohstoffe, keine Patente, keine Maschinen hat, verdanken wir es ausschließlich den Menschen, die bei uns arbeiten. Deshalb ist es nur fair, wenn sie einen Teil des Gewinns erhalten.

VDI nachrichten: Aber es geht auch darum, die Mitarbeiter zu motivieren, die Unternehmensziele zu erreichen?

Nießen: Ja, natürlich, da ist jeder gefordert. Wir wollen, dass sich unsere Mitarbeiter mit dem Unternehmen identifizieren, dass sie stolz sind auf das gemeinsam Erreichte. Ich wüßte nicht, wie man das besser erreichen könnte, als auf dem genannten Weg. Wir machen jeden zum Anteilseigner.

VDI nachrichten: Aber wollen Ihre Mitarbeiter das überhaupt? Wer zeichnet die angebotenen Belegschaftsaktien?

Nießen: Die Resonanz auf das Programm ist hervorragend. 35 % der Mitarbeiter haben in diesem Jahr an den beiden Aktienprogrammen teilgenommen – eine Verdoppelung gegenüber dem Vorjahr.

VDI nachrichten: Rund 5 % des Grundkapitals sind bereits in Mitarbeiterhand. Soll der Anteil weiter steigen? Gibt es eine Zielmarke?

Nießen: Nein, die gibt es nicht. Um Missverständnisse zu vermeiden: Es geht uns mit dem Programm nicht darum, Kapital zu generieren oder aktienrechtliche Sperrminoritäten zu erreichen. Wir wollen nichts weiter als unsere Mitarbeiter am Erfolg beteiligen.

VDI nachrichten: Wirkt sich der hohe Anteil an Belegschaftsaktionären auf das Unternehmensklima aus?

Nießen: Die Mitarbeiter verfolgen den Aktienkurs. Sie haben ein wachsendes Interesse an der wirtschaftlichen Entwicklung des Unternehmens und der Märkte. Früher hat die Beschäftigten der Tarifabschluss immer nur unter dem Aspekt interessiert, wie viel bekomme ich mehr. Mittlerweile denken sie auch darüber nach, ob wir uns die höheren Gehälter leisten können. Und genau das wollen wir erreichen.

VDI nachrichten: Da sind Interessenskonflikte vorgezeichnet. Der Axa-Betriebsrat ist darüber vielleicht gar nicht so glücklich….

Nießen: Das sehen Sie falsch. Der Betriebsrat ist mit unseren Programmen sehr glücklich und zeichnet selbst fleißig Aktien. Der Betriebsrat arbeitet ohnehin sehr konstruktiv mit der Unternehmensleitung zusammen. Wir ziehen da wirklich am gleichen Strang. Wir leben von der Qualität und der Motivation und der Zufriedenheit unserer Belegschaft.

VDI nachrichten: Sie haben mit dem Betriebsrat auch einen Beschäftigungs- und Standortsicherungsvertrag abgeschlossen. Müssen Sie als Finanzdienstleister, der seinen Kunden Sicherheit verkauft, besonders sensibel sein für das Sicherheitsbedürfnis der eigenen Mitarbeiter?

Nießen: Unsere Kunden kaufen bei uns Schutz und Sicherheit. Das müssen wir auch unseren Mitarbeitern bieten, sonst sind wir im Markt nicht glaubwürdig. Wenn mein Versicherer seine Mitarbeiter schlecht behandelt – und es gibt eine Reihe von Wettbewerbern, die das getan haben -, werde ich als Kunde doch hochgradig nervös, wie er mit mir umgeht im Schadensfall.

VDI nachrichten: Müssen Mitarbeiter, die zugleich Aktionäre sind, nicht auch schneller und umfassender über die wirtschaftliche Entwicklung des Konzerns informiert werden?

Nießen: Ja, natürlich. Aber das ist etwas, das wir uns ohnehin auf die Fahnen geschrieben haben. Das gilt vor allem in Phasen, in denen übernommene Unternehmen in die Gruppe integriert werden. Das ist aktuell zum Beispiel mit der DBV-Winterthur der Fall. Wir befragen unsere Mitarbeiter auch jährlich, wie gut und umfassend sie sich informiert fühlen. Das ist ein ganz entscheidender Punkt.

VDI nachrichten: Wie informieren Sie denn?

Nießen: Einmal durch unser Intranet, in dem wir fast täglich Unternehmensnachrichten und alle Pressemitteilungen veröffentlichen. Außerdem geben wir eine Mitarbeiterzeitschrift heraus, die vierteljährlich erscheint.

VDI nachrichten: Wenn Sie so erfolgreich sind mit Ihrem Konzept, warum schlagen nur so wenige Unternehmen hierzulande den gleichen Weg ein? Nach einer neuen Studie sind in Deutschland die Mitarbeiter nur in 2 % aller Unternehmen am Kapital und in 8 % am Erfolg beteiligt…

Nießen: Dafür gibt es eine Reihe von Gründen. Viele Rechtsformen machen die Beteiligung von Mitarbeitern nicht gerade einfach. Auch das deutsche Aktienrecht ist nicht optimal. Ein weiterer Grund ist das Steuerrecht, das keinerlei Privilegien für solche Beteiligungen schafft. Aber natürlich liegt es auch manchmal an der mangelnden Kreativität der Unternehmenseigentümer.

VDI nachrichten: Glauben Sie, dass künftig mehr Unternehmen Ihrem Beispiel folgen?

Nießen: Ich kann es nur jedem empfehlen. Ich glaube, ein Unternehmer, der seine Angestellten nicht am Kapital beteiligt, ist schlecht beraten. Wer auf eine extrem motivierte und verantwortungsbewusste Belegschaft Wert legt, sollte seine Mitarbeiter zu Mit-Unternehmern machen.

VDI nachrichten: Was halten Sie von den Plänen der Bundesregierung, die Mitarbeiterkapitalbeteiligung stärker zu fördern. Geht das in die richtige Richtung?

Nießen: Es geht in die richtige Richtung, soweit damit die direkte Beteiligung der Mitarbeiter am Kapital ihres Unternehmens steuerlich stärker gefördert wird. Allerdings würde ich mir wünschen, dass die Steuerbefreiung großzügiger geregelt wird als jetzt geplant. PETER SCHWARZ

Von Peter Schwarz

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