Management

„Auf den zweiten Blick eine sehr gute Nummer“  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 18. 4. 08, ws – Die Wälzlager der Schaeffler Gruppe finden sich in Uhren, Autos, Flugzeugen, Windrädern und, und, und. Ingenieure kennen die Produkte des fränkischen Unternehmens, seine Philosophie und Kultur als global aufgestelltes Familienunternehmen sind hingegen wenigen bekannt.

Die Vertreter der Stadt Herzogenaurach wissen, was sie an Wilhelm Schaeffler hatten. Gemeinsam mit seinem Bruder Georg, dem kreativen Techniker, gründete der Diplom-Kaufmann 1946 die „Industrie GmbH“, aus der später INA und die Schaeffler Gruppe hervorgingen.

Das Unternehmen ist heute neben Adidas und Puma der dritte große Arbeitgeber in der knapp 23 000 Seelen zählenden Kleinstadt nahe Nürnberg. Wilhelm Schaeffler wäre am 3. April 100 Jahre alt geworden, Herzogenaurach ehrte den Unternehmensgründer mit einer Gedenkstunde.

Schaeffler ist inzwischen mit seinen drei Standbeinen INA, LuK und FAG, ein renommierter Zulieferer der Automobil- und Flugzeugindustrie sowie weltweit führender Wälzlageranbieter. Mit fast 9 Mrd. € Umsatz, 66 000 Mitarbeitern an 180 Standorten in 50 Ländern kann sich das Unternehmen mit Fug und Recht als „Global Player“ bezeichnen. Von einem klassischen Familienunternehmen, in dem der Gründer sich väterlich um das Wohl der Mitarbeiter kümmert, kann vor dem Hintergrund einer solchen Entwicklung kaum noch die Rede sein.

Und doch legen die Schaeffler-Leute Wert darauf, dass Gewinnmaximierung nicht der einzige Faktor ist, der zählt. Das Wort „Familienunternehmen“ wird in diesem Zusammenhang keineswegs gescheut. „Als solches ist die Schaeffler Gruppe langfristig orientiert und richtet sich nicht an Analystenmeinungen und Aktienkursen aus“, meint Werner Parwoll, Leiter Personal bei FAG.

Aber passten Stuttgart oder München als Zentralen nicht besser ins Label eines Unternehmens mit Weltgeltung, auch wenn es sich der Region Mittelfranken verpflichtet fühlt? „Eine aktuelle Studie hat gezeigt, dass unser Standort polarisiert: Während die einen den großstädtischen Ballungsraum vorziehen, wollen die anderen raus aus den Zentren, um sich auf Arbeit und Familie zu konzentrieren“, erläutert Werner Parwoll.

Entsprechend ist die Unternehmenskultur gestrickt: Permanentes Lernen und Kompetenzentwicklung, verschiedene Vorsorgekonzepte, Freistellungen zur Wahrnehmung persönlicher und familiärer Termine sowie flexible Arbeitszeiten sind Bausteine, mit denen Schaeffler Ingenieure in die Provinz zieht. Von der Ausbildung bis zur Rente und darüber hinaus begleitet das Unternehmen die Karrieren seiner Mitarbeiter.

Wenn es dem Unternehmen schwerer fällt als früher, die geeigneten Leute ins Boot zu holen, läge das nicht an der Schaeffler-Kultur, erklärt Karin Görl vom Personalmarketing. Der Fachkräftemangel sorge dafür, dass „wir etwas länger brauchen, um die geeigneten Kandidaten zu finden – die aber keinesfalls schlechter sind als früher“.

Die Intensität, in der man auf High-Potential-Suche ginge, habe sich in den vergangenen Jahren radikal erhöht. „Wir bauen frühzeitig Kontakte, etwa über Praktika und duale Studiengänge auf, um gute Leute rechtzeitig zu identifizieren und zu binden.“

In Vorstellungsgesprächen zeige sich der Wandel auf dem Arbeitsmarkt, ergänzt Parwoll: „Bewerber hinterfragen heute kritischer: Wie sieht mein Werdegang im Unternehmen aus? Welche Aufgaben stellen sich mir? Auch das Thema der Vergütung wird bei Absolventen nicht mehr ausgespart.“

Die Produkte und die hoch entwickelte Technologie faszinierten die Ingenieurabsolventen am Arbeitgeber Schaeffler besonders. Parwoll scheut nicht den Vergleich mit den hochattraktiven Automobilherstellern: „Es ist doch ein erheblicher Unterschied, ob technikbegeisterte junge Menschen etwas an einem Rücklicht entwickeln oder bei uns an einem anspruchsvollen und innovativen Projekt mitmachen. In Sachen Attraktivität halten wir mit jedem anderen Arbeitgeber mit.“

Ein Indiz für das große Innovationsvolumen seien die großen Forschungs- und Entwicklungsbereiche mit jährlich bis zu 1000 Patentanmeldungen. Parwoll: „Keine Frage: Wir sind auf den zweiten Blick eine sehr, sehr gute Nummer“, ein Anspruch, der den Faktor Qualität mit einschließt. Schließlich gehören „fehlerfreie Leistungen“ zum Selbstverständnis des Unternehmens.

Der Wille zur Perfektion gehört auch zum Leistungsportfolio, das Schaeffler für den neuen Geschäftsbereich Windkraft einfordert. Parwoll: „Wir bündeln unsere Kompetenzen auf diesem Gebiet bei FAG in Schweinfurt, um den hochinteressanten Markt von dort aus mit Hightech-Produkten zu versorgen.“ Dafür werden in diesem Jahr rund 20 zusätzliche Ingenieure an den deutschen Standorten, wo Forschung und Entwicklung ihr Zuhause haben, gebraucht – vom klassischen Maschinenbauer über den Mechatroniker bis zum Experten in Energietechnik.

„Da wir in engem Kontakt mit dem Kunden stehen“, betont Karin Görl, „sollten Bewerber kommunizieren und beraten können. Das verlangt ein breites Persönlichkeitsprofil. Da reicht der Konstrukteur allein nicht aus.“ Bei der Einführung in die sehr spezifische Produktwelt der Windkraftkomponenten „made by Schaeffler“ helfen intensive Trainee- und Schulungsprogramme.

Keiner wird auf seinem Karriereweg alleingelassen – ganz im Sinne eines global tätigen Familienunternehmens. WOLFGANG SCHMITZ

Von Wolfgang Schmitz

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