Peter Drucker Forum

„Auf moralische Fragen dürfen wir nicht ökonomisch antworten“  

Thomas Sattelberger, Personalvorstand der Deutschen Telekom, sprach mit uns über den bedeutenden Denker Peter Drucker.

Mann mit Smartphone am Ohr

Foto: panthermedia.net/belchonock

In der vergangenen Woche trafen sich mehr als 300 Personaler, Manager und Wissenschaftler zum ersten globalen Peter Drucker Forum in Wien. Anlass war der 100. Geburtstag des 2005 verstorbenen Begründers der Managementlehre. In Vorträgen wurde Drucker als Mensch und Wissenschaftler geehrt. Der gebürtige Wiener, der in die Vereinigten Staaten emigrierte, hat 35 Bücher geschrieben. Thomas Sattelberger, Personalvorstand der Deutschen Telekom, sprach mit uns über den bedeutenden Denker.

Sattelberger: Peter Drucker hat nie auf akademische Ehren Wert gelegt, er wollte ein Lehrer sein, der sein Wissen, das er über seine fünf Sinne erworben hat, den Managerinnen und Managern und der interessierten Welt weitergibt. Und zum Thema Milton Friedman: Wahrscheinlich muss man sagen, Peter Drucker ist auch ein typisches Beispiel eines Menschen, dem die Wirklichkeit immer wieder recht gegeben hat, während andere für meiner Ansicht nach realitätsferne Theoriegebäude geehrt wurden. Er war ein Mann, der verändern wollte.

Würde das Nobelpreis-Komitee angesichts der Krise heute anders urteilen?

Das wäre durchaus möglich, wobei man sagen muss, Krisen gehören zum Kapitalismus wie die Warteschlangen zum Sozialismus. Wenn nicht die moralische Verrohung der Shareholder Value-Doktrin zur Krise geführt hätte, dann eben etwas anderes. Aber wäre Drucker mehr verbreitet, wäre im Management viel mehr bodenständige nüchterne Skepsis vorhanden. Es wäre viel eher auf die Umweltsignale geachtet worden, der Kohortenzwang wäre weniger ausgeprägt gewesen.

Hat die Elite versagt?

Die Elite hat auch versagt, aber nicht nur diese. Es ist ja auch ein Versagen der gerade durch die Politik genährten Erklärungskonzepte für den Markt. Das heißt, die so genannte invisible hand oder unsichtbare Hand des Marktes hat nicht gegriffen. Das ist aber eine Philosophie, die weit verbreitet ist und nicht nur bei der Wirtschaftselite. Zum Zweiten haben die Kontrollmechanismen in weiten Teilen versagt, übrigens gerade die Kontrollmechanismen des Staates, wie man ja am Fiasko unserer Landesbanken sieht. Dazu kommt auch noch ein Versagen der individuellen Moral von einzelnen Führungspersonen.

Wie setzen Sie Peter Drucker bei der Deutschen Telekom um?

Es ist ja nie eine Frage, wie man Rezepte eins zu eins umsetzt. Zunächst gibt es eine intensive Diskussion, auch und gerade im Vorstand, dass wir nicht dem Shareholder, sondern insbesondere den Stakeholdern verpflichtet sind und dass sich dieses in unserer praktischen Unternehmenspolitik ausdrücken muss.

Zum Zweiten, indem wir gerade nach unseren schweren Datenschutzskandalen und Bespitzelungsaffären, wo wir ja entdeckt hatten, dass unser Haus zum Teil asbestverseucht war, seit 2008 einen intensiven Werteprozess eingeleitet haben. Das drückt sich dann auch in den so genannten moments of truth aus, den Momenten der Wahrheit. Wer wird befördert, wer wird wie beurteilt, wertgeschätzt, und vieles andere mehr, also in den klassischen zwischenmenschlichen Prozessen.

Bei uns ist zum Beispiel das Werteset ein Teil unserer variablen Vergütung, d. h., ein nicht unbeträchtlicher Teil der variablen Vergütung ist davon abhängig, ob die jeweilige nächste Managementebene einschätzt, dass der Betroffene das Werteset der Deutschen Telekom lebt. Integrität und Respekt ist ein ganz wichtiges Thema unseres Wertekanons, aber auch die Frage der Kundenorientierung und der Selbstverantwortlichkeit.

Was ist Ihre Message Peter Drucker betreffend?

Wir sollten Peter Drucker keinen Schrein bauen, sondern nüchtern und klar erkennen, dass der Mainstream nicht nach den Maximen von Peter Drucker lebt. Wir als Manager, als Politikverantwortliche, als Universitätsprofessoren, wo immer wir in Verantwortung stehen, sollten dafür kämpfen, dass Peter Druckers Lehre mehr Gewicht bekommt.

Wann haben Sie sich selbst erstmals mit Peter Drucker beschäftigt?

Ich habe Anfang der 80er-Jahre ein erstes Buch von ihm gelesen, und habe mich dann bis in die 90er-Jahre hinein sehr intensiv mit seinen ganzen Themen zur Wissensarbeit beschäftigt. Jüngst habe ich mich im Angesicht der Krise mit seinen Maximen zur Rolle der Unternehmen in der Gesellschaft auseinandergesetzt. Eigentlich hat mich Drucker also in den letzten fast 30 Jahren immer wieder inspiriert.

Wie aktuell ist Peter Drucker?

Aktueller denn je, weil seine sehr profunden, tiefschürfenden Erkenntnisse, dass Unternehmen nicht nur sich selbst oder ihren Eigentümern dienen dürfen, sondern integraler Bestandteil der Gesellschaft sind, heute wichtiger denn je sind. Gerade jetzt, wo die Gesellschaft sich im Grunde ein Stück von Unternehmen distanziert, und Unternehmen sich eher im gesellschaftsfreien Raum bewegen, müssen wir erkennen, wie sehr beide aufeinander angewiesen sind.

Der zweite Aspekt, warum Peter Drucker heute so wichtig ist: Peter Drucker hat immer für das Management als eine Profession plädiert. Wie Ärzte den hippokratischen Eid ablegen, forderte Drucker einen Schwur, einen Ehrenkodex für den Manager. Heute dürfen auch Scharlatane Manager werden. Natürlich gibt es auch unter Ärzten Scharlatane, aber die Wahrscheinlichkeit ist reduziert, und die Verwerflichkeit von Scharlatanerie ist augenfällig, wenn es passiert. Also auch in dieser Frage ist Drucker wichtiger denn je.

Und ein dritter Punkt: Drucker hat immer gesagt, der einfache Mann und die einfache Frau auf der Straße müssen verstehen, was das Management will. Wie gelingt es mir, mich mit meinem Anliegen verständlich zu machen, darüber sollte jeder Manager nachgrübeln. Auf der anderen Seite steht aber auch die Frage, wie es mir gelingt, die Menschen nicht nur inhaltlich zu adressieren, sondern auch emotional zu überzeugen. Auf moralische Fragen dürfen wir nicht ökonomisch antworten, auch hier ist Drucker hochaktuell.

Es gibt immer noch wenige Frauen im Top-Management, Drucker hat zwar nie die Quote gefordert, aber wie steht Thomas Sattelberger dazu?

Hätten Sie mich vor zehn Jahren gefragt, hätte ich das brüsk zurückgewiesen. Ich habe immer gedacht, es gelingt durch humanistische Bekehrung, das hinzubekommen. Jetzt muss man doch ganz ehrlich sagen, das ist, ganz salopp formuliert, in die Hose gegangen. Ich denke über die Quote nach. Wahrscheinlich geht es, zumindest zeitlich begrenzt, nicht ohne.

Wird die Deutsche Telekom das erste Unternehmen sein, das die Quote umsetzt?

Wir beginnen bereits mit der Quotierung. Externe Personaldienstleister haben wir schon heute dazu verpflichtet, dass bei der Neubesetzung von Führungspositionen mindestens eine Frau auf der Kandidatenliste stehen muss. Bei der Auswahl für unsere Führungsnachwuchsprogramme planen wir eine Frauenquote und bei jeder Besetzungsentscheidung sitzt unsere Leiterin Diversity mit am Tisch, und zwar auf gleicher Augenhöhe.

 

Von C. Hantrop

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