Compliance

Auch bei kleinen Verstößen aktiv werden

Immer neue Korruptionsfälle zeigen, wie wichtig das Thema Compliance wird. Auch kleine und mittlere Unternehmen sollten erwägen, einen eigenen Beauftragten dafür einzustellen oder zumindest entsprechende Strukturen zu schaffen. Doch vielen Firmen fällt es schwer, sich gegen eigene Rechtsbrüche zu wappnen – dabei sind die Risiken enorm.

Siemens, Telekom, MAN, Daimler – große Namen, mit denen nicht nur Hightech und Qualität Made in Germany verbunden wird, sondern auch Korruption, Schmiergeldzahlungen und Bespitzelung. Die Konzerne haben aus ihren Fehlern gelernt und richteten Abteilungen für Compliance ein.

Abteilungen, die darüber wachen, dass Gesetze und Firmenregeln für gutes Wirtschaften von jedem Mitarbeiter befolgt werden. Bei Siemens ist sogar ein eigenes Vorstandsressort dafür geschaffen worden Daimler richtet einen eigenen Vorstandsposten für „Integrität und Recht“ ein.

Doch bei vielen Mittelständlern ist Compliance allzu oft ein Nebenher-Job. Wenn überhaupt. Nur ein Fünftel deutscher Mittelständler verfüge über einen Compliance-Beauftragten, berichtet Christian Schaaf, Geschäftsführer der Münchner Beratungsgesellschaft Corporate Trust. Was ihn verwundert: „Anfällig ist im Grunde jedes Unternehmen, da es überall menschelt.“ Dabei ist es den Behörden egal, ob eine große, mittlere oder kleine Firma nicht sauber wirtschaftet. Deshalb und durch die Anforderungen der Konzerne an mittelständische Zulieferer wachse langsam das Bewusstsein für strikte Gesetzestreue im Geschäft, sagt Schaaf.

Doch die Gefahren lauern überall: angefangen vom Datenmissbrauch, über Verletzungen von Urheberrechten, Diskriminierungen von Mitarbeitern, Verstößen gegen Exportkontrollvorschriften, Zoll- oder Umweltvergehen und wettbewerbswidrigen Verhaltensweisen bis hin zur Bestechung. Manchmal ist Unwissenheit im Spiel, oft reines Kalkül. „Öffentlich gewordene Unternehmensskandale gingen meist nicht vom Fehlverhalten Einzelner aus, sondern auf organisierte Strukturen, die viele Mitarbeiter seit Jahren aufrechterhalten haben, zurück“, sagt Malte Passarge. Er ist Rechtsanwalt und Vorstandsvorsitzender des Hamburger Instituts für Compliance im Mittelstand. „Besonders kartellrechtliche Risiken sind vielen Mittelständlern nicht bewusst, weil sie glauben, allein Konzernen drohen hier Konflikte“, betont Passarge. Weit gefehlt. Denn gerade hierzulande gebe es im Mittelstand etliche so genannte heimliche Marktführer, die allein schon Nachforschungen provozieren könnten, wenn sie Preise erhöhen.

Verfehlungen gegen Recht und Gesetz können rasch zu Geldstrafen und Gewinnabschöpfungen von mehreren 100 Mio. € führen. Neben den strafrechtlichen Folgen kann das zivilrechtliche Nachspiel für die betroffenen Unternehmen, ihre Mitarbeiter und die Geschäftsführung weitaus gravierender sein. Hinzu kommen der Imageschaden und die Tatsache, dass die Aufmerksamkeit der Chefetage monatelang der Aufarbeitung des Problems und weniger dem Tagesgeschäft gilt.

Compliance-Experte Christian Schaaf rät daher dringend, ein klares und für alle Mitarbeiter verbindliches Regelwerk aufzusetzen, durch das auch nur ansatzweise kriminelle Handlungen unterbunden werden sollen. „Von der Geschäftsleitung muss ein eindeutiges Statement kommen“, betont Schaaf.

Dazu gehöre, jede auch nur so kleine Unregelmäßigkeit zu verfolgen, allein schon, um Nachahmer in den eigenen Reihen abzuschrecken und Mitarbeiter zu sensibilisieren. Denn wo seit Generationen kleine Geschenke die Freundschaft erhalten, ist schnell die Grenze zur Korruption überschritten. „Bestechung ist ein erlerntes Verhaltensmuster“, erläutert Oliver Pragal, Partner der Hamburger Kanzlei Meyer-Lohkamp & Pragal. Insgesamt seien Mittelständler anfälliger als Großunternehmen, weil ihre Kontrollmechanismen weniger ausgefeilt seien.

Gerade exportorientierte Hightech-Unternehmen müssen äußerst wachsam sein. „Durch die Globalisierung hat sich der Prüfungs- und Kontrollbedarf vervielfacht. Die Gefahr von Verstößen gegen ausländische Rechtsvorschriften ist drastisch gestiegen“, erläutert Jens Nebel, Anwalt bei der Essener Wirtschaftskanzlei Kümmelein. Denn weltweit wachsen die Anforderungen des Gesundheits-, Umwelt-, Verbraucher- und Datenschutzes.

Nun müsse nicht jeder kleinere Mittelständler gleich eine Compliance-Abteilung aufmachen. Doch: Experten sollten schon zurate gezogen werden. Vor allem geht es, sagt Anwalt Nebel, zunächst darum, die Risiken zu erkennen und sich kritisch zu fragen, ob alle Vorsichtsmaßnahmen, etwa im heiklen Iran-Geschäft, getroffen worden sind. Erst dann ließen sich Richtlinien entwickeln.

Das kann ein schöner Brocken Arbeit sein, wie Rechtsanwalt Heiko Wendel weiß, der bei der Nürnberger Leoni AG den Bereich Corporate Governance verantwortet. Ganz ohne Zusatzaufwand an Zeit und Geld ließe sich das nicht organisieren, sagt Wendel. „Das müssen vor allem kleine und mittlere Unternehmen noch lernen, wenn sie nicht Geld für Compliance-Verstöße ausgeben wollen.“

Abgesehen davon werden lukrative Aufträge und solche der öffentlichen Hand zunehmend nur dann vergeben, wenn funktionierende Compliance-Strukturen nachgewiesen werden. Wer also schludrig mit der Geschäftshygiene umgeht, schneidet sich ins eigene Fleisch.

Nicht zuletzt, weil lukrative Aufträge und solche der öffentlichen Hand nur dann vergeben werden, wenn Mittelständler funktionierende Compliance-Strukturen nachweisen können. „Insbesondere größere Kunden achten zunehmend auf die Integrität ihrer Lieferanten“, verweist Anwalt Pragal auf den Wettbewerbsvorteil. Denn was langfristig zählt, ist neben Qualität Solidität.

CHRIS LÖWER

Von Chris Löwer

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