Management

Auch die als „Heuschrecken“ verunglimpften Investoren tun Gutes  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 23. 11. 07, sta – Wer seine Firma nicht innerhalb der Familie vererben oder an Teile der Belegschaft veräußern möchte, kann wählen zwischen strategischen Investoren und Finanzinvestoren. Letztere haben keinen guten Ruf – oft zu unrecht. Zwei Vertreter der Branche versuchen, Vorurteile abzubauen.

Wenn Mittelständler ihr Unternehmen an Fremde verkaufen, spielen auch emotionale Aspekte eine Rolle. Keinem Seniorchef dürfte es egal sein, wie sich sein Lebenswerk künftig präsentiert. Pessimisten sehen zwei Perspektiven: Entweder wird ihre Firma von Wettbewerbern geschluckt – oder von Heuschrecken zerrissen. Dabei kann ein strategischer Investor bzw. ein Finanzinvestor durchaus auch Vorteile mitbringen.

Wenn ein strategischer Investor einsteigt, kann die übernommene Firma ggf. von dessen Vertriebsstrukturen profitieren. Ein geschäftsverwandter Partner kann außerdem helfen, saisonale oder projektbezogene Umsatzschwankungen zu kompensieren. Ein drittes Argument für einen strategischen Investor sind potenzielle Synergien in Beschaffung und Entwicklung.

Clemens Busch und Markus Geiger halten für bestimmte Unternehmenssituationen jedoch eine Private Equity Gesellschaft für den idealen Käufer. Das verwundert wenig: Busch ist Partner, Geiger Investment Principal von Steadfast Capital, einer auf Mittelständler im deutschsprachigen Raum spezialisierte Beteiligungsgesellschaft.

Busch: „Wer sich einen strategischen Partner an Bord holt, riskiert seine Flexibilität und Schnelligkeit gegenüber Kunden einzubüßen. Außerdem läuft er Gefahr, dass die unternehmerische Denke verloren geht – ehemalige Unternehmerposten sind schließlich nach der Übernahme mit Angestellten besetzt.“ Unter dem Strich passiere es häufig, dass die Synergien nicht im gewünschten Maße eintreten. „Dann sind mitunter harte Eingriffe in die Unternehmenssubstanz notwendig, um Kosten zu reduzieren“, fährt Geiger fort. „Manchmal stützen sich die Synergien sogar auf drastische Einschnitte wie Standortschließungen.“ Da sich das wirtschaftliche Umfeld, Unternehmensstrategien, und auch die Entscheidungsträger des Erwerbers heute schnell ändern könnten, sei die Übernahme durch strategische Investoren keine langfristige Garantie mehr für den Firmen-Fortbestand.

Der Finanzinvestor tritt nach Ansicht der Branchenvertreter von vornherein mit einer anderen Agenda an. „Er ist Eigentümer auf Zeit und möchte das Unternehmen nach spätestens acht Jahren zu einem deutlich höheren Preis weiterveräußern“, so Busch. „Doch nur wenn das Unternehmen zum Verkaufszeitpunkt eine solide Wachstumsgeschichte, eine gute Marktposition, eine stabile Mitarbeiterstruktur und eine überdurchschnittliche Profitabilität aufweisen kann, lohnt sich das Engagement für den Investor.“ Um dies zu erreichen, würden die Manager stets zu Mitgesellschaftern gemacht. „So haben alle Gesellschafter ein gemeinsames Ziel: ein gesundes und attraktives Unternehmen.“ Geiger ergänzt: „Die Unternehmensbeteiligung der Manager stärkt nicht nur die Leistungsbereitschaft und das Selbstverständnis der Geschäftsführung, es sendet auch ein wichtiges Signal der Kontinuität an die Mitarbeiter, Kunden und Lieferanten, was in der Regel schnell für eine Rückkehr zur Normalität im Geschäftsbetrieb sorgt.“

Da sich viele Alt-Eigentümer nicht ad hoc von ihrem Unternehmen trennen können, ist ihnen ein geplanter, schrittweiser Rückzug aus dem Unternehmen wichtig. Finanzinvestoren bieten hier nach Ansicht von Busch und Geiger zahlreiche Möglichkeiten, den Alt-Gesellschafter einzubinden, etwa über die aktive Mitwirkung als Beirat, die flexible Gestaltung der Anteilsstruktur oder die Möglichkeit einer Rückbeteiligung am Unternehmen. „Zudem ermöglicht es eine Private-Equity-Gesellschaft als neutraler Investor, die emotionale Sorge des Verkäufers zu überwinden, das Unternehmen würde durch die Veräußerung in die Hände des Wettbewerbers fallen, mit dem man lange Jahre am Markt konkurriert hat“, so Geiger.

Der Verkauf an einen strategischen Investor birgt aus Sicht von Busch ein weiteres Risiko: „Indem das zu veräußernde Unternehmen den Interessenten, hier seinen Wettbewerbern, seine Bücher öffnet und dabei viele Details und Geschäftsgeheimnisse preisgibt, läuft es trotz Vertraulichkeitsvereinbarungen Gefahr, dass die Informationen von einem der Interessenten später zum Schaden des zu verkaufenden Unternehmens genutzt werden könnten.“ S. ASCHE

Von S. Asche

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