Employer branding

Attraktive Arbeitgeber bieten mehr als hohe Einkommen  

Unternehmen, die qualifizierte Mitarbeiter suchen, müssen sich von anderen Wettbewerbern absetzen. Wichtig ist dabei, wie sie als Arbeitgeber wahrgenommen werden. Bei der Entwicklung einer „Arbeitgebermarke“ spielen unterschiedliche Aspekte wie Unternehmenswerte, Attraktivität der Produkte und Karrieremöglichkeiten eine Rolle. Der Düsseldorfer Anlagenbauer SMS Demag praktiziert bereits diese Form der Marktpräsenz. VDI nachrichten, düsseldorf, 30. 1. 09, fr

Mittelständler versuchen dringend, technischen Nachwuchs zu rekrutieren. Im Wettbewerb um die besten Absolventen stehen sie dabei im Wettbewerb mit großen Konzernen. Dabei warten auf Hochschulabsolventen gerade im Mittelstand hochmoderne, innovative Technologien – oft bei Weltmarktführern etwa im Anlagenbau und bei Werkstofferzeugern. Anreize wie Auslandseinsätze und Weiterbildung auf internationalem Niveau sollen zur Bildung der Arbeitgeber-Marke beitragen.

Deutsche Industrieprodukte sind global nach wir vor begehrt. Darum ist das Interesse an High Potentials mit technischem Hintergrund weltweit sehr groß. „Der Wettbewerb um die Hochschulabsolventen technischer Fachrichtungen ist riesig“, weiß Reiner Kopp vom Institut für Bildsame Formgebung (IBF) der RWTH Aachen. Bei den Absolventen beliebte Arbeitgeber wie BMW oder Porsche können dabei von der Popularität ihrer Marke profitieren. „Dies spielt bei vielen Studenten zwar eine große Rolle“, weiß Marius Oligschläger, der an der RWTH Aachen Metallurgie und Werkstofftechnik studiert. „Eine immer größere Bedeutung kommt daneben aber auch der technologischen Weltmarktführerschaft des künftigen Arbeitgebers zu sowie einer abwechslungsreichen Tätigkeit und vielfältigen Karrierewegen.“

Auf diesen Gebieten können häufig Mittelständler punkten. Diese bieten ihrem technischen Nachwuchs oftmals Gestaltungsmöglichkeiten, von denen sie bei Konzernen nur träumen können. So ermöglicht beispielsweise der Hütten- und Walzwerkbauer SMS Demag in Düsseldorf seinen Newcomern neben umfassender Weiterbildung recht zügig die Übernahme von Verantwortung bzw. eines eigenständigen Bereichs. Die Folge ist nach Angaben des Unternehmens eine hohe Job-Zufriedenheit und eine niedrige Fluktuation.

Bei SMS Demag übernehmen junge Ingenieure schon früh Verantwortung

Zudem warten auf die Job-Interessenten aber auch innovative Technologien, etwa im Bereich des Umweltschutzes. Dazu zählt die Primär-Energie-Einschmelzung, die gemeinsam mit der Technischen Universität Clausthal entwickelt wurde und die Elektrostahlerzeugung durch einen 30 % niedrigeren Energieverbrauch revolutioniert. Ähnlich sieht es beim wirtschaftlichen und hochproduktiven CSP-Verfahren (Compact Strip Produktion) aus: Die Kopplung zwischen Erzeugung einer Dünnbramme, die als erstes Produkt im Stahlwerk entsteht, und dem anschließenden Walzen erspart energieintensive Zwischen-Aufwärmphasen.

„Durch dieses innovative Verfahren lassen sich zwei Drittel der Energie einsparen, die zur Umwandlung von flüssigem Stahl zu hochwertigen Autoblechen gegenüber dem herkömmlichen Verfahren benötigt werden“, so SMS Demag-Sprecher Thilo Sagermann. „Diese mit modernen Umweltschutzsystemen vernetzte Anlagentechnik hat ihr Schmutzimage längst abgelegt.“ Trotz Finanz- und Wirtschaftskrise laufen die Geschäfte bei SMS Demag gut: 100 Ingenieure werden zurzeit für die deutschen Unternehmensteile gesucht, unter anderem für die Bereiche Maschinenbau, Metallurgie und Mechatronik.

Bei der Entwicklung seiner Anlagen setzt SMS Demag auf moderne Tools, wie etwa eine digitale Werkstatt. Mit dieser Technologie lässt sich eine Anlage komplett simulieren bzw. bis hin zur Anlagenkonfiguration durchtesten. „Solch eine digitale Werkstatt bietet zudem phantastische Möglichkeiten, das Walzwerk in den Hörsaal zu holen, die Studenten für ihr künftiges Aufgabengebiet zu begeistern sowie Kunden eine neue Anlage vorzustellen“, schildert Kopp. Großanlagen würden in Zukunft vor dem Produktionsanlauf komplett virtuell hergestellt. In zehn Jahren sei Virtual-Reality so weit, dass aus einer virtuellen Maschine eine reale werden könnte, glaubt der Umform-Spezialist und denkt dabei an die heute längst üblichen virtuellen Crashtests der Autobranche.

Gegenwärtig sieht Kopp bei vielen seiner Studenten noch Wissens-Defizite, was die Bedeutung der Werkstoffe in der Kette vom Material zum Produkt anbelangt: „Vielen Studenten ist noch nicht bewusst, dass etwa die Stahl- und Walzwerkbranche als Enabler-Industrie für viele andere Produkte rund ums Auto bis hin zur Waschmaschine fungiert“, so Professor Kopp, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, dies den Studenten zu verdeutlichen und dafür Sorge zu tragen, dass die Industrie nicht erst am Ende des Studiums in das Studentenleben tritt.

Gerade in der Branche der Anlagenbauer und Werkstofferzeuger mit ihren Basistechnologien sieht Kopp für angehende Ingenieure Gestaltungsmöglichkeiten, zumal Umweltfragen auch in diesem Industriesegment auf Antworten warten. Vor allem böte dieser Sektor die Chance, die ganze Welt zu erleben.

Anforderungen an Ingenieure werden in Zukunft stärker von Umweltfragen beeinflusst

Dieser Ansatz ist für den RWTH-Studenten Marius Oligschläger sehr wichtig, denn er möchte später im Job seine Arbeitszeit nicht nur im Büro verbringen. „Technische Trainees werden bei uns schon früh auch im Ausland eingearbeitet“, schildert Günter Kneppe, Chef des Bereichs Berufsbildung bei SMS Demag. Dort werden die Nachwuchskräfte zunächst einem erfahrenen Ingenieur zur Seite gestellt, können bei Bewährung schnell eigenständig arbeiten und dann auch zügig Verantwortung übernehmen.

Knapp 700 technische Nachwuchskräfte hat SMS Demag in letzter Zeit eingestellt. „Wir könnten noch mehr engagieren, wenn es genug qualifizierte Bewerber gäbe, klagt Kneppe. Vor ähnlichen Problemen steht auch Susanne Siebrecht, verantwortlich für das Personal-Marketing der Benteler AG mit den Geschäftsbereichen Automobiltechnik/Stahl und Rohr sowie Handel. Weltweit 90 Positionen vom Projektingenieur bis hin zum Werkstoffingenieur sind derzeit vakant. Die Unternehmensgruppe mit mittelständischen Strukturen aus Paderborn versucht Interessenten unter anderem mit Zukunftsthemen wie der Entwicklung von umweltfreundlichen Abgassystemen zu begeistern.

„Gerade durch flache Hierarchien kann ein Unternehmen wie Benteler einen sehr frühen Einstieg in verantwortungsvolle Positionen bieten“, so Siebrecht. Denn im Vergleich zu den Großen versucht die Personal-Expertin den geringeren Bekanntheitsgrad durch Direktkontakte, Gespräche, Vorträge und Workshops an Hochschulen auszugleichen. Immer wichtiger wird es auch, die Mitarbeiter durch ein gutes Arbeitsklima und nichtmonetäre Zugaben vom Fitnessraum über Kinderbetreuung bis hin zur Gewährung von längeren Auszeiten für Weiterbildung zu motivieren.

Einen ähnlichen Ansatz wählt die Robert Bosch GmbH. So realisiert das Unternehmen Recruiting-Veranstaltungen an ausgefallenen Orten wie im Wintertestzentrum in Schweden oder auf dem Hungaroring nahe Budapest. All dies soll zur Bildung der Arbeitgeber-Marke beitragen. So weist eine Kienbaum-Studie nach, dass für 83 % der Personalverantwortlichen das Thema Employer Branding einen mittleren bis hohen Stellenwert einnimmt. „Ohne eine kraftvoll, glaubwürdig und verlässlich geführte Arbeitgebermarke dringt ein Unternehmen heute kaum noch zum Nachwuchs durch,“ weiß Dirk Haushalter von der Robert Bosch GmbH. EDGAR LANGE

Von Edgar Lange

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