Personalmanagement

Arbeitsplatz mit Wohlfühl-Klima  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 1. 4. 05 – Der Altersdurchschnitt in deutschen Firmen steigt kontinuierlich. Ältere sind besonders bei manuellen Produktionsprozessen einem körperlichen Verschleiß ausgesetzt. Noch aber hat sich die Industrie der großen Herausforderung „demografischer Wandel“ nur unzureichend gestellt.

Die Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter entscheidet wesentlich über die Wettbewerbsfähigkeit des Standortes Deutschland – insbesondere vor dem Hintergrund alternder Belegschaften. Leistungsfähig und motiviert arbeiten Menschen nur, wenn sie körperlich dazu in der Lage sind. Es ist kein Geheimnis, dass Menschen mit zunehmendem Alter an körperlicher Leistungsfähigkeit verlieren.

Dabei geht es um die Lösung vielschichtiger Probleme. Zum einen wird es komfortable Vorruhestandsregelungen bald nicht mehr geben, zum anderen hat die Arbeitsteilung zwischen den Unternehmen dazu geführt, dass insbesondere Arbeitsplätze mit geringeren Anforderungen ausgelagert wurden. Drittens wächst das Bewusstsein, dass abhängig von der Marktsituation hochflexible Arbeitsformen und Regelungen entstehen, die für die Mitarbeiter Motivation und Perspektiven eröffnen, weit über das bisherige Ruhestandsalter hinaus in den Unternehmen tätig zu bleiben.

Deshalb müssen Unternehmer grundsätzlich umdenken: Bis jetzt wurde häufig höchster Arbeitseinsatz gefordert und mit 55 in den Vorruhestand geschickt. Prof. Hans-Jürgen Bieneck, Präsident der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin: „Die Folge der gesetzlichen Vorruhestandsregelung ist, dass wir in Deutschland eine ganze Generation auf den ,Müll“ geworfen haben.“ Diesen „Verschleiß“ der Mitarbeiter kann sich heute angesichts der demografischen Entwicklung keiner mehr leisten.

Je nach Branche und Produkt werden 30 % bis 70 % der Wertschöpfung am fertigen Erzeugnis bei der Montage erbracht, bei vielen Produkten ist es der überwiegende Teil. Das betrifft in Deutschland hauptsächlich die Automobil- und Elektroindustrie. Dort arbeiten etwa 1 Mio. Beschäftigte in der manuellen Montage. Laut einer Studie der TU Darmstadt ist die manuelle Montage von Arbeitsschwere, Zwangshaltungen, Über-Kopf-Arbeit, sich wiederholenden Arbeitsvorgängen mit hoher Frequenz sowie enger Zeit- und Platzbindung gekennzeichnet. Alles Risikofaktoren, die die Arbeitsfähigkeit erheblich einschränken können.

„Wir haben einen hohen Anteil an älteren und behinderten Mitarbeitern“, so Paul Berger von Hella Innenleuchtensysteme. „Ich schätze unseren Altersdurchschnitt im Werk auf 45 Jahre. Da einige unserer 800 Mitarbeiter über Rückenprobleme klagten, haben wir Belastungsanalysen der Arbeitsplätze erstellt. Bei etwa 5 % der überprüften Arbeitsplätze hatten wir eine ,rote Ampel“ und haben die Probleme gleich abgestellt.“

Der volkswirtschaftliche Schaden, der aus dem Produktionsausfall durch Arbeitsunfähigkeit resultiert, ist immens und wird auf 37 Mrd. € für das Jahr 2000 geschätzt. Schätzungen zufolge liegen bei der Automobilindustrie die krankheitsbedingten Kostenverluste zwischen 50 € und 100 € pro Auto. Da heißt es gegensteuern. Das Gesundheitsmanagement bei DaimlerChrysler koordiniert die vielfältigen Konzernfunktionen, die einen Beitrag zur Gesundheitsförderung leisten, wie Konzernsport, Werksärzte und Betriebskrankenkasse. Stefan Schneider, Leiter Arbeitspolitik DaimlerChrysler AG: „Dabei ist jedoch eines klar: Die Entscheidung für einen gesundheitsbewussten Lebenswandel trifft jeder Mitarbeiter für sich selbst.“

Im Bereich der ergonomischen Arbeitsplatzgestaltung schätzt sich DaimlerChrysler bereits heute als führend ein. Stefan Schneider: „Wir wollen mit dieser Ergonomie-Initiative erreichen, dass ergonomische Aspekte standardisiert und präventiv in den Planungsprozessen berücksichtigt werden. An diesem Beispiel wird deutlich, dass wir im Thema ergonomische Arbeitsplatzgestaltung große Anstrengungen unternehmen. Unsere Erkenntnis lautet, dass ergonomische Arbeitsplätze auch produktive Arbeitsplätze sind.“

In den nächsten Jahren erfordert der demografische Wandel auch von mittelständischen Unternehmen ergonomisch gestaltete Arbeitsplätze, die auf die körperliche Leistungsfähigkeit vor allem älterer Mitarbeiter abgestimmt sind. Dabei muss die ergonomische Arbeitsplatzgestaltung als Prozess betrachtet werden, der von einem korrektiven zu einem prospektiven Gestaltungsansatz übergeht.

Im Auftrag der Deutschen MTM-Vereinigung, einem Forschungsverbund zur Analyse, Gestaltung und Optimierung von Geschäftsprozessen, wird zurzeit am Institut für Arbeitswissenschaften der TU Darmstadt (IAD)ein Werkzeug entwickelt, das den Arbeitsablauf Griff für Griff und Schritt für Schritt detailliert darstellt. Danach erhält der Planer ein Feedback, ob der Ablauf den gesetzten Arbeitsplatzanforderungen entspricht. J. JUNGHANNS

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