Personalmanagement

Arbeitsplätze – Prüfstein für die Marktwirtschaft

Die Soziale Marktwirtschaft kann die heutigen Herausforderungen wie Arbeitsplatzmangel und Globalisierung bestehen. Unternehmer und Gesellschaft sollten sich nur wieder mehr auf sie besinnen, meint Albrecht Bolza-Schünemann, Vorstand des Druckmaschinenherstellers Koenig & Bauer, in seinem folgenden Beitrag.

Vierzig Jahre lang haben wir in beiden Teilen Deutschlands zwei fundamental verschiedene Wirtschaftssysteme erlebt, genossen oder erlitten, beide zunächst unter ähnlich schlechten Nachkriegsbedingungen entstanden.
Ab 1990 wurde die Staats- und Planwirtschaft in der ehemaligen DDR konsequent auf die westdeutsche Marktwirtschaft umgestellt. Fast von Anbeginn konnte ich diesen Prozess in Dresden miterleben und mitgestalten.
Meine Meinung zum sozialistischen Wirtschaftssystem wurde hier mehr als bestätigt: Planwirtschaft ist bürokratisch, ineffektiv, untauglich und in höchstem Maße unsozial. Der einzelne Mensch verändert sich negativ in ihr, da ihm die Freiheit zur schöpferischen Entfaltung genommen wird.
Aber wie steht es mit der Marktwirtschaft, die mit hohen – zu hohen – Erwartungen im Osten quasi über Nacht eingeführt wurde?
Die von Ludwig Erhard, nach der Währungsreform 1948 in der Bundesrepublik, eingeführte Soziale Marktwirtschaft braucht den Vergleich mit anderen Wirtschaftsformen und Ländern nicht zu scheuen. Private Initiativen und staatliche Eingriffe sind sinnvoll verknüpft und ein Ausgleich zwischen Arm und Reich, zwischen Stark und Schwach geschaffen. Wir können dies besonders gut bei jenen Ländern beobachten, die sich jetzt um den Übergang von der Staatswirtschaft zur Privatwirtschaft bemühen. Dort erinnert die Marktwirtschaft doch sehr an den Frühkapitalismus des 19. Jahrhunderts.
In den neuen Bundesländern ist mit gemeinsamen Anstrengungen von West und Ost in den vergangenen zehn Jahren unendlich viel geschehen, geschaffen und geleistet worden, was allgemein auch auf große Anerkennung stößt. Mit etwas mehr Toleranz anderen Denkweisen und Gewohnheiten gegenüber – einer Eigenschaft, die bei uns Deutschen häufig etwas wenig ausgeprägt ist – wären wir der viel zitierten „inneren Einheit“ schon ein ganzes Stück näher.
Hauptkritik der Ostdeutschen an der Marktwirtschaft ist die Unsicherheit – oder eklatanter – das Fehlen einer ausreichenden Anzahl von Arbeitsplätzen. Die hohe Arbeitslosigkeit nach Zusammenbruch der maroden Industriekombinate konnte in zehn Aufbaujahren nicht durch Wirtschaftswachstum, Erhöhung der Exportquote oder massive Förderungsprogramme auch nur annähernd auf das ebenfalls zu hohe „Westniveau“ reduziert werden.
Die soziale Marktwirtschaft ist der beste Garant für Wohlstand und Freiheit. Eine große – vielleicht die größte – Herausforderung an die Marktwirtschaft in unserer hoch technisierten und hoch produktiven Industriegesellschaft ist, und wird allerdings in zunehmendem Maße, die Beschäftigungsfrage sein. Und dies nicht nur in Deutschland, sondern in vielen Teilen dieser Welt.
Wachstum und Produktivitätsfortschritte allein werden dieses Problem nicht lösen, das haben wir in den letzten Jahren lernen müssen. Was ist zu tun?
Wir sollten uns auf die Kernelemente der Marktwirtschaft besinnen. Eigentum, ausreichend Gewinne bei Handel und Gewerbe, Eigeninitiative und eigene Verantwortung.
Wir müssen uns für Pluralisierung und Vielfältigkeit im Wirtschaftsleben stark machen, nicht für Megafusionen und immer größere Wirtschaftseinheiten.
Sicherlich müssen wir uns alle auf einen immer globaleren und damit noch härteren Wettbewerb einstellen. Aber solche Kombinate der Marktwirtschaft sind das Gegenteil des Pluralismus“, einem Kernelement der Marktwirtschaft. Wenn sie jemals wirtschaftliche Probleme bekommen, dann wird mit Hinsicht auf den Erhalt der Arbeitsplätze schnell wieder der Ruf nach dem Staat laut werden.
Die Vorschriften des Staates sollten auf ein Minimum reduziert werden, seien sie nun aus Berlin oder aus Brüssel.
Wir müssen unser einmaliges duales Ausbildungssystem pflegen und ausbauen, auch wenn es Geld kostet. Ausbildung, insbesondere fachbezogene, ist der beste Garant für ein erfolgreiches Bestehen in der Arbeitswelt. Es gibt hierfür zahlreiche, hervorragende Beispiele im staatlichen wie im privatwirtschaftlichen Bereich.
Wir brauchen mehr Flexibilität und individuelle Vereinbarungen auf dem Tarifsektor, ohne dass dies zu kostenmäßigen Nachteilen für den Standort Deutschland führt. Neue Arbeitszeiten, „Frei“-Zeiten, Schichtmodelle bis hin zur Lebensarbeitszeit müssen möglich sein.
In die Arbeitslosenunterstützung müssen mehr Anreize für eine neue Beschäftigung integriert werden. Arbeiten im familiären Bereich sollten nicht nur Au-pair-Mädchen aus fernen Ländern vorbehalten sein.
Wir müssen uns damit abfinden, dass Vollbeschäftigung nicht wie in den 50er Jahren allein mit Wirtschaftswachstum zu erzielen ist. Deshalb brauchen wir Fantasie und Mut zur Schaffung neuer Beschäftigungsmöglichkeiten.
Wir haben in Deutschland eines der besten, vielleicht sogar das beste Wirtschaftssystem der Welt. Es wäre fatal und mit unabsehbaren Folgen verbunden, wenn das so erfolgreiche System „Marktwirtschaft“ an dieser, seiner wichtigsten gesellschaftlichen Aufgabe versagt. ALBRECHT BOLZA-SCHÜNEMANN
Koenig & Bauer-Vorstand Albrecht Bolza-Schünemann: „Wir müssen uns für Pluralisierung und Vielfältigkeit im Wirtschaftsleben stark machen, nicht für Megafusionen und immer größere Wirtschaftseinheiten.“

Ein Beitrag von:

  • Albrecht Bolza-Schünemann

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