Management

Als Delfin unter Haien

„Chrysler-Feuerwehrmann“ Dieter Zetsche wird am 26. Februar seinen Sanierungsplan vorlegen und versuchen, seinen souveränen Start vor etwa 100 Tagen in einen Dauerlauf umzusetzen. Bisher jedenfalls folgen ihm seine Leute.

Der Chefposten bei Chrysler wird über seine Karriere entscheiden. Schafft es Dieter Zetsche, den schwer angeschlagenen US-Autokonzern aus der Krise zu manövrieren, ist ihm die Schrempp-Nachfolge so gut wie sicher. Reißt er das Ruder nicht herum, wird er mit Chrysler untergehen.
Nach den ersten 100 Tagen ist noch alles offen, doch Dieter Zetsche demonstriert Stärke. So wie Anfang Februar bei der Party zur Vorstellung des neuen Dodge Pickup. Zuerst sah es so aus, als ob Zetsche nicht erscheinen würde. Die Gäste aßen schon. Der Chef war nicht da. Plötzlich bretterte ein knallroter Ram Pick-Up in den Partysaal, mitten durch die Wand. Am Steuer saß Dieter Zetsche. Er pflügte den Geländewagen über Tische und Stühle, stieg aus und betrachtete abfällig den japanischen Meeresfrüchtesalat, den die Kellner servierten: „Nennen Sie das etwa ein Dodge-Dinner?“, fragte Zetsche. Das war das Stichwort. Eine Rock`n–Roll-Band legte lautstark los, und die Kellner knallten Bier und Steaks auf die Tische. Eine wahrhaft herkuleanische Vorstellung: Zetsche zupackend, stark, mit deutlichen Worten. So mögen es die Amerikaner. Und weil der deutsche Top-Manager diese Eigenschaften nicht nur bei Shows demonstriert, gelang ihm bei Chrysler ein erstaunlich guter Start. Zetsche kommt mit seiner offenen, klaren Art in den USA gut an. Dabei erwartete ihn dort kein Rosenbett. Als die Stuttgarter Konzernzentrale den 47-jährigen Ingenieur im November nach Auburn Hill schickte, um Chrysler auf Trab zu bringen, fiel der Empfang der Belegschaft frostig aus. Die Arbeiter wollten keinen Deutschen als Chef. Von dem Neuen erwarteten sie nichts Gutes. Zu Recht. Im Januar verkündete Zetsche Hiobsbotschaften: 26 000 Mitarbeiter müssen gehen. Das sind 20 % der weltweiten Belegschaft. Sechs Fabriken werden schließen, fünf fahren eine Schicht weniger, überall wird gespart. „Diese Schritte sind absolut notwendig, um wettbewerbsfähig zu bleiben und um zu überleben“, begründete Zetsche die Einschnitte. Der Schock bei der Belegschaft saß tief, doch niemand protestierte ernsthaft. Schnell mit der bitteren Wahrheit herauszurücken, war ein geschickter Schachzug von Zetsche. Amerikaner honorieren den Mut zur Ehrlichkeit. Und bei den Millionenverlusten, die Chrysler seit Sommer 2000 einfuhr, war allen klar, dass etwas passieren muss. Der schnauzbärtige Boss packte die US-Belegschaft bei ihrer Ehre. Chrysler-Leute seien nicht depressiv und säßen heulend in der Ecke. Sie seien bereit zu kämpfen, sagt Zetsche: „Ich glaube, das haben die Menschen hier in den Genen.“ Zetsche baut Vertrauen auf. Die Belegschaft trifft ihren Boss oft in der Kantine. Der ruhige und freundliche Zetsche besitzt die Gabe, auch mit Fließbandarbeitern so zu reden, dass sie sich ernst genommen fühlen. Immer wieder appelliert er an den Kampfgeist, der Chrysler schon aus früheren Krisen rettete. Bislang sieht es so aus, als ob die Leute mitziehen werden. „Sie wollen wirklich mit uns durchs Feuer gehen, um diese Firma umzustrukturieren und sie wieder da hinzubringen, wo sie hingehört“, lobt Zetsche seine Mitabeiter.
Selbst die Gewerkschaften halten still. Der mächtige und leicht reizbare Chef der United Auto Workers (UAW), Stephen Yokisch, nimmt die Werksschließungen und geplanten Entlassungen erstaunlich friedlich hin. „Die Situation ist lange nicht so schlimm wie 1979 bis 1981“, spielt Yokisch die Krise herunter. In dieser Zeit stand Chrysler kurz vor der Pleite. Der damalige Chef Lee Iacocca konnte den Konzern nur mit Hilfe von Regierungsgeldern retten. Zur jetzigen Situation meint Gewerkschaftsboss Yokisch: „Unser Vertrag mit Chrysler garantiert unseren Mitgliedern Sicherheit in dieser schwierigen Zeit.“ In der Tat kann die UAW sich freuen. 1999, kurz vor der Krise, schloss Yokisch mit dem damaligen Chrysler-Chef einen einmaligen Deal: keine Werksschließungen bis 2003. Ein Vertrag, der Chrysler nun teuer kommt. Zetsche kann lediglich die Fabriken in Mexiko und Kanada schließen, dabei sind diese profitabler als die US-Werke. Weniger Schichten und langsamere Bandlaufzeiten in den amerikanischen Fabriken sparen nicht so viel Geld. Obendrein muss Zetsche den US-Kurzarbeitern laut Gewerkschaftsvertrag hohe Ausgleichslöhne zahlen.
Analysten halten es für fraglich, ob Chrysler so die Kosten genügend senken kann. Zetsche werde es auch schwer haben, in dieser Situation schnell genug eine attraktive neue Produktpalette aufzubauen, meint Michael Robinet von der Autoberaterfirma CSM. „Mangelnde Flexibilität hat Chrysler in diese blöde Situation gebracht“, urteilt er: „Sie stecken fest, daran gibt es keinen Zweifel.“
Dieter Zetsche sieht das anders. Kürzlich umschrieb er seine Situation so: „Ich sehe uns als Delfin unter Haien und Walen.“ Ohne Zweifel ist Chrysler kleiner und schwächer als die Konkurrenz. Doch so schnell wie ein Delfin ist die Automarke sicher nicht. Zetsche muss noch viel leisten, bevor die Firma wieder die Wendigkeit und das Tempo hat, für die Chrysler einmal berühmt war. Ob ihm das gelingt, werden die nächsten Monaten zeigen. SABINE WÄTJEN

Von Sabine Wätjen

Stellenangebote im Bereich Technische Leitung

J. Schmalz GmbH-Firmenlogo
J. Schmalz GmbH Leiter (m/w/d) Geschäftsfeld Vakuum-Automation Glatten
Chemische Fabrik Kreussler & Co. GmbH-Firmenlogo
Chemische Fabrik Kreussler & Co. GmbH Leiter Technik und Instandhaltung / Betriebsingenieur (m/w/d) Wiesbaden
Landkreis Stade-Firmenlogo
Landkreis Stade Abteilungsleitung (m/w/d) "Technik" Stade
Andechser Molkerei Scheitz GmbH-Firmenlogo
Andechser Molkerei Scheitz GmbH Ingenieur / Techniker (m/w/d) für Versorgungstechnik Andechs
SEW-EURODRIVE GmbH & Co KG-Firmenlogo
SEW-EURODRIVE GmbH & Co KG Leiter Technisches Büro Dresden (w/m/d) Dresden-Radebeul
SEW-EURODRIVE GmbH & Co KG-Firmenlogo
SEW-EURODRIVE GmbH & Co KG Leiter Technisches Büro Güstrow (w/m/d) Güstrow
Klöckner Pentaplast GmbH-Firmenlogo
Klöckner Pentaplast GmbH Leiter Technik (m/w/d) Montabaur
Flughafen München GmbH-Firmenlogo
Flughafen München GmbH Leiter (m/w/d) Stromnetzbetrieb München
Mecuris GmbH über heiden associates-Firmenlogo
Mecuris GmbH über heiden associates Geschäftsführer / Chief Executive Officer (m/w/d) – Digitale Medizintechnik München
Dr. Ing. Gössling Maschinenfabrik GmbH-Firmenlogo
Dr. Ing. Gössling Maschinenfabrik GmbH Technischer Geschäftsführer (m/w/d) Schermbeck

Alle Technische Leitung Jobs

Top 5 Führung