Personalmanagement

Als Arbeitgeber überzeugen  

VDI nachrichten, Berlin, 13. 10. 06, Fr – Unternehmen, die sich nicht als glaubwürdige Arbeitgeber positionieren, verspielen ihre eigene Zukunft. Diese Überzeugung setzt sich in immer mehr Vorstandsetagen und Geschäftsleitungen durch. Die Gründer der „Deutschen Employer Branding Akademie“ (DEBA) in Berlin wollen interessierten Personalverantwortlichen das Rüstzeug zum Aufbau einer Arbeitgeber-Markenstrategie an die Hand geben.

Was ist, wenn es nicht nur ums Image, sondern um Glaubwürdigkeit, Zuverlässigkeit und die Qualität des gesamten Unternehmens geht? Hier konnten viele Firmen noch nie punkten. Selbst Siemens nicht – und zwar keinesfalls erst seit dem Desaster mit der ehemaligen Siemens Handy-Sparte BenQ und der Entscheidung, das Berliner Waschmaschinenwerk des Bosch-Siemens-Hausgerätekonzerns (BSH) zum Jahresende zu schließen. Im „Great Place to Work“-Wettbewerb 2006 beispielsweise taucht der Münchner Konzern erst gar nicht auf.

Für Christina Grubendorfer und Reiner Kriegler ist das keine Überraschung. Die beiden Mittdreißiger haben in diesem Sommer die Deutsche Employer Branding Akademie (Deba) gegründet. Mit überwältigender Resonanz: 90 % aller für eine Kurzbefragung angeschriebenen Unternehmen äußerten ihr „explizites Interesse“ an ausführlichen Informationen über die Programmangebote der Deba und möchten sich gerne mit anderen Firmen über Employer Branding austauschen. 70 % schreiben dem Thema einen „hohen“ oder „steigenden Stellenwert“ im Unternehmen zu.

Schon liegen die ersten Anmeldungen für Coaching und Seminare, aber auch zur Deba-Kompetenzpartnerschaft vor. Immerhin 4800 € Jahres- plus Aufnahmegebühr lassen sich die Unternehmen das kosten. Da müssen die Erwartungen schon einigermaßen hoch sein. Doch was ist Employer Branding überhaupt? Und was hat diese neudeutsche Wortfindung aus dem Dunstkreis von Marketingstrategen und Personalmanagern – alle anderen haben von Employer Branding bislang wohl noch nie etwas gehört – mit Siemens zu tun?

Selbst den beiden Akademie-Gründern Grubendorfer und Kriegler fällt es nicht leicht, Employer Branding zu erklären. Die Übersetzung „Aufbau einer Arbeitgebermarke“ hilft nicht wirklich viel weiter. Kommunikationswissenschaftler und Markenexperte Kriegler versucht es deshalb mit: „Employer Branding positioniert ein Unternehmen nach innen wie nach außen als Arbeitgebermarke oder auch ,Employer of Choice“. Grundlage dafür ist eine Arbeitgebermarkenstrategie, die aus Unternehmensstrategie und Unternehmensmarke erwächst. Professionell entwickelt und strategisch fundiert verbessert es nicht nur das Arbeitgeberimage, sondern auch die faktische Arbeitgeberqualität, sodass die Wettbewerbsfähigkeit eines Unternehmens als Arbeitgeber nachhaltig gesteigert wird.“

Strategisch, faktisch, nachhaltig? Derartiges Marketing-Kauderwelsch ist es wohl kaum, das Unternehmen wie Intel, o2, WestLB, TNT Express, DKV oder Celanese bereits zu Fürsprechern der neuen Berliner Akademie hat werden lassen. Auch der Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW) unterstützt mittlerweile die an guter Friedrichstraßen-Adresse angesiedelte Einrichtung.

Aus gutem Grund, wie BVMW-Präsident Mario Ohoven deutlich macht: „Von der künftigen Versorgung mit qualifizierten Mitarbeitern hängen Know-how, Innovationskraft und Leistungsfähigkeit der mittelständischen Unternehmen ab.“ Im Kern geht es bei Employer Branding also um Zukunftssicherung durch die Auswahl und Einwerbung der richtigen Mitarbeiter. Darüber hinaus verspricht die Arbeitgebermarken-Strategie auch noch, die hoch qualifizierten Fachkräfte im Unternehmen zu halten, neudeutsch Retention genannt. Beide Ziele sind für Betriebe mit einem hohen Ingenieuranteil in der Belegschaft besonders wichtig. Der süddeutsche Kunststoffverarbeiter Rehau („Unlimited Polymer Solutions“) hat das schon lange erkannt.

Um den 1948 gegründeten Familienbetrieb zum Marktführer mit 14 000 Mitarbeitern an 170 Standorten auf fünf Kontinenten werden zu lassen, hat sich die Geschäftsführung schon frühzeitig einer nachhaltigen Philosophie verschrieben. Verwaltungsratspräsident Helmut Wagner sagt: „Auch in Zukunft will unser Familienunternehmen unabhängig bleiben und sich an mittel- und langfristigen Zielen orientieren, statt den kurzfristigen Gewinn in den Vordergrund zu stellen.“ Deshalb werden neu eingestellten Mitarbeitern (davon etwa jährlich etwa 25 Ingenieure) nicht nur „Perspektiven im Unternehmen“ geboten, sondern auch „eine verlässliche Partnerschaft“. Das versichert auch Rehau-Personalchef Andreas Grobe und untermauert: „Bewerber können hier eine Heimat finden und müssen nicht befürchten, verkauft zu werden. Uns geht es nicht um schnellen Gewinn, sondern um gesundes Wachstum.“

Dass der 45-jährige Jurist Grobe zu den ersten Unternehmensvertretern gehörte, die Kontakt zur neuen Employer Branding Akademie aufgenommen haben, freut Deba-Geschäftsführerin Christina Grubendorfer ganz besonders. So können andere Unternehmen im so genannten Deba-Salon von den Erfahrungen des Rehau-Personalers profitieren.

Grubendorfer nennt das Wissenstransfer. Und der spielt bei der 35-jährigen Psychologin und dem 34-jährigen Kommunikationswissenschaftler Kriegler eine wichtige Rolle. Sich die Erkenntnisse anderer zunutze zu machen, ist bei ihrer Akademie Programm. Vor allem, wenn die Forschungsergebnisse anderer das eigene Businesskonzept stützen. Die letzte Arbeitgeberimageuntersuchung des Kölner Recruiting-Dienstleisters access erfüllt diese Voraussetzung. „Der Arbeitgeber der Zukunft“, heißt es in der Zusammenfassung, „wird maßgeblich in drei Dimensionen gemessen: Begeisterndes Unternehmen (Great Company), herausfordernde Aufgaben (Great Job) und Ausgleich zwischen Berufs- und Privatleben (Great Balance).“

Dass access seine Marktforschungsaktivitäten kurz nach Veröffentlichung der Studie an die schwedische Gruppe Universum Communications AB verkauft hat, könnten Grubendorfer und Kriegler als Wink des Schicksals und Bestätigung ihres Businessfahrplans sehen. Bereits im Jahr 2008 will das Gründerduo zwölf bis 15 Mitarbeiter beschäftigen und seine Geschäftsidee europäisieren. Denn bis auf Großbritannien herrsche auf dem alten Kontinent bezüglich Employer Branding „ein riesiges Know-how-Vakuum“, sagt Kriegler, und ergänzt: „Das gilt auch für viele Top-Etagen von Konzernen.“ REGINA-C. HENKEL

Von Regina-C. Henkel

Stellenangebote im Bereich Technische Leitung

Stadt Kehl-Firmenlogo
Stadt Kehl Leitung Tiefbau, Grünflächenmanagement und Betriebshof (m/w/d) Kehl
Ludwig Meister GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Ludwig Meister GmbH & Co. KG Technischer Leiter (m/w/d) Fluidtechnik Dachau
SILTRONIC AG-Firmenlogo
SILTRONIC AG Ingenieur (m/w/d) als Leiter Facility Burghausen, Freiberg am Neckar
über CAPERA-Firmenlogo
über CAPERA Produktionsleiter Serienbauteile (m/w) Nordhessen
Stadt Leer-Firmenlogo
Stadt Leer Leitung (m/w/d) des Fachdienstes Mobilität und Verkehr Leer (Ostfriesland)
Kölner Verkehrs-Betriebe AG-Firmenlogo
Kölner Verkehrs-Betriebe AG Dipl.-Ingenieur als Leiter Hauptwerkstatt Stadtbahn (w/m/d) Köln
Wilhelm Rohde GmbH-Firmenlogo
Wilhelm Rohde GmbH Bauleiter (m/w/d) Raum Hamburg
Stadt Frankfurt am Main-Firmenlogo
Stadt Frankfurt am Main Abteilungsleiter_innen (m/w/d) Objektmanagement Frankfurt am Main
Infraserv GmbH & Co. Höchst KG-Firmenlogo
Infraserv GmbH & Co. Höchst KG Ingenieure (m/w/d) Fachrichtung Bau und Architektur Elektrotechnik Versorgungstechnik Frankfurt am Main
über Raven51 AG-Firmenlogo
über Raven51 AG Geschäftsführer (m/w/d) Berlin

Alle Technische Leitung Jobs

Top 5 Führung