Management

„Aber bitte nicht mit alten Maschinen kommen!“

VDI nachrichten, Olomouc, 18. 6. 04 -Ausländische Direktinvestitionen in Tschechien stammen zu fast einem Drittel aus Deutschland. Doch während Weltkonzerne längst da sind, zögert der Mittelstand in Schwaben und Bayern noch unsicher. Schuld daran sind auch falsche Vorstellungen.

Ob er nun Tscheche sei oder Deutscher? Manfred Scholz hebt die Schultern; ganz sicher scheint er sich selbst nicht zu sein. Der Endfünfziger gehört zu einer kleinen Gruppe tschechischer Bürger, von der man hierzulande kaum etwas weiß. Denn er ist Kind sudentendeutscher Eltern, die im Zuge der Benesch-Dekrete 1945 nicht vertrieben, sondern als benötigte Spezialisten zum Verbleib gezwungen wurden.
Diese innere Geteiltheit in Sprache, Denken und Fühlen kommt ihm nun aber trefflich zugute. Denn der Diplomingenieur leitet im hübschen mährischen Olomouc (Ölmütz) die Siwe AG, einen hochspezialisierten Werkzeugbaubetrieb, der 1990 als tschechisch-österreichisches Jointventure entstand. Scholz lacht nachsichtig über die Frage, wie viel Österreicher es in der Geschäftsführung gebe, wo Siwe doch eine 100 %-ige Tochter der Weba Holding in Steyr ist. „Schon seit 1994 wird vor Ort alles tschechisch gemanagt.“ Und nicht nur hier deutsche Chefs bei tschechischen Töchtern finde man selten.
Der Deutsch-Tscheche hat viel in der Bundesrepublik zu tun, in Sindelfingen, in Dresden, im Rheinland. „Unsere Aufträge beziehen wir fast durchweg aus dem Westen“, erzählt er.
So kenne er auch bestens die Gedankengänge deutscher Mittelständler, die sich den neuen EU-Staaten zumeist unsicher und voller Vorurteile näherten. „Deutsche prüfen einen unbekannten Markt besonders gründlich“, weiß er. Selbst nach dem EU-Beitritt halte dies an.
Dennoch gilt Tschechien nicht nur wegen seiner Nähe zu Süddeutschland als bevorzugtes Investitionsziel im Osten. Fast jeder dritte direkt investierte Auslands-Euro kommt aus der Bundesrepublik. Und das werde zunehmen, ist Ostexperte Friedhelm Forge von der IHK München sicher.
Denn nachdem VW, Bosch oder Siemens (mit 24 Gesellschaften einer der größten Arbeitgeber im Lande) lange da sind, erwartet er nun auch „großes Interesse kleiner und mittelständischer Unternehmen – vor allem aus Bayern und Baden-Württemberg“.
Bei CzechInvest glaubt man auch einen wesentlichen Grund zu erkennen: „Deutsche Firmen betrachten Tschechien als technologisch am meisten entwickeltes Land aller neuen EU-Mitglieder“, so Renata Haklová, Direktorin der Kölner Deutschland-Vertretung dieser staatlichen Investitionsförderagentur.
Ein handfestes Beispiel dafür nennt Jan Brezina, Präsident der Region Olomouc: „Ein großer Konzern wollte sein neues Europa-Logistikzentrum an einem zentralen Ort errichten, an dem die Infrastruktur stimmt, und wo er Leute findet, die insgesamt 15 Sprachen beherrschen. Er entschied sich für Olomouc“, frohlockt er der Universität sei Dank.
Doch Manfred Scholz kennt es auch anderes. Danach befragt, was er einem interessierten Mittelständler aus Schwaben als erstes rate, sagt er ohne zu überlegen: „Bitte nicht mit alten Maschinen kommen! Denn tschechische Löhne, deutsche Qualität, aber alte Technik – das geht nicht zusammen.“ Zumal bei den technikvernarrten Tschechen.
Dass Siwe u. a. für DaimlerChrysler, Opel und BMW arbeite, bringt er auf diese Formel: „Österreichisches Know-how plus tschechisches Geschick und Tradition.“
Zudem sei es ein Riesenvorteil, dass sein Betrieb und die Mutterfirma mit CNC-Maschinen und CAD/CAM-Technologien auf gleichem Niveau arbeiteten. Es ermögliche eine gegenseitige Kapazitätsauslastung und Arbeitsteilung, etwa bei sicherheitsrelevanten Teilen für den Autobau: „In Steyr entstehen nur noch kaltverformte und in Olomouc warmverformte Werkzeuge“, so Scholz, der mit Siwe 10,5 Mio. € im Jahr umsetzt.
Selbst Buchhaltung und Controlling seien softwaremäßig so vernetzt, dass alle Belege in Tschechisch erfasst werden und in Steyr in Deutsch ausgedruckt werden können. „… und umgekehrt“, fügt er hinzu.
Mittlerweile arbeite aber ein halbes Dutzend tschechischer, deutscher und österreichischer Werkzeugbaufirmen um Olomouc, registriert Scholz. Das erzeuge neben Konkurrenz langsam auch Fachkräftemangel. „So bilden wir unsere Leute zunehmend selbst aus“, erzählt er.
Das Wirtschaftspotenzial für deutsche Investitionen in Tschechien sei dennoch „bei weitem nicht erschöpft“, versichert Renata Haklová. Vor allem mittelständische Firmen vermisst sie noch.
Lange war gerade das Verhältnis der Tschechen zu deutschen Unternehmen indes nicht eben spannungsfrei. Man wollte an eigene alte Traditionen anknüpfen statt sich zur verlängerten Werkbank degradiert zu sehen. Aber dort, wo Investitionen auf langfristig sichere Arbeitsplätze angelegt sind, lasse diese Distanz spürbar nach – auch weil man in Werken deutscher Konzerne besser verdiene, versichert Scholz.
Ein Beispiel ist die Hella Autotechnik im mährischen Mohelnice. Die Mehrheit der 725 Mitarbeiter sind Frauen, die mit 580 € brutto deutlich über dem Landesdurchschnitt (541,70 €) und erst recht dem im Olomoucer Bezirk (457,10 €) verdienen.
In hellen, sauberen Hallen montieren sie jährlich 2,85 Mio. Hauptscheinwerfer für fast alle gängigen Autotypen. Damit machen sie das deutsche Mutterhaus in Lippstadt – mit Werken in Wembach und Nellingen – mit zu einem der Marktführer auf dem Kontinent.
Das 1992 gegründete Werk sei seither in Produktionsfläche, Mitarbeiterzahl und Umsatz (108 Mio. €) kontinuierlich gewachsen, berichtet Geschäftsführer Oldrich Svoboda in fließendem Deutsch.
Der frühere Handelsdirektor beim größten Scheinwerferhersteller des Ostblocks sieht den Betrieb im Herzen einer tschechisch-slowakisch-polnischen Dreiländerregion in strategisch guter Lage. In Bälde riefen hier acht große Autofabriken nach Bedarf.
Die erste Frage, die die Deutschen seinerzeit an ihn richteten, soll übrigens gelautet haben: „Ist es möglich, in anderthalb Jahren hier ein neues Werk hochzuziehen?“ Man hatte natürlich Angst vor Bürokratie und postsozialistischem Schlendrian, doch dann sei schon zehn Monate nach der ersten Kontaktaufnahme die Company gegründet worden, erinnert sich Svoboda.
Im Übrigen habe auch er in Mohelnice nie einen deutschen Chef vor der Nase gehabt. Dafür arbeite ihr technologisches Zentrum, in dem sie eigene Montagestraßen konstruieren, nun bereits für andere Konzerntöchter. Freilich habe man den Maschinenpark weitgehend mit deutscher Technik bestückt: „Wir wollten nur das Beste!“
Mit der EU-Erweiterung fragten nun erste deutsche Firmen an, ob sie in einem neuen Werk schon nach sechs Monaten produzieren können, berichtet Frantisek Kastyl, Generalmanager der Entwicklungsfördergesellschaft für Zentralmähren. „Und im Prinzip ist das auch möglich, wenn auch nicht die Regel“, meint er etwas zweideutig.
Immerhin gebe es um Olomouc gut erschlossene Gewerbegebiete mit teils hervorragender Autobahnanbindung. So eröffne auch Miele noch dieses Jahr ein größeres Werk in der Region. HARALD LACHMANN

Von Harald Lachmann

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