Karrierestrategie 24.06.2015, 00:00 Uhr

Führen mit Gefühl

Fachkompetenz ist die Voraussetzung

Von einer Führungskraft erwarten die Mitarbeiter, das sie sich auskennt, dass sie die Prozesse im Unternehmen, die Strukturen, die Produkte und die Kunden genau kennt. Über ihre Fachkompetenz erwirkt die Führungspersönlichkeit leichter den Respekt und das Vertrauen seiner Mitarbeiter.

Führung will gelernt sein.

Führung will gelernt sein.

Foto: panthernedia.net/AndreyPopov

Ein Vorgesetzter muss nicht alle Details kennen, aber den Überblick haben und im Krisenfall schnell in der Lage sein, mit dem Mitarbeiter gemeinsam Lösungen zu entwickeln. Das kann er nur, wenn er fachkompetent ist. Aber, und das wird häufig falsch eingeschätzt, hohe Fachkompetenz macht noch keine gute Führungskraft.

Führungswerkzeuge geben Hilfe auf der Verstandesebene

Die meisten Führungskräfte sind sich bewusst, dass Führung mehr erfordert als Fachwissen und bemühen sich, sich Führungswissen anzueignen, sei es durch das Lesen von Büchern oder den Besuch von Seminaren. Das Wissen, das dort vermittelt wird, bietet Hilfestellung in Form von Führungstechniken und Managementmethoden. Sie geben der Führungskraft die Sicherheit, in verschiedenen Situationen angemessen zu agieren und zu reagieren.

Emotionen lenken menschliches Denken und Handeln

Im Umgang mit Menschen bewegen wir uns auf drei verschiedenen Ebenen: der Sachebene (der eigentliche Sachverhalt, um den es geht), der Beziehungsebene (das Verhältnis, das wir zueinander haben) und der persönlichen Stimmungsebene (der Zustand, in dem ich mich zum jeweiligen Zeitpunkt befinde). Wir bilden uns gerne ein, wir könnten Probleme auf der Sachebene lösen, Produkte über die Sachebene verkaufen, Menschen auf der Sachebene führen, aber das ist falsch, denn menschliches Denken und Handeln wird immer von Emotionen gesteuert. Im Grunde wissen wir, dass Kaufentscheidungen emotionale Entscheidungen sind, dass wir lieber bei einem Menschen kaufen, den wir respektieren oder sogar mögen, dem wir vertrauen. Wir wissen auch, dass wir Menschen nicht über Sachwerte, in Form von monetären Zuwendungen oder einem größeren Firmenwagen dauerhaft motivieren können. Wir haben schon oft die Erfahrung gemacht, dass Konflikte auf der Beziehungsebene entstehen und deshalb nicht auf der Sachebene zu lösen sind. Aber genau das macht Führung oft sehr schwierig.

Die eigenen Gefühle kennen, lenken und aussprechen können

Eine Führungskraft muss in der Lage sein, seine eigenen Gefühle zu kennen und in gewisser Weise zu managen. Ein Mitarbeiter darf nicht darunter leiden, dass ich am Morgen einen erbitterten Streit mit meinem Partner/meiner Partnerin hatte. Kein Vorgesetzter darf im Sinne der Gerechtigkeit die Leistungsbeurteilung von Mitarbeitern von persönlichen Vorlieben abhängig machen. Er darf sich durchaus bewusst sein, dass er den einen Mitarbeiter lieber mag als den anderen, aber er muss seine Gefühle dahin gehend lenken können, dass er bei der Sicht auf die Arbeit eines Mitarbeiters objektiv bleibt. Über Gefühle zu sprechen, ist vielen Vorgesetzten regelrecht peinlich und so äußern sie ihre Zufriedenheit oder Unzufriedenheit mit dem Verhalten des Mitarbeiters gefühlsentfremdet. „Ich habe das Gefühl, Sie haben die Aufgabe nicht richtig ernst genommen“, ist keine Gefühläußerung des Vorgesetzten, sondern eine Unterstellung, die der Mitarbeiter in Frage stellen kann: „Ihr Gefühl täuscht sie“ oder „Sie irren sich.“ Durch die Verwendung des Wortes „Gefühl“ hat der Vorgesetzte aber nicht über ein Gefühl gesprochen. Richtig wäre: „Ich bin enttäuscht von der Art, wie Sie das Projekt abgewickelt haben.“ Oder im positiven Fall: „Ich bin sehr froh/erleichtert, dass Sie das Projekt mit so viel Engagement abgewickelt haben“. Mit der Nennung eines echten Gefühls zeigt der Vorgesetzte ein Stück von seinem Inneren und damit ist er für den Mitarbeiter glaubwürdig.

 Die Gefühle der Mitarbeiter einschätzen können

„Empathie“ ist das Stichwort, wenn wir von Einfühlungsvermögen, Anteilnahme, Verständnis für das Denken und Handeln des Mitarbeiters sprechen. Eine Führungskraft, die nicht nachempfinden kann, dass ein Mitarbeiter aufgrund eines traurigen privaten Anlasses einen temporären Leistungsabfall hat, wird nicht in der Lage sein, sich den Respekt und das Vertrauen des Mitarbeiters zu erhalten und in der Folge wird es ihm kaum gelingen, den Mitarbeiter zu motivieren. Jeder Mitarbeiter braucht eine individuelle Art der Ansprache und dazu ist es wichtig, seine Gefühle zu kennen. Der Chef muss wissen, wer besonders empfindlich ist, wem er mit Humor begegnen kann, wer über seinen Ehrgeiz anzusprechen ist. Er muss wissen, wer über einen leichten Druck zu motivieren ist und wer darüber komplett demotiviert wird. Bevor der Vorgesetzte mit einem Mitarbeiter auf der Sachebene kommuniziert, muss er ihn zunächst einmal auf der emotionalen Ebene abholen.

Führung ohne Gefühl ist nicht möglich

Wer keine Gefühle zeigen kann, kann auch nicht glaubwürdig führen. Ein Vorgesetzter, dem man seine Enttäuschung nicht anmerkt, der immer nur smart lächelt, ist für seine Mitarbeiter ein Mensch ohne Ecken und Kanten und damit keine Führungspersönlichkeit. Ein Vorgesetzter, der heute seinen Ärger grummelnd äußert und vielleicht auch einmal eine unsachliche Bemerkung macht, sich aber morgen bei seinem Mitarbeiter dafür entschuldigt, zeigt, dass er ein Mensch ist und nicht nur ein Manager. Die große Herausforderung jeder Führungskraft ist es, zugleich Manager als auch Mensch zu sein, die Balance zwischen Sachzwängen und zwischenmenschlicher Verantwortung zu halten. Allein der Begriff „Führungskraft“ führt schon zu einer Versachlichung des Vorgesetzten. Besser wäre es, von einer „Führungspersönlichkeit“ zu sprechen. Sprechen wir von Persönlichkeit, dann haben wir die Gefühle integriert. Begeisterungsfähigkeit, Durchsetzungsfähigkeit, Glaubwürdigkeit, Überzeugungskraft  oder Konfliktfähigkeit sind Eigenschaften, die sehr stark auf Gefühlen basieren und Ausdruck eines reifen Menschen, einer Führungspersönlichkeit.

 

Von Renate Eickenberg, Autorin und Coach

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