Fehlende Geduld beim Stellenwechsel ist fatal

Stellenwechsel: Geduld ist gefragt.

Stellenwechsel: Geduld ist gefragt.

Foto: panthermedia.net/lightkeeper

Personalentscheider zeigen bei der Stellenbesetzung in der Regel viel Geduld. Bewerbern kommt sie manchmal bei der Suche nach einem neuen Job abhanden. Wer strebt nicht die schnelle und bequeme Lösung bei der beruflichen Veränderung an? Tatsächlich muss aber im Allgemeinen mit einer Suchzeit von neun Monaten gerechnet werden, bis ein Vertragsangebot zu einer adäquaten Stelle auf dem Tisch liegt. Darunter geht meist nicht viel. Auch wer sich aus einer misslichen Situation heraus bewirbt, sollte nicht kopflos die erst beste Alternative akzeptieren. Der vermeintliche Griff nach dem Strohhalm entpuppt sich nicht selten als Griff daneben. Der Absturz ist dann um so tiefer und die Situation umso bescheidener.

Auch wenn das Verhalten der Personalverantwortlichen nicht immer vorbildlich ist, eines können sich die Stellensuchenden auf jeden Fall abschauen: die sprichwörtliche Ruhe bei der Kandidatenauswahl! Sie sollte Vorbild für jeden wechselwilligen Arbeitnehmer sein. Da bewirbt sich ein Ingenieur um die Stelle eines Projektleiters bei einem größeren Unternehmen. Nach kurzer Eingangsbestätigung hört er zu seiner Bewerbung von dem Unternehmen nichts mehr. Häufig ist gleiches Verhalten bei Personalberatern zu beobachten. Gerade fordert ein Berater noch in atemberaubender Telefonansprache den Lebenslauf des Bewerbers, es geht um die Stelle des Betriebsleiters in einem verfahrenstechnischen Unternehmen. Es scheint bei der Besetzung dieser Position um Sekunden zu gehen. Anschließend gibt es eine Sendepause von drei Monaten, bevor sich der eilige Personalberater wieder meldet. Sicherlich kann man sich seinen Reim auf das Verhalten machen. Dennoch steht eines fest, die Arbeitgeberseite überlegt sehr gründlich, bevor sie sich für einen Kandidaten entscheidet. Daran sollten sich Bewerber orientieren.

Offensichtlich gibt es mehrere Gründe, weshalb sich Bewerber keine oder nur wenig Zeit beim Stellenwechsel nehmen. Zum einen scheint es unbequem und lästig, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Wer nur vier gescheite Bewerbungen am Wochenende auf den Weg bringt und vorher noch das Internet und Zeitungen nach passenden Stellen absucht, für den ist gut und gerne ein Tag des Wochenendes belegt. Kommen dann noch Vorstellungsgespräche und Telefonate dazu, fühlen sich manche Kandidaten schon nach kurzer Zeit überfordert. Viele wechselwillige Kandidaten schaffen aber offensichtlich auch den Spagat zwischen nüchterner Alternativensuche und motivierter Weiterarbeit beim alten Arbeitgeber nicht. Wer sich einmal für einen Wechsel entschieden hat, möchte so schnell wie möglich beim alten Arbeitgeber „in den Sack hauen“. Vielfach wird ja auch aus einem bestimmten Negativerlebnis gekündigt. Hat etwa gerade der Vorgesetze eine Rüge erteilt, möchte man es ihm mit einer alsbaldigen Kündigung heimzahlen. Bei ungeübten Stellenwechslern kommt zudem viel zu schnell das beklemmende Gefühl auf, zum Schluss ohne wirkliche Alternative dazustehen. Übereilt wollen sie dann das Problem aus der Welt schaffen und unterzeichnen den erstbesten Vertrag.

Gelassenheit bringt mehr! Eine gute Bewerbungsaktion braucht seine Zeit. Sie muss terminlich und inhaltlich gut geplant sein und beim aktuellen Arbeitgeber darf nichts „anbrennen“. Auch bei drohender Kündigung und Arbeitslosigkeit sollte sich das Gemüt schnell beruhigen. Zur Not müssen die Schlagzahlen erhöht und wesentlich mehr Bewerbungen innerhalb von kurzer Zeit in Umlauf gebracht werden. Keinesfalls dürfen aber die Qualität der Bewerbungen und die Beurteilung der Jobalternativen darunter leiden. Egal, in welcher Situation sich der Kandidat befindet, er sollte klare Auswahlkriterien formulieren und sich einen guten Überblick zu den Jobalternativen verschaffen, bevor die Entscheidung für oder gegen eine Jobofferte fällt. Sonst gerät die Stellensuche schnell zum Fehlgriff und die Kandidaten müssen aus einer wesentlich schlechteren Position erneut auf die Suche gehen.

 

  • Bernd Andersch

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