Tipps für den beruflichen Wechsel

Familienunternehmen vor dem Einstieg prüfen

Will ein Ingenieur in ein Familienunternehmen wechseln, drohen zahlreiche Fallstricke. Der größte: Die Animositäten der das Unternehmen führenden Familienmitglieder. Bewerber sollten sich den Betrieb daher genau anschauen und alle wichtigen Ansprechpartner vorab kennenlernen.

Im Familienunternehmen zu arbeiten hat nicht immer Vorteile. Prüfen!

Im Familienunternehmen zu arbeiten hat nicht immer Vorteile. Prüfen!

Foto: panthermedia.net/depostock

In Familienunternehmen geht es oftmals unter den Familienmitgliedern recht harmonisch zu. Soll sich ein außenstehender Ingenieur im Beziehungsgeflecht behaupten, hat er es umso schwerer, je höher seine Position aufgehängt ist und je mehr er mit Familienmitgliedern ins Kompetenzgerangel kommt. Was im Vorstellungsgespräch noch friedlich und persönlich anmutet, sieht schon ganz anders aus, wenn der Unternehmenswechsel vollzogen wurde.

Möglicherweise entpuppt sich erst jetzt der geschäftsführende Gesellschafter im Familienunternehmen beispielsweise als Diener seiner Gattin. Plötzlich zeigt sich der bei der Betriebsführung unscheinbare Sohn nicht mehr als graue Maus, sondern als höchst intrigante Persönlichkeit, die unfolgsame Mitarbeiter und Führungskräfte aufs Schafott bringt. Ein sehr erfolgreiches familiengeführtes Unternehmen der Futtermittelindustrie verschliss auf diese Weise in der Probezeit vier neue Geschäftsführer in spe.

Im Familienunternehmen den Klüngel nicht unterschätzen

Ganz so schlimm geht es zwar nicht in jedem Familienunternehmen zu, aber beim Wechsel in ein familiengeführtes Unternehmen sollte ein Ingenieur den üblichen Familienklüngel nicht unterschätzen. Je mehr Familienmitglieder mitmischen und je näher das verwandtschaftliche Verhältnis ist, desto schwieriger ist die Situation für Externe. Vor einem Wechsel mit weit ins Unternehmen ragenden Familienbanden sollten daher Fakten kritisch hinterfragt werden.

Vor dieser Aufgabe steht der Einkaufsleiter, der von einem Familienunternehmen in der Chemieindustrie ein tolles Angebot bekam. Er wurde von der Familie in kühne Träume eingeweiht und ungeahnte Entwicklungsmöglichkeiten wurden ihm aufgezeigt. In zwei bis drei Jahren nach Eintritt ins Unternehmen sollte er in der Geschäftsführung mitmischen. In den nächsten Jahren sollen zudem weitere Familienmitglieder aus dem Unternehmen gezogen und durch externe Fach- und Führungskräfte ersetzt werden. Der 48jährige promovierte Ingenieur ist heiß auf die Stelle, hat aber Bedenken und weiß jetzt nicht, was er so recht tun soll. Was kann dem Kandidaten geraten werden?

Mit allen Beteiligten im Familienunternehmen sprechen

1. Es gibt kaum einen besseren Weg die Ernsthaftigkeit von Plänen zu prüfen, als die verschiedenen Beteiligten im Familienunternehmen dazu (unter Umständen sogar mehrfach) detailliert zu befragen. Je schwammiger, unterschiedlicher und widersprüchlicher sie geschildert werden, umso näher liegt die Vermutung, dass es sich wohl mehr um eine fixe Idee als eine durchdachte Unternehmensstrategie handelt.

2. Versprechen sind schön, aber nur Verträge verbindlich. In Vorstellungsgespräch mit Führungskräften wird nicht selten die „Opiumpfeife“ geraucht. In der Umnebelung fällt es leicht abzuheben, kühne Versprechungen zu machen Fantasien beim Kandidaten zu wecken. Letztlich müssen die Dinge aber klar definiert, vertraglich fixiert und der ind Familienunternehmen einsteigende Ingenieur auch entsprechend abgesichert werden.

Alle Fragen zu Familienunternehmen stellen

3. Die Machtstellung der einzelnen Familienmitglieder erfährt man nur, indem man sie einzeln kennenlernt und auch in der Gruppe erlebt. Der Kandidat muss auf mehrere Vorstellungsrunden drängen, um die Konstellation im Familienunternehmen realistisch abschätzen zu können.

4. Der Bewerber sollte alle Fragen auf den Tisch bringen, die ihn interessieren. Keine Frage darf unbeantwortet bleiben. Die Frage nach den finanziellen Verhältnissen im Familienunternehmen sind genauso legitim wie die nach der Fluktuation unter Fach- und Führungskräften usw.

5. Beobachtungen und lange Gespräche fördern oftmals auch verdeckte Tatsachen ans Tageslicht. Es sollten daher Betriebsrundgänge vom Kandidaten eingefordert werden. Sind nur wenige Vorstellungsgespräche möglich, sollten sehr intensive „Beschnupper“ -Sitzungen stattfinden. Je länger die Vorstellungsrunden im Familienunternehmen, desto besser können die Gesprächspartner sich gegenseitig einschätzen.

Achtung Falle: Machtpolitische Mühlen im Familienunternehmen

Vielleicht geht es dem einen oder anderen Kandidaten dann so wie dem Maschinenbau-Ingenieur, der als Leiter der Entwicklung zu kreativen Höhenflügen für ein Familienunternehmen aufbrechen sollte. Er stellte dem geschäftsführenden Gesellschafter die Frage nach der Fluktuationsquote. Gegen Null, antwortete der Gesellschafter. Bei einem späteren Betriebsrundgang wurde auch die Stechuhr passiert. Dummerweise hing darüber eine Liste von Mitarbeitern, die ihren Ausstand zum gleichen Zeitpunkt gaben. Komisch auch, dass in allen Büros (auch in denjenigen der Führungskräfte) die Möbel überall am gleichen Platz standen, Pflanzen und Bilder nirgends zu sehen waren. Zudem lobte der Inhaber am Ende des Sitzungsmarathons die Navigationssysteme seiner Fahrzeugflotte, die er zur Überwachung und Kontrolle der Reiseabrechnungen seiner Mitarbeiter nutzte.

Fazit: Wer nicht gerade in Zugzwang steht, das Unternehmen zu wechseln, sollte nicht ohne kritische Prüfung in ein Familienunternehmen stolpern. Generell sind diese Arbeitgeber nicht besser oder schlechter als andere. Es besteht aber die Gefahr, in die machtpolitische Mühlen der Familie oder an autoritäre Inhaber zu geraten, die sich um jede Kleinigkeit kümmern und damit jedem Mitarbeiter das Arbeitsleben vermiesen.

 

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