Karrierestrategie 25.08.2015, 00:00 Uhr

Fallstricke in der Probezeit

Ist der Arbeitsvertrag unter Dach und Fach, ist zugegebenermaßen ein großer Schritt in Richtung eines nachhaltigen Beschäftigungsverhältnisses getan. Wirklich sicher sein kann man sich aber erst nach bestandener Probezeit. Sie dauert im Regelfall drei oder sechs Monate und hält so manche Tücke und Klippe parat – die ihre Ursache nicht nur in dem neuen Unternehmen hat. Lesen Sie nach, welche Punkte für Sie zum Fallstrick in der Probezeit werden könnten. 

Die Arbeitspausen sollten auch fürs Networking genutzt werden, dies ist gerade in der Probezeit wichtig.

Die Arbeitspausen sollten auch fürs Networking genutzt werden, dies ist gerade in der Probezeit wichtig.

Foto: panthermedia.net/michaeljung

Kleinigkeiten zu Beginn des neuen Arbeitsverhältnisses

Was im Einzelfall auf den Neuling im Unternehmen zukommt, davon lässt sich einiges bereits im Vorfeld erkennen. Beginnen Sie mit den Vorstellungsgesprächen bei Ihrem neuen Arbeitgeber. Lassen Sie sich diese noch einmal durch den Kopf gehen. Gab es  Hinweise auf Konfliktpotenziale? Weshalb wird die Stelle besetzt? Woran ist der Vorgänger gescheitert? Was ist aus dem Vorgänger geworden? Auch wenn ein Mitarbeiter für Ihre Position ins Glied zurückgestuft oder der Vorgänger wegen Erfolglosigkeit entlassen wurde, Ihnen gleichwertige Mitarbeiter unterstellt werden usw. kann es zu Problemen kommen, auf die nicht erst in der laufenden Probezeit eine Antwort gesucht werden muss.

Aber auch der erste Arbeitstag lässt bereits erkennen, wie offen die Arme des neuen Unternehmens sind, denn wie oft im Leben täuscht auch der erste Eindruck vom neuen Arbeitgeber nicht. Alle Warnlämpchen sollten aufleuchten, wenn der Arbeitgeber zu Beginn Gleichgültigkeit zeigt. Ist etwa ungeklärt, wo der neue Mitarbeiter sitzen soll, hat sich niemand Gedanken über die Einarbeitung gemacht, fehlen erste Arbeitsunterlagen usw. kann man sich schon denken, wie es weitergeht. Aber auch Vorstellungsrunde und erster Betriebsgang liefern Aufschlüsse zum Betriebsklima, Mitarbeiter- und Kollegenverhalten usw. Beobachten Sie gründlich. Behalten Sie Unangenehmes gut in Erinnerung. Je mehr Sie diesbezüglich registrieren, desto vorsichtiger und überlegter sollten Sie die Probezeit angehen.

Eigenes Verhalten reflektieren

Der Arbeitgeber selbst ist häufig also nicht die Ursache für eine gefloppte Probezeit. Er löst mit der Besetzung der offenen Stelle ein Problem und bedankt sich i.d.R. mit Vertrauen und Unterstützung. Probezeiten scheitern eher am ungeschickten Verhalten der Kandidaten. So möchte etwa jemand, der beim alten Arbeitgeber unter Wert eingesetzt war, frustriert oder verschmäht wurde, in der Probezeit zeigen, was in ihm steckt. Möglicherweise überfordert er im Übereifer die Organisation oder übersieht gewachsene Strukturen u.ä. Reflektieren Sie daher nach jedem Arbeitstag Ihr persönliches Verhalten, damit Sie schnell gegensteuern können.

Um nicht von einem Fettnäpfchen ins nächste zu treten, sollten Spielregeln unter den Mitarbeitern beobachtet und erfragt werden. Hier einige weitere beachtenswerte Punkte: Lob kommt besser an als vorschnelle Kritik, Zuhören besser als Ratschläge, Fragen führt  zu neuen Erkenntnissen – eigene Monologe nicht. Zu große Vertraulichkeit neuer Kollegen sollte nicht zum Ausplaudern von Intimitäten führen. Der vertrauliche Kollege ist möglicherweise in der nächsten Runde der größte „Feind“. Ein Studium von Dale Carnegies Bestseller „Wie man Freunde gewinnt“ tut jedem vor Antritt der Probezeit gut.

Wer lieber anderen Menschen aus dem Weg geht, sollte sich trotzdem vornehmen, jeden Tag einen neuen Kollegen kennenzulernen. Pausen- und Arbeitszeiten sollten verstärkt zum Aufbau eines Netzwerkes genutzt werden. Wer Kontakte aufbaut, lernt viel über das

Soziogramm des Unternehmens. Welches sind die wichtigen formellen und informellen Figuren? Wo sitzen die Drahtzieher und wo die graue Eminenz? Versuchen Sie näher in Kontakt mit diesen Menschen zu kommen. Ein gemeinsames Mittagessen bringt in der Probezeit oftmals mehr als eine Unterrichtsstunde zum eingesetzten IT-System im Unternehmen. Revolutionäre Arbeitsleistungen werden von Neulingen in der Probezeit ohnehin nur in Ausnahmefällen erwartet, hier kann man sich eher noch etwas zurückhalten.

Träume gegen die Realität austauschen

Oft wird das Unternehmen gewechselt, weil berufliche Träume unerfüllt blieben. Mit dem neuen Arbeitgeber verbindet sich häufig der Aufbruch in eine „bessere Welt“. Das wird ja meist in den Vorstellungsgesprächen untermauert. Der Illusion weicht meist nach wenigen Tagen die Realität. Es kommt zur normalen Sicht mit Problemen, die man bereits (vom vergangenen Arbeitgeber) kennt. Begeisterung weicht erster Enttäuschung. Diese Situation kann für den zum Verhängnis werden, der mit Aggression oder Frustration reagiert. Wer nach erfolgreichem Vorstellungsgespräch den neuen Arbeitgeber mental entzaubert, tut sich meist leichter und freut sich über alle Dinge, die dann doch besser laufen als angenommen.

Aber auch Fehler in der Selbstorganisation fallen am ehesten in der Probezeit auf. Gehen Sie diszipliniert, organisiert, systematisch in die Probezeit. So entsteht erst gar nicht der Eindruck, Sie seien unpünktlich, unzuverlässig, nutzlos, vergessen Dinge, schätzen sie falsch ein, sind unsicher. Termine und Arbeitsauslastung sollten geplant werden. Überstunden signalisieren nicht nur Fleiß sondern auch Überlastung und sollten daher freiwillig nicht sofort in den ersten Tagen geleistet werden. Urlaub und Auszeiten verbieten sich ebenfalls. Leerkapazitäten sollten Vorgesetzten angezeigt oder Kollegen zur Unterstützung angeboten werden. Um sich schnell im neuen Job einzufinden, sollten  Arbeitsabläufe und Schnittstellen dokumentiert werden. Verifizieren Sie die Erkenntnisse mit Kollegen oder Vorgesetzten.

Genaue Klärung von Aufgaben und Erwartungen

Werden Aufgaben mit Fertigstellungstermine an Sie heran getragen, fragen Sie genau nach, was erwartet wird. Prüfen Sie, ob vorgegebener Zeitrahmen und Randbedingungen realistisch sind. Setzen Sie u.U. Instrumente des Projektmanagements ein, um professionell zu wirken. Kommen Sie zum Ergebnis, dass die Aufgabe in der gewünschten Form nicht machbar ist, sollte das dem Vorgesetzen mündlich und schriftlich erläutert und fundiert begründet werden. Sie laufen sonst von Beginn an unrealistischen Zielen hinterher und können in der Probezeit wenig punkten. Für später aufkommende Diskussionen kann es zum Selbstschutz nicht schaden, auf die schriftlich fixierten Bedenken zu verweisen.

Stellen Sie mit dem Vorgesetzten klare Ziele für die Probezeit auf  – oder versuchen Sie es zumindest, wenn solche Ziele nicht existieren. Dazu gehört ein Einarbeitungsprogramm mit zu durchlaufenden Stationen, Start-/Endzeitpunkte, erwartete Arbeitsbeiträge und -ergebnisse. Vereinbaren Sie im 14-tägigen Abstand Feedback-Gespräche. So ergibt sich die Chance, aufziehende Differenzen rechtzeitig zu erkennen und gegenzusteuern. Prüfen Sie kritisch Aussagen des Vorgesetzten aus dem Vorstellungsgespräch. Beklagte er sich etwa über Macherqualitäten seiner Mitarbeiter, ist lange noch nicht gesagt, dass er diese Qualität wirklich schätzt. Forderte er den Aufbau eines Projektmanagement muss das nicht bedeuten, dass er eine Institution meint, die diesen Namen verdient. Mit viel Geschick ist zu ergründen, in welche Richtung verdeckte Wünsche des Vorgesetzten gehen.

 

Von Bernd Andersch

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