Strategien für die Krise 01.12.2008, 01:00 Uhr

Einfluss der Rezession auf die Karriereaussichten von Ingenieuren

Eine Rezession macht bei Ingenieuren möglicherweise auch vorm eigenen Arbeitgeber nicht Halt. Wie sieht das richtige Verhalten aus? Stellenwechsel? Abwarten? Abfindung aushandeln? Eine pauschale Lösung gibt es nicht. Ingenieure müssen ihre individuelle Situation kritisch betrachten.

Es gibt viele Wege durch die Rezession.

Es gibt viele Wege durch die Rezession.

Foto: pantheremedia.net/alphaspirit

Gestandene Ingenieure sitzen vermeintlich auch in der Rezession sattelfest, doch verlassen sollte sich darauf niemand. Die Auswirkungen der Bankenkrise auf die Realwirtschaft sind unvorhersehbar, und wie tiefgreifend die anstehende Rezession ausfällt, welche Spuren sie in einzelnen Branchen und Funktionsbereichen hinterlässt, kann heute im Grunde niemand vorhersagen.

Zwar gibt es auch in der Rezession für Ingenieure beruflichen Aufstieg, Lob und Ehre doch in erster Linie heißt es hier, erreichte Positionen, Gehälter und so weiter verteidigen und die Karriere konsolidieren. Für einen eventuellen weiteren Karriereschritt bleibt noch Zeit, wenn die Talsohle der Konjunktur durchschritten ist und die Wirtschaft wieder besseren Zeiten entgegensieht.

Karriereknick in der Rezession bei Ingenieuren nicht ungewöhnlich

In der Rezession kommt es bei vielen Ingenieuren zum gefürchteten Karriereknick. So kann durch eine Neuausrichtung des aktuellen Arbeitgebers die eigene Position wegfallen oder abgewertet werden. Es kann zur Reduzierung von Verantwortlichkeiten für Personal, Budget, Projekte kommen, der Führungsjob muss gegen eine Fachposition oder eine Position im Projektmanagement getauscht werden.

Möglicherweise kommt es durch die Rezession bei Ingenieuren zur Kündigung, zum Aufhebungsvertrag, zu einer nicht vorteilhaften Versetzung. Vielleicht wird auch das Gehalt gekürzt. So bedauerlich der Karriereknick für den Einzelnen auch sein mag, es geht jetzt darum, den Schaden weitestgehend durch geeignete Maßnahmen zu begrenzen. Stets bleibt der Trost, nicht alleine von der Misere betroffen zu sein.

Spontane Fluchtgedanken von Ingenieuren in der Rezession

Trüben sich Geschäfts- und Betriebsklima beim aktuellen Arbeitgeber ein, kommt es zu Fluchtgedanken. Der Arbeitgeberwechsel scheint die angemessene Maßnahme und das sollte ja wohl für einen gestandenen Ingenieur bei dem Fachkräftemangel überhaupt kein Problem sein, meint so mancher Professional. Voreilig wird die Entscheidung getroffen, den Arbeitsplatz beim aktuellen Arbeitgeber aufzugeben. Ob man dann auf einem neuen Stuhl bei einem neuen Arbeitgeber sicherer sitzt, sei einmal dahingestellt. Das ohnehin immer bestehende Stellenwechselrisiko (Probezeit, unstimmige Chemie) für einen Ingenieur ist in der Rezession wesentlich höher. Letztlich gilt in vielen Unternehmen Last in First out, wenn es um den Stellenabbau geht.

Stellt sich die Frage, wie viel Zeit für den Arbeitgeberwechsel kalkuliert werden muss. Von der allerersten Bewerbung bis zum tatsächlichen Eintrittszeitpunkt in ein Unternehmen können in Anbetracht der unklaren Lage auf den Märkten durchaus sechs, wahrscheinlich eher neun Monate vergehen. Wer in den stark gefährdeten Branchen beschäftigt ist, kann teilweise mit noch längeren Suchzeiten rechnen. Gleiches gilt für Professional, die sich in der kritischen Altersklasse von 50+ bewegen. Auch eingeschränkte Mobilität und Flexibilität, Statik im Lebenslauf führen in der Rezession bei Ingenieuren zu längeren Suchzeiten.

Verhalten bei langer Betriebszugehörigkeit in der Rezession

Wer viele Jahre beim letzten Arbeitgeber verweilt, befindet sich in einer Sondersituation. Er sitzt als Ingenieur trotz Rezession relativ sicher. Dafür sprechen eventuelle fällige hohe Abfindungszahlungen, durch den Arbeitgeber zu finanzierende Outplacementberatungen und Ähnliches. Mitarbeiter mit langer Betriebszugehörigkeit haben aber auch ein sehr hohes Stellenwechselrisiko. Sie sind ungeübt im Bewerbungsgeschehen und bei der Einarbeitung in ein neues Unternehmensumfeld.

Das Risiko zu scheitern, ist besonders hoch. Solche Mitarbeiter sollten versuchen, sich als Ingenieur in der Rezession von Experten wie Fachanwalt für Arbeitsrecht und Karriereberater begleiten zu lassen, um möglichst viel Zeit für effektive Bewerbungsaktionen zu gewinnen, bei den nächsten Stellen nicht den Griff daneben zu tun oder Gefahr zu laufen, in die Arbeitslosigkeit abzurutschen.

Wie sich Ingenieure in der Rezession bei Alternativangeboten verhalten sollten

Im Rahmen von Umstrukturierungsmaßnahmen werden Mitarbeitern häufig andere Stellen im Unternehmen angeboten. Diese sind meist auf den ersten Blick weniger attraktiv als die bisherigen Stellen. Dennoch sollte gründlich überlegt werden, ob es sich bei der vermeintlich schlechteren Stelle nicht doch um eine passende und interessante Herausforderung handelt. Schließlich sollten Ingenieure die Rezession im Hinterkopf behalten.

Es kann ja nicht verkehrt sein, wenn die bisherige Führungskraft lernt, Schlüsselprojekte als Projektmanager zu leiten, einzelne Teilprojekte selbst abzuwickeln und nicht disziplinarisch unterstellte Mitarbeiter zu führen. Es kann möglicherweise auch nicht verkehrt sein, wieder einmal mit hoher fachlicher Ausrichtung zu arbeiten. Kurzum: Es sollte abgewogen werden, ob die angebotene Alternative eine sinnvolle Ergänzung im Lebenslauf darstellt – bevor der Ingenieur in der Rezession beim Arbeitgeber missmutig das Handtuch in den Ring wirft.

Wenn nötig, als Ingenieur in der Rezession freiwillig den Arbeitgeber verlassen

Gegen einen wohlüberlegten, freiwilligen Wechsel zur Karrierefortsetzung spricht in der Rezession für einen Ingenieur nichts. Zudem ist niemandem geholfen, beim aktuellen Arbeitgeber solange auszuharren, bis die Lichter dort ausgehen. Auch ein drohender, nicht mehr revidierbarer Karriereknick, kann ein Grund sein, den aktuellen Arbeitgeber zu verlassen. Zudem könnte eine längere Weiterbildungsmaßnahme dazu führen, dem Arbeitgeber den Rücken zuzukehren. Es sollte also maßgebliche Anlässe für eine Kündigung in Eigenregie geben, weil eben in der Rezession das Stellenwechselrisiko besonders hoch ist.

Über intensive Bewerbungsaktionen sollte nachgedacht werden, wenn die leiseste Ahnung aufkommt, dass der Arbeitsplatz des Ingenieurs wegen der Rezession wackelt. Hier eine Reihe von Anlässen, die die Gedanken in diese Richtung lenken sollten: Unfreiwillige personelle Veränderungen in der Geschäftsführung / schwache Medienauftritte der Geschäftsführer / schlechte Presse zum Unternehmen / Investoren, Controller, Revisoren, externe Unternehmensberater tauchen verstärkt im Unternehmen auf / größere Umstrukturierungen sind geplant / Neueinstellungen werden verkompliziert / Kollegen werden ohne Grund nach der Probezeit nicht übernommen / Vorgesetzte kritisieren im übertriebenen Maße Arbeitsleistungen / Förder- und Gehaltsgespräche werden grundlos verschoben / Vorgesetzte Ingenieure arbeiten wegen der Rezession länger als sonst / Entwicklungsprojekte werden viel früher als vertretbar dem Kunden als fertige Lösungen präsentiert / Projekte werden plötzlich gestoppt oder in ungekannter Härte durchgepeitscht / Inhaltlose Moralapelle des Topmanagements

In der Rezession: Freiwilliger Rückzug des Ingenieurs mit Abfindung

Besonders interessant ist die Situation dann, wenn ein Ingenieur in der Rezession eigentlich das Unternehmen freiwillig verlassen möchte, er aber nicht auf eine etwaige Abfindung verzichten will. In der Regel tritt eine solche Situation dann ein, wenn der betreffende Ingenieur schon seit einiger Zeit ahnt, dass sein Arbeitsplatz stark gefährdet ist und im Unternehmen schon Abfindungssummen im Raume schweben. Der Kandidat hat sich sinnvollerweise adäquate externe berufliche Alternativen erarbeitet. Er kann jetzt dem Arbeitgeber die freiwillige Kündigung anbieten, das Unternehmen mit Abfindung zu verlassen.

Wenn sich ein Unternehmen von seinen Professionals trennen möchte, bieten sich oftmals die unterschiedlichsten Varianten an. Am einfachsten ist es natürlich, den Mitarbeiter im Rahmen der normalen Kündigungsfristen loszuwerden. In anderen Fällen werden Aufhebungsverträge mit mehr oder weniger interessanten Abfindungen ausgehandelt. Wichtig ist es auch, im Rahmen des Aufhebungsvertrages das gute bis sehr gute Arbeitszeugnis zum Gegenstand zu machen. Wenn es um den Aufhebungsvertrag oder generell die Beendigung des Arbeitsverhältnisses geht, sollte eine arbeitsrechtliche Begleitung des Ingenieurs in der Rezession erfolgen.

Outplacementberatung und Transfergesellschaft für Ingenieure in der Rezession

Ein möglicher Verhandlungspunkt im Rahmen eines Aufhebungsvertrages ist die Outplacementberatung. Ein Teil der Abfindung soll dafür herhalten. Viele Ingenieure sind in der Rezession mit den Ergebnissen dieser Beratungen nicht glücklich. Empfehlenswerter ist es, sich die Abfindung komplett auszahlen zu lassen und sich dann punktuell mit den ausgewiesenen Experten zusammenzusetzen.

Das Abwandern in eine Transfergesellschaft ist eine heikle Angelegenheit. Viele Kandidaten wähnen sich im sicheren Hafen. Tatsächlich trügt der Schein, und die Zeit holt die Kandidaten schnell ein. Schon die Tatsache der Inanspruchnahme einer Transfergesellschaft macht lebenslauftechnisch nicht den besten Eindruck. Besser kommt es an, wenn Ingenieure trotz Rezession aus eigener Kraft und vor Eintreten der Arbeitslosigkeit eine Anschlussbeschäftigung finden.

Ingenieure sollten Abfindungen in der Rezession zielgerichtet einsetzen

Abfindungen sind eigentlich Mittel, die der Betreffende für die Suche einer neuen Beschäftigung erhält. Häufig werden sie aber völlig zweckentfremdet eingesetzt, für die Weltreise, die Eigentumswohnung oder das Auto, das man immer einmal fahren wollte. Wer heute so vergeht, leitet den Beginn des Karriereendes ein. Ist der Arbeitsplatz verloren gegangen, sollte sich jeder Ingenieur in der Rezession vehement gegen jeden Monat der Arbeitslosigkeit stemmen, insbesondere mit den Mitteln aus der Abfindung. Für lange Experimente am Arbeitsmarkt ist jetzt keine Zeit mehr und die Begleitung durch einen Profi im Grunde unabdingbar.

 

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