Karrierestrategie 08.06.2016, 00:00 Uhr

Die Autogrammkarten-Bewerbung

Bewerbungen im Minimalstil können als Türöffner fungieren. Aber lohnt sich der Aufwand für ein kleines bisschen Aufmerksamkeit?

Ist der klassische Lebenslauf immernoch die richtige Art der Bewerbung?

Ist der klassische Lebenslauf immernoch die richtige Art der Bewerbung?

Foto: panthermedia.net/molucy

Autogramm gefällig?

Kreativität und Einfallsreichtum sind gefragt, wenn die eigene Bewerbung auffallen soll. Beide Bedingungen erfüllt die Autogrammkarte par excellence: Sie ist Eigenwerbung in Reinform, bunt, knapp, ansprechend. Ein Teaser, der Lust auf mehr machen soll, dabei aber die wesentlichen Eckpunkte des eigenen Werdeganges aufgreift.

Kurzbewerbungen haben es in der ein oder anderen Form vor allem auf Recruitingmessen geschafft. Sie werden den Unternehmensvertretern quasi als erweiterte Visitenkarten in die Hand gedrückt. Um im Anschluss an ein interessantes Gespräch ein bleibendes Element zu hinterlassen. Dabei machen Autogrammkarten vor, wie es geht. Sie bestehen auf der einen Seite aus einem großen Foto, das anders als herkömmliche Bewerbungsbilder etwas lockerer daherkommen darf. Darunter stehen der Name und das Fachgebiet des Kandidaten und – obligatorisch für eine Autogrammkarte – dessen Unterschrift.

Auf der Rückseite sind Kontaktdaten und die wesentlichen Stationen des Lebenslaufs verzeichnet. Angesichts der Maße von maximal einer DIN-A5-Seite ist die Konzentration auf das Wesentliche Programm. Allerdings gilt es, gerade für den Einsatz auf Messen den Spagat zwischen einer flexiblen Einsatzmöglichkeit und dem Bezug zu einem konkreten Unternehmen zu bewerkstelligen. Erfüllt sie damit ihren Zweck und weckt die Neugier der Personaler?

Kurzbewerbung mit der Autogrammkarte

Kurzbewerbung mit der Autogrammkarte

Foto: Foto:

Elisa Wicke, Managerin Recruitment bei Ferchau Engineering, ist skeptisch. Sie wünscht sich, dass die Unternehmenssicht stärker berücksichtigt wird. „Wir haben in der Regel mehrere Hundert Kontakte auf einer solchen Messe“, erklärt sie. Und vermutet, dass Bewerber sich mit Autogrammkarten mehr Arbeit machen als erforderlich. Die Erwartung der Bewerber, mit einer Autogrammkarte quasi einen Schritt weiter zu sein als die übrigen Kandidaten, dürfte in den meisten Fällen enttäuscht werden. Wicke würde im Anschluss in aller Regel die klassischen Bewerbungsunterlagen einfordern, mit vollständigem Lebenslauf, Zeugnissen und einem Anschreiben.

Nettes Gimmick ohne langfristige Zeitersparnis

Weniger skeptisch sieht das Barbara Texter, Leitung Employer Branding Deutschland beim Automobilzulieferer Continental. Als Gimmick oder zur ersten Kontaktanbahnung auf Bewerbermessen kann sie der Autogrammkarte durchaus etwas abgewinnen. „Gerade für Berufseinsteiger und Young Professionals kann es ein geeignetes Instrument sein, damit die Unternehmensvertreter die individuellen Qualifikationen schnell einordnen können.“

Texter und Kollegen dürfte das System vertraut vorkommen. Contis interner Stellenmarkt verlangt von Absolventen der dualen Ausbildung, bzw. des Conti-Bachelors Kurzbewerbungen ähnlicher Art – mit den zentralen Stationen der Ausbildung und Kontaktinformationen.

Ferchau dagegen arbeitet mit einem anderen System. Auf Messen hält der Ingenieurdienstleister kleine Visitenkarten vor, mit denen persönliche Gesprächstermine vereinbart werden. Darüber hinaus händigt Wicke Messebögen an interessante Kandidaten aus, um die wichtigsten Fragen aus Sicht des Unternehmens zu klären. „Meist enthalten Flyer-Bewerbungen oder Autogrammkarten nämlich unvollständige Informationen, sodass wir uns in den kommenden Tagen erneut beim Interessenten melden müssen, um die vollständigen Unterlagen anzufordern.“

Jetzt könnte man einwenden: Um geeignete Bewerber anzusprechen, sollte das nicht zu viel verlangt sein. Bei mehreren Hundert Kontakten könnte genau das aber der Fall sein. Zumal jede Papierbewerbung aus organisatorischen Gründen zunächst in die interne Datenbank eingepflegt und die Bewerbung selbst aus Datenschutzgründen an den Bewerber zurückgeschickt werden muss. Ein Aufwand, den die Digitalisierung eigentlich aus der Welt räumte.

Ergo: Bleibenden Eindruck hinterlässt man auf einer Messe am besten durch das Gespräch selbst. Die Autogrammkarte dagegen hat sich im Land der Zeugnisse und Zertifikate noch nicht wirklich durchgesetzt.

Doch wie sieht das bei Initiativbewerbungen aus? Hier scheint es, als könnten Bewerber sehr viel Zeit sparen. Denn solange das angestrebte Unternehmen keine passenden Vakanzen veröffentlicht hat, sind die Aussichten auf Erfolg völlig ungewiss. Die Autogrammkarte könnte den Sprung in den Bewerberpool oder die Kontaktaufnahme zum Personalverantwortlichen via E-Mail ebnen. Doch vergebens. „Alle unsere Bewerbungsverfahren laufen online, werden darüber ausgewertet und an die richtigen Ansprechpartner weitergeleitet“, erklärt Texter. Eine E-Mail mit Kurzbewerbung würde in der Regel nur zum Hinweis auf das Onlinesystem führen. Es hilft nichts: Wer sich initiativ bewerben will, muss dennoch fleißig Bewerbungsunterlagen zusammentragen. Nicht zu viel verlangt für einen Wunscharbeitsplatz.

Tipp:
So erstellen Sie eine Autogrammkarten-Bewerbung 

 

Von Lisa Schneider

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