Beratung

Das Stellengesuch – Antiquität oder Geheimtipp?

Gerade betritt ein schneidiger Ingenieur mittleren Alters mein Büro. Als Coach begleite ich Herrn X. punktuell seit seinem Studienabschluss. Heute geht es wieder einmal um seinen nächsten Stellenwechsel. Mit den Worten „Pech gehabt!“ eröffnet er das Gespräch. 

Auch wenn es ungewohnt erscheint: Das Eigeninserat in regionalen Printmedien bringt direkte Kontakte zu Arbeitgebern und das begehrte schnelle Vorstellungsgespräch.

Auch wenn es ungewohnt erscheint: Das Eigeninserat in regionalen Printmedien bringt direkte Kontakte zu Arbeitgebern und das begehrte schnelle Vorstellungsgespräch.

Foto: panthermedia.net/gpointstudio

In wenigen Monaten bezieht der Klient sein letztes Gehalt und bis dahin muss eine Alternative aus dem Ärmel gezaubert werden. Tatsächlich ist X. kein Pechvogel. Möglicherweise war nie der 6er im Lotto bei seinen Stellenwechseln dabei, es ging aber immer kontinuierlich ohne Lücke im Lebenslauf weiter. Dipl.-Ing. X. bewegt sich in der Gehaltsbandbreite von 80.000 Euro bis 100.000 Euro. Die muss man erst einmal über Jahre nachhaltig einfahren können! Da kenne ich andere Fälle, denen ich eher den „Pechvogel“ zustecken würde. An seine letzte Bewerbungsaktion konnte ich mich nur dunkel erinnern. Es ging damals um die Optimierung eines Entwurfes seines Arbeitszeugnisses. Heute zieht der Ingenieur zwei DIN A4-Seiten aus seiner Mappe. „Hiermit habe ich immer Glück gehabt und möchte es auch diesmal so wieder versuchen“, bemerkt X. Er leitete tatsächlich jeden seiner vier Jobwechsel mit Stellengesuchen ein, die er in den großen Printmedien seiner Region platzierte. Doch er schiebt gleich die Frage hinterher:

„Gibt es überhaupt noch Stellengesuche in den Zeitungen?“

Das Wichtigste vorab: Stellengesuche sind nach wie vor in Printmedien im regionalen Bereich für kleines Geld schaltbar. Es gibt sie zudem für viel mehr Geld in Fachzeitschriften und überregionalen Zeitungen. Natürlich gibt es auch Online-Stellengesuche. Die Printvariante zielt aber auf Leser ab, die in einem meist mittelständischen oder kleineren Unternehmen, häufig auch Familienunternehmen, eine führende Rolle spielen und am Wochenende das Regionalblatt auf dem Frühstückstisch liegen haben. Diese Zielgruppe nimmt sich nicht die Zeit, tagelang in irgendwelchen Online-Datenbanken oder Netzwerken zu recherchieren und ist andererseits nicht bereit, viel Geld für große Printanzeigen oder teure Personalberater hinzublättern. Mit Online-Anzeigen haben die kleineren Unternehmen in der Regel Probleme, geht es um die Bewerberresonanzen. Also wird im direkten Umfeld und eben auch im Regionalblatt gesucht. Der Erfolg von Ingenieur X., der meist eine kleine Serie von Gesuchen schaltet, spricht für dieses Instrument, zumindest für Ingenieure, die ihren berufliche Karriere nicht in den bekannten Konzernen oder Großunternehmen fortsetzen wollen bzw. fortsetzen können.

Wahrscheinlich haben Sie selbst noch nicht viel über das Stellengesuch nachgedacht oder es aktiv eingesetzt. Dennoch, das Stellengesuch ist ein sehr effektives Instrument, um Fach- und Führungskräften in verschiedenartigen Situationen Arbeitsmarktpotenziale aufzuzeigen. Es ist z.B. ein Suchinstrument für Arbeitnehmer, die unter Druck geraten und zum Stellenwechsel gezwungen sind. Das Eigeninserat in regionalen Medien bringt direkte Kontakte zu Arbeitgebern und das begehrte schnelle Vorstellungsgespräch. Der gut eingestellte Kandidat fährt danach genauso rasch Vertragsangebote ein, die natürlich einer genauen Prüfung durch den Bewerber standhalten müssen. Dies zeigen nicht nur die Erfahrungen des Dipl.-Ing. X. Die klassischen Wege des Jobwechsels schneiden im direkten Zeit-/Kosten-Vergleich häufig wesentlich schlechter ab. Besser ist in dieser Situation nur dran, wer über ein persönliches Netzwerk mit funktionierten Verbindungen verfügt. Doch leider überschätzen viele Kandidaten ihr Networking und stehen bei Licht besehen auf dem Hochseil und das Auffangnetz breitet sich unter ihnen leider nur als Fata-Morgana aus und bringt außer trügerischer Sicherheit und viel Zeitaufwand wenig.

Das Eigeninserat

Wer sich für ein Eigeninserat entschieden hat, sollte intensiv über Inhalt, Form und Medium nachdenken. So muss der Leser beim lockeren Überfliegen der Gesuch-Rubrik die Zielpositionen/Zielbereiche erkennen können, z.B. „Leiter Technik/Instandhaltung“ oder „Spezialist für die Versorgungstechnik“. Fettdruck und entsprechende Schriftgröße bringen das gewünschte Ergebnis. Im Mittelpunkt des Textes sollten tabellarisch die Schlüsselqualifikationen stehen. Plakativ und im Telegrammstil werden bis zu sechs Erfahrungsschwerpunkte genannt. Nicht schlecht machen sich zudem wesentliche Verantwortlichkeiten und Arbeitsergebnisse in den vorherigen Positionen. Der Leser muss aus dem Text schließen können, auf welchen aktuellen Problemfeldern der Inserent weiterhelfen kann. Hintergrund- und Insiderwissen sind gefragt, um die Kernpassage zugkräftig zu formulieren! Der interessierte Leser möchte abschließend noch einige persönliche Details sehen wie Alter, höchsten Bildungsabschluss, vorteilhafte berufliche Stationen, Sprach- und Spezialkenntnisse, wenn möglich den Status „ungekündigt“ oder „laufendes Beschäftigungsverhältnis“. Abgerundet werden kann das Gesuch durch Hinweise auf zwei bis drei gefragte Charaktereigenschaften wie „Teammotivator“, „kraftvoller Akteur“ o.ä. Die ganzen Informationen werden abschließend in einer zweispaltigen Anzeige in der Höhe von ca. 5 cm bis 7 cm lesefreundlich untergebracht.

Fazit

Fazit: Stellengesuche in Printmedien sind ein Instrument für Fach- und Führungskräfte, die unter Zeitdruck schnell nach beruflichen Alternativen suchen. In regionalen Zeitungen geschaltet, erscheinen sie ideal für Kandidaten, die nur bedingt mobil sind. Damit aus den Zuschriften die begehrten Vorstellungsgespräche werden, muss natürlich eine Bewerbung folgen, die hält, was der Kandidat im Stellengesuch verspricht. Stellengesuche führen zu direkten Kontakten mit Personalentscheidern, meist kleinerer oder mittelgroßer Unternehmen. Nicht selten gehören Inhaber oder Mitinhaber von Familienbetrieben zu den Lesern von Stellengesuchen. Unter den Zuschriften gibt es allerdings viel Werbung,  einfach zu entsorgen ist. Überzeugt der Kandidat, kommt es mitunter recht schnell zu einem Vertragsangebot, das auf Herz und Nieren zu überprüfen ist.

 

Von Bernd Andersch, Karriere-Coach, Düsseldorf

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