Expatriates und Studierende

Was sollten Ingenieure bei der Rückkehr aus dem Ausland beachten?

Zu Hause kennt man sich aus – dieser Gedanke führt häufig dazu, dass sich Rückkehrer nach Auslandsaufenthalten zu wenig Gedanken über Vorbereitung und Ablauf machen. Das Ergebnis ist oft frustrierend – beruflich wie privat.

Die Rückkehr vom Auslandsaufenthalt ist nicht immer leicht.

Die Rückkehr vom Auslandsaufenthalt ist nicht immer leicht.

Foto: panthermedia.net/HASLOO

Ein Auslandsaufenthalt gilt nach wie vor als Anschub für die Karriere, unabhängig davon, ob Sie sich schon nach der Schule dafür entscheiden, ein komplettes Studium im Ausland zu absolvieren oder ob Sie in späteren Jahren als Expatriate für eine begrenzte Zeit in ein Tochterunternehmen oder in eine Zweigstelle wechseln. Tatsächlich sammeln Sie im Ausland wertvolle Erfahrungen, angefangen bei den Fremdsprachkenntnissen, über wichtige neue Soft Skills, bis hin zu weiterem fachlichem Know-how, das Sie aus dem fremden Land mitbringen. Was allerdings viele Ingenieure übersehen: Die Rückkehr aus dem Ausland müssen Sie im Prinzip schon planen, bevor sie überhaupt aufbrechen. Sonst sind Schwierigkeiten fast schon garantiert. Das betrifft sowohl das berufliche als auch das private Umfeld.

Womit müssen Sie als Expatriate bei Ihrer Rückkehr aus dem Ausland rechnen?

Das Angebot, ins Ausland zu gehen, ist für viele Ingenieure attraktiv. Sie sollten jedoch nicht naiv die Koffer packen, sondern im Vorfeld einige vertragliche Fragen klären. Die Details und weitere Infos haben wir in unserem Text über Expatriates für Sie zusammengestellt. Grundsätzlich können Sie entweder den deutschen Arbeitsvertrag ruhend stellen und fürs Ausland einen neuen mit dem Tochterunternehmen abschließen. Der alte Vertrag tritt dann bei der Rückkehr aus dem Ausland automatisch wieder in Kraft. Oder der bisherige Vertrag bleibt bestehen, und Ihr Status als Expatriate wird über eine sogenannte Entsendungsvereinbarung geregelt. Darin muss für die Rückkehr aus dem Ausland ein Passus enthalten sein, der klärt, wie eine Wiedereingliederung ins Mutterunternehmen aussehen könnte.

Das ändert jedoch nichts daran, dass sich Strukturen und Aufgaben im Stammunternehmen verändern können, während Sie in einem anderen Land arbeiten. Mit folgenden Punkten müssen Sie unter Umständen rechnen:

  • Es hat eine Umstrukturierung Als Rückkehrer aus dem Ausland erfahren Sie, dass es Ihre alte Abteilung in der bisherigen Form nicht mehr gibt.
  • Ihre Abteilung ist verkleinert Eventuell ist sogar weiterer Personalabbau geplant.
  • Kollegen haben in der Zwischenzeit Ihre vorherigen Aufgaben übernommen und machen den Job gut. Es ist daher nicht geplant, Ihnen als Rückkehrer aus dem Ausland diese Funktionen erneut zu übertragen.
  • Vorgesetzte, mit denen Sie gut auskamen, haben das Unternehmen verlassen. Die neuen Chefs kennen Sie nicht und haben womöglich wenig Interesse daran, Ihre Karriere zu fördern.
  • Im schlimmsten Fall haben frühere Kollegen so erfolgreich Networking betrieben, dass sie an Ihnen vorbeigezogen sind und aktiv versuchen, Sie an den Rand zu drängen, da sie Konkurrenz befürchten.
  • Sie haben im Ausland Ihre Kompetenzen ausgebaut, sind beispielsweise in eine Führungsposition aufgestiegen. Ein vergleichbarer Posten ist in Ihrem Heimatunternehmen aber gerade nicht frei. Sie müssen als Rückkehrer aus dem Ausland also Rückschritte in Position und Aufgabenbereich hinnehmen.

Selbstverständlich kann es auch umgekehrt laufen. Sie erhalten eine angemessene Position, die Kollegen veranstalten eine Willkommensparty für Sie, und Ihr Vorgesetzter freut sich, dass Sie ihm zur Verfügung stehen – aber in dieser Situation brauchen Sie natürlich keine beruflichen Ratschläge.

Negative Rückkehr aus dem Ausland vermeiden

Umstrukturierungen und andere Veränderungen während Ihrer Abwesenheit können Sie nicht verhindern. Umso wichtiger ist es, dass Sie als Auslandsrückkehrer darauf vorbereitet sind und schon im Vorfeld versuchen, das Beste für sich herauszuschlagen. Dabei helfen Ihnen folgende Tipps:

Klauseln für die Rückkehr aus dem Ausland: Ein Passus über Ihren Einsatz nach der Rückkehr aus dem Ausland gehört, wie bereits erwähnt, unbedingt in die Entsendevereinbarung. In den meisten Fällen werden Sie feststellen, dass Ihr Arbeitgeber sich bemüht, die Inhalte möglichst schwammig zu formulieren. Das sollten Sie nicht persönlich nehmen. Unternehmen versuchen, sich auf diese Weise abzusichern. Denn auch Ihre Vorgesetzten können nicht einschätzen, was sich im Unternehmen im Laufe Ihrer Abwesenheit verändert. Das heißt jedoch nicht, dass Sie sich unwidersprochen darauf einlassen müssen.

Falls Sie Personalverantwortung haben, könnten Sie zum Beispiel durchsetzen, dass Ihnen diese für die Zeit nach der Rückkehr aus dem Ausland garantiert wird. Gegebenenfalls ist es ein guter Kompromiss, wenn Sie Ihrem Arbeitgeber eine Übergangszeit einräumen, bis Sie erneut auf eine entsprechende Position wechseln können. Am besten besprechen Sie den Entwurf der Entsendevereinbarung mit einem Fachanwalt und lassen ihn eine Formulierung als Gegenvorschlag ausarbeiten. Übrigens: In manchen Fällen kann es ratsam sein, dem Arbeitgeber gegenüber nicht zu erwähnen, dass Sie einen Anwalt eingeschaltet haben. Er könnte es als fehlendes Vertrauen interpretieren, obwohl es Ihnen nur um eine fachliche Einschätzung geht.

Netzwerken aus der Ferne: Auch wenn Sie im Ausland beruflich sehr eingespannt sein sollten, halten Sie unbedingt Kontakt zur Zentrale in der Heimat. Mailen, telefonieren und chatten Sie möglichst regelmäßig mit Kollegen, zu denen Sie einen guten Draht haben. Die Kollegen können Sie darüber informieren, wie sich die Situation im deutschen Unternehmen verändert. Ideal wäre es, wenn zudem ein fachlicher Austausch stattfände.

Fragen Sie die Kollegen um Rat und bieten Sie Ihrerseits Unterstützung an, beispielsweise beim Gegenlesen von Konzepten. Vielleicht können Sie auch telefonisch an Sitzungen der Abteilung oder an einem inoffiziellen Brainstorming teilnehmen. Das führt dazu, dass Ihre Kompetenz weiterhin geschätzt wird, was Ihnen später bei der Rückkehr aus dem Ausland sehr hilft.

Neue Vorgesetzte kennenlernen: Was nützt Ihnen Ihre Kompetenz, wenn Sie auf einen neuen Vorgesetzten treffen, der Sie und Ihr Know-how nicht einschätzen kann? Also sollten Sie sich direkt vorstellen, beispielsweise per Videokonferenz. Wie bei einem Vorstellungsgespräch können Sie Ihren bisherigen Werdegang und den aktuellen Aufgabenbereich kurz zusammenfassen. Dazu gehört natürlich auch der Hinweis, wann die Rückkehr aus dem Ausland geplant ist – und der neue Vorgesetzte Sie einsetzen kann.

Besuche in der Heimat: Nutzen Sie jede Gelegenheit für persönlichen Kontakt ins Heimatunternehmen. Selbst wenn Sie eigentlich nur privat nach Deutschland reisen, sollten Sie bei den deutschen Kollegen vorbeischauen und versuchen, neue Kollegen oder gar Vorgesetzte persönlich kennenzulernen. Machen Sie Termine für Ihren Besuch, selbst wenn es nur um zwangloses Mittagessen gehen sollte. Sie signalisieren damit, wie wichtig Ihnen Ihre Kollegen und die Arbeit in Deutschland sind.

Rückkehr aus dem Ausland ankündigen: Der größte Fehler, den Sie machen können, wäre es, einfach aus dem Ausland zurückzukehren und zu fragen, welche Stelle Sie nun übernehmen sollen. Spätestens 1 Jahr bevor Sie als Expatriate aus dem Ausland nach Deutschland zurückkehren, sollten Sie Kontakt zu Vorgesetzten und gegebenenfalls zur Personalabteilung aufnehmen. Besprechen Sie mögliche Optionen. Damit stellen Sie sicher, dass Sie bei der Personalplanung berücksichtigt werden. Lassen Sie sich zudem über interne Bewerbungsverfahren informieren.

Welche Optionen haben Expatriates nach erfolgloser Rückkehr?

Es hat alles nicht geholfen und Sie sind mit der Situation in Deutschland unzufrieden? Dann zögern Sie nicht, sich extern um eine interessante Position zu bewerben! Die Erfahrung, die Sie im Ausland gesammelt haben, kann Ihnen dabei sehr nützlich sein. Zudem ist die Argumentation für ein Anschreiben schlüssig, dass Sie nach Ihrer Rückkehr aus dem Ausland zusätzliche Kompetenzen haben, die Sie nun auch gerne anwenden würden.

Wichtig: Beginnen Sie direkt damit, nach Stellenausschreibungen zu schauen und Bewerbungsunterlagen einzureichen. Warten Sie nicht darauf, dass sich in ihrem bisherigen Unternehmen vielleicht doch noch etwas ändert. Je mehr Zeit verstreicht, desto stärker rückt Ihre aktuelle – weniger attraktive Aufgabe – bei der Bewerbung in den Vordergrund.

Was sollten Ingenieure nach einem Auslandsstudium beachten?

Nach einzelnen Auslandsemestern können Sie in der Regel nahtlos in der Heimat wieder anschließen, sich mit Freunden treffen und Ihre Credit Points aus der Ferne anrechnen lassen. Anders sieht es aus, wenn Sie ein komplettes Studium in einem anderen Land absolviert haben und nun als Rückkehrer aus dem Ausland eine Stelle suchen. Beachten Sie Folgendes:

  • Während Ihres Studiums sollten Sie möglichst viel Erfahrung über Praktika Die helfen auch Rückkehrern aus dem Ausland bei der Bewerbung. Perfekt wäre es, Praktika bei einem internationalen Konzern zu absolvieren, in dessen deutscher Niederlassung Sie sich später bewerben wollen.
  • Auch das Netzwerken sollten Sie nicht versäumen. Suchen Sie über Foren oder internationale Projekte Kontakt zu deutschen Studenten Ihres Fachbereichs. So bauen Sie sich ein Online-Netzwerk auf. Besuche in der Heimat können Sie dann mit persönlichen Treffen oder Fachkongressen kombinieren.
  • Beginnen Sie schon einige Monate bevor Sie aus dem Ausland zurückkehren mit der Bewerbungsphase. Es macht keinen guten Eindruck, wenn Sie erst mal nach Hause kommen und sich ein paar Monate lang wieder einleben wollen. Gegen eine Pause, die Sie zwischen Rückkehr und Arbeitsbeginn in Deutschland einlegen, ist jedoch nichts zu sagen. Sie lässt sich nur besser genießen, wenn die berufliche Zukunft schon in die richtige Bahn gelenkt wurde.
  • In Ihrem Anschreiben sollten Sie gut begründen, warum Sie sich für ein Auslandsstudium entschieden haben. Außerdem können Sie anführen, welche zusätzlichen Fähigkeiten Sie dabei beworben haben, etwa Sprachkenntnisse oder interkulturelle Kompetenz. Gegebenenfalls kann es sinnvoll sein, kurz zu erläutern, warum Sie Ihren Lebensmittelpunkt dennoch in Deutschland sehen. Bei Rückkehrern aus dem Ausland kann sonst die Befürchtung aufkommen, sie würden schnell wieder gehen.
  • Prüfen Sie, ob Sie die Anerkennung ihres Abschlusses in Deutschland extra beantragen müssen. Denn die Berufsbezeichnung Ingenieur ist in Deutschland geschützt und darf nicht ohne Weiteres verwendet werden.

Was sollten Rückkehrer aus dem Ausland privat bedenken?

Die Grundregel lautet: Halten Sie Kontakt! Das gilt nicht nur beruflich, sondern auch privat. Über die sozialen Netzwerke können Sie Bekannte auf dem Laufenden halten und – ganz wichtig – auch deren Erlebnisse kommentieren.

Als Rückkehrer aus dem Ausland sollten Sie außerdem nicht zu kritisch sein, wenn Sie mit Ihren Freunden wieder in derselben Stadt leben. Denn vermutlich erscheint Ihnen deren Alltag fast langweilig, weil Sie in der Zwischenzeit mehr erlebt haben. Das ist normal. Bald werden Sie das Vertraute wieder mehr schätzen. Nutzen Sie in der Zwischenzeit die Gelegenheit, Ihren Freunden Neues zu zeigen, beispielsweise über Konzerte oder Kinobesuche, die einen Bezug zu Ihrem Auslandsaufenthalt haben. Oder Sie kochen in der Fremde gelernte Rezepte nach.

Je nachdem, in welchem Land Sie waren, werden Sie in Deutschland sicherlich auch viel entdecken, was Sie ärgert oder stört. Versuchen Sie, für sich persönlich das Beste aus beiden Kulturen zu vereinigen, zum Beispiel die irische Gelassenheit bei Problemen mit der deutschen Gründlichkeit, wenn es an die Lösung geht. Die meisten Menschen tendieren dazu, das Negative stärker wahrzunehmen. Achten Sie daher bewusst darauf, was in Deutschland besser ist und was Ihnen vielleicht sogar gefehlt hat. Dann fällt es Ihnen leichter, sich als Rückkehrer aus dem Ausland wieder einzuleben.

Lesen Sie auch:

Wie Sie den beruflichen Wiedereinstieg erfolgreich meistern

Rückkehr zum ehemaligen Arbeitgeber

Sprachkenntnisse in der Bewerbung richtig formulieren

Arbeiten im Ausland

Top Stellenangebote

Technische Universität Kaiserslautern-Firmenlogo
Technische Universität Kaiserslautern Professur (W3) (m/w/d) Maschinenelemente, Getriebe und Tribologie Kaiserslautern
Technische Hochschule Ulm-Firmenlogo
Technische Hochschule Ulm Professur - Softwareentwicklung und Embedded Systems Ulm
HBC Hochschule Biberach-Firmenlogo
HBC Hochschule Biberach Stiftungsprofessur (W2) WOLFF & MÜLLER "Baulogistik" Biberach
Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hof-Firmenlogo
Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hof Professur (W2) Elektrotechnik mit Schwerpunkt Leistungselektronik Hof
Hochschule Bremerhaven-Firmenlogo
Hochschule Bremerhaven Professur (W2) für das Fachgebiet Werkstofftechnik Bremerhaven
Ostbayerische Technische Hochschule Regensburg-Firmenlogo
Ostbayerische Technische Hochschule Regensburg Professur (W2) für Digitale Produktentwicklung im Maschinenbau Regensburg
Montanuniversität Leoben-Firmenlogo
Montanuniversität Leoben Universitätsprofessors/Universitätsprofessorin für das Fachgebiet Cyber-Physical Systems Leoben (Österreich)
Technische Universität Dresden-Firmenlogo
Technische Universität Dresden Professur (W3) für Beschichtungstechnologien für die Elektronik Dresden
Fachhochschule Südwestfalen-Firmenlogo
Fachhochschule Südwestfalen Professur (W2) für Mechatronische Systementwicklung Iserlohn
HSR Hochschule für Technik Rapperswil-Firmenlogo
HSR Hochschule für Technik Rapperswil Professorin/Professor für Additive Fertigung / 3D Druck im Bereich Kunststoff Rapperswil (Schweiz)
Zur Jobbörse

Top 5 Arbeitsleb…

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.