Die Karriere planen 07.06.2013, 00:00 Uhr

Chancen für Ingenieure mit Bachelor im öffentlichen Dienst

Sicherheit und ein garantierter Gehaltsanstieg im Alter – im öffentlichen Dienst bieten sich Ingenieuren durchaus gute Möglichkeiten. Doch wie sind derzeit eigentlich die Perspektiven? Und: Wie weit können Ingenieure kommen, die nur einen Bachelor-Abschluss in der Tasche haben?

Sicherheit im Alter: Die Arbeit im öffentlichen Dienst verspricht eine geregelte Sicherheit in der Zukunft.

Sicherheit im Alter: Die Arbeit im öffentlichen Dienst verspricht eine geregelte Sicherheit in der Zukunft.

Foto: panthermedia.net/JannyJanda

Ingenieurmangel, demografischer Wandel, Wirtschafts- und Finanzkrise, Personalabbau und die Vorgaben eines ausgeglichenen Haushalts: Das sind die Rahmenbedingungen, die die Karrierechancen eines jungen Ingenieurs im öffentlichen Dienst beeinflussen. Nach einer Statistik der Bundesingenieurkammer vom September 2012 stehen aktuell knapp über eine Million Ingenieure im Erwerbsleben, davon sind rund 850.0000 angestellt, 150.000 selbständig und rund 40.000 als Beamte tätig.

Die Zahl der beamteten Ingenieure ist durch die Privatisierung von Post und Bahn in den letzten zwei Jahrzehnten um rund 60.000 Ingenieure zurückgegangen. Auch bei Bund, Ländern und Kommunen werden in den nächsten Jahren durch Stelleneinsparungen weitere Stellen wegbrechen. Beispielhaft sei hier der Freistaat Bayern genannt, der Ende 2011 rund 11.000 Ingenieure beschäftigte und bis 2031 noch einmal knapp 2.000 Ingenieurstellen streichen wird.

Aufgaben für Ingenieure im öffentlichen Dienst

Die Aufgabenfelder der Ingenieure im öffentlichen Dienst resultieren zum einen aus den gesetzlichen Aufgaben von Bund, Ländern und Kommunen und zum anderen mehr und mehr aus dem Regelungseifer der Europäischen Union, der auf die nationalen Verwaltungen durchschlägt sowie aus neuen Aufgabenfeldern, die durch politisches Handeln, wie beispielsweise die Energiewende, bestimmt sind. Betrachtet man ausschließlich die Aufgaben für die Ingenieure in den Verwaltungen, dürfte es nicht zu einem weiteren Personalabbau kommen, allerdings versuchen die öffentlichen Dienstherren, die eine oder andere Aufgabe durch Privatisierung auf freiberuflich tätige Ingenieure zu übertragen.

Bei der Frage, was kann der Staat derzeit und zukünftig auf freiberuflich tätige Ingenieure übertragen, ist zu berücksichtigen, dass es zum einen manche Aufgaben gibt, die aus übergeordneten Interessen nicht privatisiert werden dürfen, ich denke da zum Beispiel im Zusammenhang mit der aktuellen Diskussion über die Privatisierung der Trinkwasserversorgung an die nachhaltige Bewirtschaftung unseres Grundwassers und auch daran, dass der Staat die Fähigkeit die Bauherrenfunktion wahrzunehmen, nicht verlieren darf. Der Staat muss auch zukünftig gut ausgebildete Ingenieure im öffentlichen Dienst vorhalten, damit diese die staatlichen Interessen gegenüber den verschiedenen Akteuren bei Planungs- und Genehmigungsverfahren wahrnehmen können.

Das Laufbahnrecht für Ingenieure im öffentlichen Dienst

Bis vor wenigen Jahren hatte der Bund die Rahmengesetzgebung beim Beamten-, Laufbahn- und Besoldungsrecht, sodass die Länder nur einen engen Spielraum hatten, den bundesrechtlich vorgegebenen Rahmen auszufüllen. Bei den Ingenieuren im öffentlichen Dienst wurde über 50 Jahre gerungen, wie die verschiedenen Studienabschlüsse zu bewerten seien und damit auch die Frage aufgeworfen, wie die Bezahlung zu erfolgen hat. Obwohl das Berufsbild des Ingenieurs einheitlich ist und im Hochschulrahmengesetz die Gleichwertigkeit der Studienabschlüsse an Universitäten, Hochschulen und Fachhochschulen festgeschrieben ist, hatte diese Festlegung keine Auswirkungen auf das Laufbahnrecht.

Die Diplom- Ingenieure (FH) wurden dem gehobenen technischen Dienst und die Dipl.-Ing. (Universität ) dem höheren technischen Dienst zugeordnet. Durch den Bolognaprozess und die verfassungsmäßige Änderung der Zuständigkeiten für das Beamtenrecht kam Bewegung in die jahrzehntelange Diskussion. Nunmehr waren die Länder zuständig und konnten den veränderten Rahmenbedingungen im öffentlichen Dienst Rechnung tragen.

Mehr Durchlässigkeit für Ingenieure im öffentlichen Dienst

Einige Länder, der Freistaat Bayern war hier der Vorreiter und wollte die Benchmark setzen, haben eine größere Durchlässigkeit der früheren Laufbahnen auf den Weg gebracht. Inwieweit hier durch die Schaffung einer Einheitslaufbahn, allerdings mit unterschiedlichen Eingangsebenen, tatsächlich zu einer größeren Durchlässigkeit geführt hat, kann derzeit noch nicht beurteilt werden, da das neue System noch zu jung ist und teilweise erst evaluiert wird.

Das neue Laufbahnsystem ist auf die neuen Studienabschlüsse ausgelegt, sodass sich für den Dipl.-Ing. (FH) keine Änderungen ergeben. Grundsätzlich wird der Ingenieur mit einem Bachelorabschluss oder Abschluss als Dipl.-Ing. (FH) der 3. Qualifizierungsebene und der Ingenieur mit einem Masterabschluss oder der Dipl.-Ing. ( Universität ) der 4. Qualifizierungsebene im öffentlichen Dienst zugeordnet, was letzten Endes zu einem Unterschied in der Eingangsbesoldung von über 1.000 Euro pro Monat führt.

Gehaltsentwicklung für Ingenieure im öffentlichen Dienst

Die Jahresgehälter liegen für Berufseinsteiger je nach Berufserfahrung und Studienabschluss zwischen 32.000 und 40.000 Euro. Für einige wenige Ingenieure endet die berufliche Karriere eines Ingenieurs mit einem Bachelorabschluss dort, wo die Karriere eines Masters beginnt, wobei zu berücksichtigen ist, dass für einen Großteil der Ingenieure mit einem Bachelorabschluss das Eingangsamt des Masterabsolventen aufgrund der begrenzten Stellen im öffentlichen Dienst nicht zu erreichen ist.

Betrachten wir die Ebene der staatlichen Unterbehörde (Bauamt), dann liegt der gehaltsmäßige Unterschied im Endamt bei rund 2.000 Euro zwischen einem Bachelor- und einem Masterabsolventen. Eine berufliche Perspektive für einen Ingenieur im öffentlichen Dienst bietet sich nur für einen Masterabsolventen. Einige wenige Bachelors können im Rahmen der größeren Durchlässigkeit auch die 4. Qualifizierungsebene erreichen. Generell bleibt aber festzustellen, dass für Ingenieure mit einem Studienabschluss als Bachelor die Karrierechancen im öffentlichen Dienst überschaubar bleiben.

Rüdiger Lexau, Vorsitzender des Zentralverbandes der Ingenieure im öffentlichen Dienst in Bayern e.V.- ZVI Bayern

www.zvi-bayern.de

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