11.08.2006, 00:00 Uhr

Auch Spezialisten sollten Führungsthemen nicht vernachlässigen

Ingenieure sollten Führungsthemen nicht außer Acht lassen.

Ingenieure sollten Führungsthemen nicht außer Acht lassen.

Foto: panthermedia.net/AndreyPopov

Meist kommen Ingenieure hoch motiviert nach dem Studium in die Unternehmen und wollen mit ihrem aktuellen technischen Wissen in der Praxis brillieren. Sie werden in mehr oder weniger anspruchsvollen Projekten eingesetzt und „toben“ sich dort fachlich aus, was gut nachvollziehbar ist. Im laufenden Geschäft wird dann schnell vergessen, dass Karriere, beruflicher Fortschritt und Arbeitsplatzsicherung auf lange Sicht für Ingenieure nicht nur auf der technischen Spielwiese entschieden wird. So ist es beispielsweise für die Karriere ab 40 nicht unwichtig, neben der rein fachlichen Kompetenz auch Führungspotenzial nachweisen zu können. Ingenieure halten sich auf diese Weise zumindest ansatzweise die Chance offen, in späteren Jahren von der Fach- auf die Führungsschiene wechseln zu können. So gerät der Karrieremotor nicht ins Stottern, wenn das Ingenieurwissen in reiferen Jahren verblasst oder an Aktualität verliert. In Managementpositionen zählen eben andere Dinge.

Für den reinen Fachmann kann sich der Wunsch, in eine Führungsposition aufzusteigen, schon als schwieriges bis unmögliches Vorhaben erweisen. Hat ein Ingenieur etwa bis zum 40. Lebensjahr keine Personal- und Budgetverantwortung getragen, darf er sich kaum Hoffnungen auf eine Führungsposition bzw. -karriere machen. Fast immer wird bei der Besetzung von Managementpositionen vorausgesetzt, dass schon einmal Menschen geführt und Budgets gesteuert wurden. Wer diesbezüglich nichts zu bieten hat, muss in der Regel andere an sich vorbeiziehen lassen. Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel. Es gilt: Erste „echte“ Führungserfahrungen, also die disziplinarische Leitung von Mitarbeitern und Budgetverantwortung, sollten bis zum 35. Lebensjahr vorliegen. Dann ist die Ausgangsposition für die Führungskarriere am besten.

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Der Wille allein, sich in den ersten Berufsjahren um Führungsaufgaben zu bemühen, reicht allerdings nicht aus. Schließlich müssen sich dazu ja auch Gelegenheiten bieten – und zum Glück der Unternehmen möchte nicht jeder Ingenieur in jungen Jahren die spannenden und herausfordernden technischen Aufgaben für Führungsaufgaben opfern. Letztlich läuft alles auf die Frage heraus: Welche Möglichkeiten habe ich als Fachmann, mir grundlegende Führungskompetenzen anzueignen? Liegen „echte“ Führungserfahrungen nicht vor, sollte der Lebenslauf viele Argumente liefern, aus denen der Führungsanspruch des Ingenieurs abgeleitet werden kann.

Wer etwa als Projektmanager bereits kleinere Teams fachlich geführt hat, zeigt hier erste Ansatzpunkte genauso wie der Lead Engineer aus dem Großanlagenbau, der bis zu 200 Ingenieure fachlich, jedoch nicht disziplinarisch, leitete. Nicht ganz unwichtig ist in diesem Zusammenhang die Leitung von Fachgruppen, Zirkeln und Arbeitskreisen. Wenn es ein fachlich orientierter Ingenieur auch noch schafft, Stellvertreter des Vorgesetzten zu werden, umso besser. Zudem sollten durch entsprechende Seminare, Schulungen, Trainings und Aufbaustudien Führungsansprüche begründet werden. Es muss nicht gleich ein MBA-Abschluss sein. Es reichen Seminare zu den Führungsgrundlagen (Führungsstil, Motivation der Mitarbeiter etc.), Führen von Zielvereinbarungsgesprächen, Konfliktmanagement, Arbeitsrecht, Moderation von Gruppen, Management Accounting usw. Ergänzend ist es immer gut, wenn der Lebenslauf neben der Industriepraxis weitere Führungsansprüche nachweist, beispielsweise weil der betreffende Kandidat im Vorstand eines Vereins agiert, bereits an der Hochschule als Oberingenieur ein Team leitete oder im außeruniversitären Bereich während des Studiums durch Leitungsaufgaben glänzte.

Fazit: Ingenieure, die eine Fachkarriere planen, sollten immer wieder die Führungsthemen in Praxis und Theorie im Auge behalten. Selbst wenn am Anfang die fachliche Seite interessanter erscheint, kann es auf Dauer wichtig sein, im Management einsetzbar zu sein. So kann möglicherweise der Arbeitsplatz am besten für die späteren Berufsjahre gesichert und die Karriere nach oben weiter fortgesetzt werden.

Ein Beitrag von:

  • Bernd Andersch

    Bernd Andersch ist Karriere-Coach, Sachbuchautor und Spezialist für Bewerbungsstrategien.

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