Sicherheit

Zurück zum Löschwasser

schnelle Branddetektion, objektbezogene Löschtechnik und das Löschmittel selbst. Im Trend: natürliche Löschgase – und auch wieder das Wasser.

Neben vorbeugenden baulichen Maßnahmen gehört zu den wichtigsten Aspekten des Brandschutzes die Brandbekämpfung. Die Aufmerksamkeit zielt derzeit auf zwei Aspekte: die rechtzeitige Detektion und die wirksamste Löschmaßnahme. Ein universelles Löschmittel gebe es nicht, sagte unlängst Dr. Markus Müller, Marketingleiter für den Bereich Brandschutz der Siemens Building Technologies (SBT), auf einem internationalen Fachpresseforum in Singapur. Es ginge augenblicklich darum, Lösungen anzubieten, die sich flexibel auf den Anwendungsfall bzw. die lokalen Erfordernisse abstimmen ließen. Dazu gehörten ein chemisches Löschmittel, natürliche Löschgase und ein neues Wasserfeinsprüh-Verfahren. Das Gas Halon hingegen, das lange Zeit als hervorragendes Löschmittel galt, kann aufgrund seines Ozon-Schädigungspotenzials nicht mehr eingesetzt werden.
Indes: Das chemische Löschgas FM?200 hat ähnliche Eigenschaften wie Halon, wirkt sich nicht schädigend auf die Ozonschicht aus (Ozon Depletion Potential Wert = 0) und wurde deshalb unlängst für Löschzwecke zugelassen. Hinsichtlich Einsatzmenge und Drucktechnik weise FM?200 ähnliche Werte auf wie Halon und könne deshalb unter bestimmten Voraussetzungen auch im bestehenden Rohrnetz von Halon-Anlagen eingesetzt werden. Müller: „Die bei uns entwickelte Hochdrucktechnik erreicht gegenüber herkömmlichen Niederdrucksystemen eine schnellere Löschwirkung und bietet mehr Flexibilität beim Bauen von größeren, komplexen Anlagen.“
Für viele Löschanlagen lassen sich heute sogenannte Inertgase einsetzen. Solche Gase werden aus dem natürlichen Umfeld extrahiert und in konzentrierter Form für Löschzwecke verwendet, ohne gefährliche Auswirkung auf Personen oder Umwelt. SBT setze inerte Gase – so Müller – in unvermischter Form ein, je nach Anwendung also reinen Stickstoff (N2), reines Argon (Ar) oder reines Kohlendioxid (CO2). Der Vorteil gegenüber den verbreiteten teuren Mischgasen liege in einer nachweisbar besseren Löschwirkung sowie einer schnellen und kostengünstigen Wiederbeschaffung vor Ort. Stickstoff und Argon seien für den Menschen unbedenklich, der Einsatz von Kohlendioxid hingegen bleibe immer mit Schutzmaßnahmen für anwesende Personen verbunden, denn es drohe Gefahr durch Ersticken. Inerte sowie chemische Löschgase wirken durch das Verdrängen von Sauerstoff und lassen sich ideal für geschlossene wichtige Betriebseinrichtungen (Rechenzentren, Telekommunikationsanlagen, Schaltstationen) oder Räumlichkeiten mit hohen Sachwerten (Pelzlager, Archive) verwenden. Aber auch Wasser ist als Löschmittel wieder im Kommen. Gute Löschresultate erzielten hauptsächlich adaptierbare Wasserfeinsprüh-Systeme, erläutert Müller. Diese Technik werde vorwiegend für den Objektschutz (Energie-Erzeugungsanlagen, Motoren, Pumpstationen), aber auch für den Raumschutz oder gar in Tunnel eingesetzt. Dabei optimiere man je nach Anwendung die Wassermenge bzw. die Tropfengröße derart, dass sie direkt auf den Flammenherd wirkten und in kurzer Zeit eine hohe Kühlwirkung erreichten. Entscheidend sei – so Müller – die optimale Tropfengröße. „Zu klein werden sie aufgrund der Brandgase vom Feuer fern gehalten, zu groß werden sei beim Flammenkontakt durch den großen Temperaturunterschied gespalten, wobei in beiden Fällen das Kühlmedium in der Kernzone nur ungenügend wirkt.“
Diese Löschtechnik eignet sich auch bei Flüssigkeitsbränden (Benzin, Diesel), die in kurzer Zeit eine hohe Brandenergie entwickeln und deshalb schnell eingedämmt werden müssen. „Neben dem Löscheffekt im unmittelbaren Brandherd kühlen die Wassertropfen die heiße Oberfläche und verhindern damit Rückzündungen auf die brennbaren Flüssigkeitsdämpfe“, erläutert Müller. Je nach Anwendung werde der Sprühnebel zudem mit Stickstoff angereichert und funktioniere bei Raumtemperatur. So könne er auch für Schwel- oder kleinere Entstehungsbrände eingesetzt werden. Das sei ein Vorteil gegenüber herkömmlichen Wassernebel-Systeme, die mit Dampf den Sauerstoff verdrängen, dabei eine stabile Verdampfungstemperatur von 80 °C voraussetzen und beim Schutzobjekt eine Umhüllung erfordern.
Bei Tunnelbränden ließe sich ein modifiziertes Wasserfein-Sprühsystem einsetzen, erläutert Müller, weil hier – im Vergleich zum Objektschutz – andere Schutzziele gefragt seien. Ein Fahrzeugbrand in einem Tunnel könne kaum mit Wasser gelöscht werden. Es gelte deshalb, den Brandort unmittelbar zu kühlen und einen Feuersprung auf andere Fahrzeuge zu verhindern. Dabei werden mehrere Tunnelsektoren von vorzugsweise 30 m Länge mit Wasser-Spray geflutet, wobei auch hier die Tropfengröße je nach Anforderung bemessen sei. Das System funktioniere mit Niederdruck und könne je nach Größe der Anlage mit Pumpen oder Druckflaschen betrieben werden.
„Halon war und ist ein gutes Löschmittel, für das es bis heute keinen gleichwertigen Ersatz gibt“, bedauert Müller. Das Gas erziele eine hohe Löschwirkung, sei ungefährlich für Personen und könne in kleinen Mengen gelagert werden. Mit dem Beschluss von Montreal haben 1987 die wichtigsten Industrieländer beschlossen, die Produktion und Verwendung von Halon aufgrund des Ozonschädigungs-Potenzials (ODP) schrittweise einzustellen. In den EU-Ländern können folglich Halon-Löschanlagen nach 2002 nicht mehr nachgefüllt werden. Man muss sie bis Ende 2003 abbauen oder ersetzen. P. G.

Stellenangebote im Bereich Arbeitssicherheit

Handwerkskammer für Schwaben-Firmenlogo
Handwerkskammer für Schwaben Technologieberater (m/w/d) Augsburg
Evonik Technology & Infrastructure GmbH-Firmenlogo
Evonik Technology & Infrastructure GmbH Sachverständiger (m/w/d) Druckanlagen Zugelassene Überwachungsstelle Marl
SSS Nelken GmbH-Firmenlogo
SSS Nelken GmbH Ingenieur für Arbeitssicherheit (m/w/d) Essen
Knauf Gips KG-Firmenlogo
Knauf Gips KG HSE-Manager (m/w/d) Iphofen (Raum Würzburg)
AbbVie Deutschland GmbH & Co. KG-Firmenlogo
AbbVie Deutschland GmbH & Co. KG EHS Specialist als Sicherheitsfachkraft (m/w/d) Ludwigshafen am Rhein
SILTRONIC AG-Firmenlogo
SILTRONIC AG Ingenieur (m/w/d) als Leiter Facility Burghausen, Freiberg am Neckar
B. Braun Melsungen AG-Firmenlogo
B. Braun Melsungen AG Fachkraft für Arbeitssicherheit (m/w/d) Bad Arolsen
Universitätsklinikum Würzburg-Firmenlogo
Universitätsklinikum Würzburg Sicherheitsingenieur (w/m/d) Würzburg
K+S KALI GmbH-Firmenlogo
K+S KALI GmbH Diplom Ingenieur / Techniker als Sicherheitsingenieur (m/w/d) Neuhof-Ellers
Ciba Vision GmbH-Firmenlogo
Ciba Vision GmbH Fachkraft für Arbeitssicherheit / HSE Specialist (m/w/d) Großwallstadt

Alle Arbeitssicherheit Jobs

Top 5 Arbeitssicher…