Gesundheit

Zu wenig neue Arzneien gegen Infektionskrankheiten  

Seit den siebziger Jahren wird die Menschheit von immer neuen Infektionswellen erfasst: HIV, SARS, Vogelgrippe und jetzt die Schweinegrippe. Die Bedrohung durch Krankheitserreger wächst. Doch der medizinische Fortschritt stockt, weil Investitionen in die Medikamentenentwicklung fehlen. VDI nachrichten, Bonn, 8. 1. 10, ber

„Der Erreger ist nicht harmlos. Die Symptome verlaufen nur mild“, erklärt der Virologe. Das sei aber ein reiner Glücksfall und liege an einer Verwandtschaft mit dem Virus der russischen Grippe, die in den siebziger Jahren grassierte. Viele ältere Menschen besitzen deshalb einen Kreuzimmunschutz, der sie vor der Schweinegrippe bewahrt.

Eine Impfung sei gegenwärtig die einzige Möglichkeit, eine Ausbreitung der Schweinegrippe einzudämmen, meint Drosten. Aufgrund der Zurückhaltung in der Bevölkerung drohe im Januar der Zusammenbruch des Gesundheitssystems, malt der Forscher ein bedrohliches Szenario aus: „Die Intensivstationen sind komplett belegt. Wir sind an der absoluten Grenze. Es ist die reine Fallzahl der Kranken, die die Kapazitäten jetzt sprengen kann.“

Mittlerweile wissen die Forscher, dass die größte Gefahr der Schweinegrippe wie der Grippe im Allgemeinen darin liegt, dass die Betroffenen sich nachträglich mit Staphylococcus aureus oder Pneumokokken anstecken. „Ein Drittel der Toten, die keine Vorerkrankung hatten, bekam nach einer Influenza eine solche sekundäre Infektion“, erklärt Drosten.

Besonders bedenklich erscheint in diesem Zusammenhang, dass die Investitionen der Pharmafirmen in der Infektionsforschung drastisch zurückgegangen sind, wie Georg Peters vom Institut für Medizinische Mikrobiologie von der Universität Münster weiß.

„Ich will keine Krankheiten gegeneinander ausspielen“, sagt Peters. Aber weltweit stürben 1,6 Mio. Menschen jedes Jahr alleine an einer Lungenentzündung durch bestimmte Streptokokken, darunter 800 000 Kinder. 26 % aller Todesfälle gingen auf Infektionskrankheiten zurück. Das müsse man in Relation setzen zu den Geldern, die in die Forschung und Entwicklung fließen. Obwohl dies etliche Mio. € seien, sei das eindeutig zu wenig, so Peters“ unmissverständliche Botschaft.

„Die Antibiotikaentwicklung wird immer weniger“, klagt er. 2007 wurde mit dem Präparat Linezolid eines der letzten Antibiotika aus der Klasse der Oxazolidinone zugelassen.

Unterdessen mehren sich resistente Keime weltweit. Das ist eine unausweichliche Folge fehlender Neuzulassungen. Denn sobald Antibiotika eingesetzt werden, bilden sich im Laufe der Zeit dagegen widerstandsfähige Erreger. „Verhindern kann man die Resistenzen nicht. Man kann sie nur hinauszögern, durch einen vernünftigen Gebrauch der Medikamente“, so Peters. „Irgendwann braucht man neue.“

So erklärt sich die weltweite Zunahme der Infektionen mit Staphylococcus aureus alleine mit der Ausbreitung des antibiotikaresistenten Vertreters, kurz: MRSA. In den USA entstand in Gefängnissen jüngst der resistente Stamm Staphylococcus aureus USA 300. Mittlerweile überzieht der virulente Keim ganz Nordamerika und verursacht 60 % bis 80 % der durch Staphylokokken bedingten Krankenhausaufenthalte.

Im Gefolge einer Schweinegrippe lässt der Erreger mitunter Gesunde an einer Lungenentzündung sterben. In Europa ist der gefährliche Erreger bisher kaum aufgetreten. „Aufgrund ganz simpler Sachen“, betont Peters. „Hier hat in Gefängnissen jeder eigene Unterwäsche und die Handtücher werden gekocht.“

Dagegen entwich ein neuer resistenter Keim aus niedersächsischen Schweineställen. Bereits jede vierte MRSA-Infektion ist hierzulande auf diesen ST 398 zurückzuführen. Der Erreger hat inzwischen weitere Resistenzgene erworben, mit denen er sich der wenigen, noch wirksamen Antibiotika, etwa der Oxazolidinone, erwehren kann.

Als Folge dieser Entwicklung mangelt es auf den Intensivstationen zunehmend an Arzneien. Teils werden jahrzehntealte Präparate wie Fosfomycin oder Polymyxine verabreicht

Die Pharmafirmen investieren nach Einschätzung von Peters aus ökonomischen Gründen nicht mehr in die Wirkstoffentwicklung. Diese koste 800 Mio. $ pro Substanz, dauere acht Jahre und muss dann bis zu zwölf Jahre Profit einbringen. Noch in dieser Zeit treten bereits erste Resistenzen auf. Um aus dem Dilemma herauszukommen, schlägt Peters entweder eine raschere Zulassung, längere Patentlaufzeiten oder eine Arzneientwicklung, finanziert von der öffentlichen Hand, vor. S. DONNER

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