Arzneimittel

„Wir kaufen Firmen und machen sie groß“

VDI nachrichten -Hexal ist in den 90er Jahren in die Spitzengruppe der Generika- Hersteller aufgestiegen. Scharfer Wettbewerb und Kostendruck zwingen die Unternehmen zu weiterem Wachstum. Kann Hexal da mithalten? Fragen an Gerhard Schaefer, im Hexal-Vorstand zuständig für F&E sowie Unternehmensentwicklung.

VDI nachrichten: Herr Dr. Schaefer, auf dem weltweiten Generika-Markt verschärft sich die Konkurrenz. Wie ist Hexal darauf vorbereitet?
Schaefer: Wir wollen erfolgreich sein – und profitabel. Wir wollen langfristig zu den Top Fünf zählen. Marktführer sind derzeit und mit großem Abstand das israelische Unternehmen Teva Pharmaceuticals Ltd. sowie die Novartis-Tochtergesellschaft Sandoz, beides global agierende Konzerne. Kleiner, aber ebenfalls weltweit tätig sind Hexal, die amerikanische Ivax Corp., die Ratiopharm-Gruppe und Merck.

Wie ist derzeit die wirtschaftliche Situation der Generikahersteller hierzulande?
Schaefer: Der deutsche Markt ist derzeit aufgrund der Reformmaßnahmen im Gesundheitswesen schwierig. Die Politik hat uns im vergangenen Jahr bei unseren großen Produkten 16% Zwangsrabatt auferlegt, und das wirkt sich natürlich auf den Ertrag aus. Im ersten Halbjahr 2004 hat uns zusätzlich eine Rabattschlacht der Generikahersteller untereinander die Margen verhagelt. Kleinere Unternehmen ohne Auslandsgeschäft sind dadurch wirtschaftlich in Bedrängnis geraten.

Hatte die Gesundheitsreform Auswirkungen auf das Verschreibungsverhalten der Ärzte?
Nicht verschreibungspflichtige Medikamente muss der Patient jetzt bekanntlich selber bezahlen. In diesem Segment hatten wir im ersten Quartal des vergangenen Jahres einen deutlichen Rückgang des Umsatzes. Die Ärzte verordnen vergleichbare Präparate, deren Kosten die Kassen noch tragen. Das können durchaus ebenfalls Generika sein. Ich glaube aber nicht, dass die Krankenkassen auf diese Weise sparen.

Die Ratiopharm-Zwillinge sind schon seit einiger Zeit vom Bildschirm verschwunden. Muss auch Hexal die Finanzplanung anpassen?
Wir haben ein großes Budget für Forschung und Entwicklung. Trotz der unbefriedigenden Ertragslage können wir das Budget stabil halten, damit wir die Zukunft des Unternehmens nicht gefährden. Potenzial für Einsparungen sehen wir aber durchaus.

Wie wird sich der deutsche Generika-Markt in den kommenden Jahren entwickeln?
Deutschland ist im internationalen Vergleich ein „reifer“ Generika-Markt. Etwa 50% aller Medikamente sind bereits Generika. Im Markt der patentfreien Arzneimittel verordnet der Arzt in drei von vier Fällen ein Generikum. Auf Anbieterseite tummeln sich derzeit etwa 30 Hersteller. Obwohl der Markt weiter wächst, wird es aber wohl in den nächsten Jahren zu einer weiteren Konsolidierung kommen. Bis zu zehn Generikahersteller, so schätzt man, wird es dann noch geben.

Und die Wettbewerber aus dem Ausland?
Ich denke, auf dem deutschen Markt müssen wir bald mit Anbietern aus Indien rechnen. Diese Firmen werden aber zunächst Erfahrungen sammeln müssen, da sehe ich großen Nachholebedarf.

Und wie sieht es mit den Amerikanern aus?
Bis amerikanische Firmen in Europa tätig werden, vergeht wohl noch einige Zeit. Denen ist der europäische Markt zu zersplittert – zu viele kleine Teilmärkte.

Teva Pharmaceuticals, der größte Generikahersteller der Welt, ist auf dem deutschen Markt bisher auch kaum präsent. Wird sich das ändern?
Um das zu ändern, müsste das israelische Unternehmen vermutlich eine Akquisition tätigen. Denn über normales Wachstum Zugang zu diesem Markt zu bekommen, das wird sehr schwer.

Wie beurteilen Sie Bestrebungen forschender Arzneimittelhersteller, selbst Generika auf den Markt zu bringen?
Diese Tendenz nehmen wir sehr ernst, aber wir haben damit kein Problem. Einige Konzerne erzielen ihren Gesamtumsatz schon seit längerem mit Innovationen, verschreibungsfreien Medikamenten und Generika. Novartis ist damit sehr erfolgreich. Die Sanofi-Aventis-Gruppe hat eine ähnliche Strategie angekündigt. Das Unternehmen hat zum Jahreswechsel dafür die Marke „Wintrop“ wiederbelebt.
Wenn das Schule macht, dann werden sich auch andere große Player dafür interessieren, wie Pfizer, Glaxo, Astra Zeneca. Diese Konzerne aber werden nicht den Fehler machen, ein Generika-Geschäft von Grund auf neu aufzubauen. Wir gehen eher davon aus, dass Akquisitionen bevorstehen. Der Markt insgesamt wird dadurch in Bewegung kommen.

Hexal hat im vergangenen Jahr enorme Synthesekapazitäten im sächsischen Radebeul von der Degussa erworben. Was versprechen Sie sich von einer eigenen Wirkstoffproduktion?
Wir benötigen jährlich mehr als tausend Tonnen Wirkstoffe für mehr als 200 verschiedene Präparate. In Radebeul haben wir 175 Kubikmeter Kesselvolumen und eine Zytostatika-Anlage übernommen.

Was versprechen Sie sich davon?
Wenn wir selber Wirkstoffe produzieren, sind wir unabhängig und halten Synthesekapazitäten frei für andere Anbieter, die ebenfalls auf dem generischen Markt agieren – in Europa und in den USA. Alle führenden Generikaproduzenten haben ihre eigene Wirkstoffsynthese, weil Rückwärtsintegration entscheidende Vorteile bringt. Bei der Entwicklung innovativer Präparate ist es sehr hilfreich, Wirkstoffe selbst herstellen zu können. Wir behalten das Know-how im Hause.
Dabei geht es aber auch um die Frage, ob man eine Substanz nicht nur anders, sondern auch besser machen kann. Und nicht selten finden sich am Rande der Entwicklung Ideen für zusätzliche Produkte, die bislang schlicht „vergessen“ worden sind. Solche Produkte bringen weniger Umsatz als die Blockbuster. Und deshalb interessiert das die Konzerne oftmals nicht. Für uns ist das aber ein interessanter Markt.

Viele europäische Hersteller verlagern ihre Produktion nach Südostasien. Warum bauen Sie Kapazitäten in Deutschland auf?
Wir setzen auf die Erfahrung der Leute und ihre Zuverlässigkeit. Im internationalen Wettbewerb haben wir einen ganz entscheidenden Vorteil: Wir verfügen in Deutschland über extrem gut ausgebildetes Personal. Dieses Potenzial wollen wir nutzen. Allein in Radebeul werden wir 22 Mio. € investieren. Wir haben dort bereits vier Chemiker zusätzlich eingestellt. In den kommenden Jahren werden zahlreiche interessante Produkte frei, wir sehen da ein Marktpotenzial von mehr als 100 Mio. €. Und wir wollen zunehmend innovative Produkte mit generischen Wirkstoffen entwickeln.

Wie sieht es 2005 mit Akquisitionen aus? Erst jüngst haben Sie das Esparma-Werk unweit von Magdeburg erworben…
…wir können uns durchaus vorstellen, noch weitere Werke zu erwerben. Es ist unser Ziel, auf jedem Kontinent eigene Kapazitäten aufzubauen. Dazu haben wir bereits eine Reihe von Fabriken errichtet, beispielsweise in Brasilien und in Polen. Wir schauen uns Unternehmen an, die zu uns passen. Wenn uns eine Akquisition sinnvoll erscheint, dann kaufen wir.

Woher soll das Geld kommen für die Expansion? Ist ein Börsengang nicht vorgezeichnet, wenn Sie auf Dauer im Wettbewerb mithalten wollen?
Hexal ist ein privates Unternehmen, das den beiden Gründern zu 100% gehört und über hohes Eigenkapital verfügt. Ein Börsengang wurde im vergangenen Jahr intern vorbereitet, das ist richtig. Aber momentan ist er für uns nicht die bevorzugte Option…

…aber wie wollen Sie dann weitere Zukäufe finanzieren. Nur aus Eigenmitteln?
Wenn wir expandieren, dann sind das keine Akquisitionen, die Milliarden kosten. Wir kaufen Firmen, wenn sie klein sind, und machen sie dann groß – mit unserem Know-how und unseren Produkten. Das war immer unsere Philosophie. Wir denken wirklich nicht daran, einen Multimillionendeal zu machen, so dass wir auf Geld vom Markt oder von der Börse angewiesen wären.

Das Unternehmen Hexal AG

Die Hexal AG, Holzkirchen, gehört mit 7300 Beschäftigten und 1,3 Mrd € Jahresumsatz (2004) zu den weltweit führenden Pharma-Unternehmen. Hexal ist damit der viertgrößte Arzneimittelhersteller in Deutschland, und einer der umsatzstärksten Generika-Hersteller der Welt. Der Konzern ist heute, 18 Jahre nach seiner Gründung, mit seinen Tochtergesellschaften und strategischen Partnern in über 40 Ländern tätig. Etwa 250 Wirkstoffe bilden die Grundlage der Präparatepalette. Das Unternehmen stellt Medikamente für alle wichtigen Indikationsgebiete bereit. 12 % des Umsatzes investiert Hexal jährlich in F&E.

Mit der „Hexal Foundation“ engagiert sich das Arzneimittelunternehmen auch dort, wo Medizin an ihre Grenzen stößt. Ziel der gemeinnützigen Gesellschaft ist es, die Lebenssituation kranker, behinderter und benachteiligter Menschen zu verbessern. Schwerpunkte sind die Förderung von Menschen mit Down-Syndrom, die Verbesserung der Arzneimittelsicherheit für Kinder („Hexal-Initiative Kinderarzneimittel“) und das Engagement für eine humane Medizin in der Onkologie („OncoCare Hexal“). Hexal erreichte im vergangenen Jahr den vierten Platz beim Wettbewerb „Deutschlands beste Arbeitgeber“.

 

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