Umwelt und Gesundheit

WHO stuft Dieselabgase als krebserregend ein

Die Einstufung von Dieselmotorabgasen als „krebserregend“ durch die WHO wirft die Frage auf, welche Konsequenzen sich daraus etwa für Arbeitsplatz und Straßenverkehr ergeben.

„Die Neubewertung durch die WHO ist für uns eine Bestätigung, dass mit Euro-Abgasnorm und Einrichtung von Umweltzonen die richtigen Maßnahmen zum Schutz vor Dieselmotorabgasen ergriffen worden sind“, unterstreicht Wolfgang Straff, Leiter des Fachgebiets Umweltmedizin im Umweltbundesamt (UBA).

DKFZ bewertet das Krebs-Risiko von Dieselabgasen als gering

Inwieweit die Bevölkerung durch Dieselabgase überhaupt gefährdet ist, lässt sich derzeit nicht beziffern. Für Heinz Schmeiser vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg aber besteht ein wenn auch geringes Risiko. „Wir wissen aus Tierversuchen, dass alles im Dieselabgas – Partikel wie auch viele organische Verbrennungsrückstände – krebserzeugend ist“, erklärt der Heidelberger Toxikologe. Schon geringste Mengen davon seien schädlich. Dennoch bestehe für die Bevölkerung der westlichen Welt aufgrund moderner Partikelfilter an Pkw ein wesentlich geringeres Risiko als etwa für Menschen in Schwellenländern.

Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) fordert indes die Ausweitung von Umweltzonen und die Förderung fürs Nachrüsten der Pkw mit Partikelfiltern. „Die WHO-Studie sollte jetzt Städte, die zögern, dazu bewegen auf Grün zu schalten und wirkungsvolle Umweltzonen einzurichten“, fordert Gerd Lottsiepen, verkehrspolitischer Sprecher des VCD. Zudem sollten Dieselfahrzeuge ohne Partikelfilter dringend nachgerüstet werden. Dafür müsse die Förderung weiterlaufen, so Lottsiepen. Laut Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle sei noch Geld für 18 000 Fahrzeuge da, doch bald schon seien die Mittel aufgebraucht.

Dass die Studie nicht die großen Fortschritte widerspiegele, die durch neue Dieseltechnologien erzielt wurden, bedauert der Verband der Automobilindustrie (VDA). Im speziellen Fall habe man die WHO gebeten, so ein Verbandssprecher, laufende Studien aus der Industrie abzuwarten, die die Belastung durch Dieselabgase unter realistischeren Bedingungen abbildeten. Dies sei allerdings nicht geschehen.

Fortschrittlich: Heutige Dieselmotoren verursachen bis zu 98 % weniger Dieselabgase

In Westeuropa liegt der Marktanteil von Pkw mit Dieselmotor derzeit bei 50 %. Und auch in Deutschland fährt jeder zweite Neuwagen mit Diesel. „Ein modernes Euro-6-Fahrzeug verursacht im Vergleich zu einem Euro-Null-Pkw aus den 90er-Jahren bis zu 98 % weniger Emissionen“, so der Sprecher. Diese enormen Fortschritte seien vor allem auf Hochdruckeinspritzung, Katalysator und Partikelfilter zurückzuführen.

Was aber bedeutet die neue WHO-Bewertung für Menschen, die Dieselabgase bei der Arbeit einatmen? Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) in Dortmund geht seit den 90er-Jahren davon aus, dass Dieselmotoremissionen krebserzeugend sind. Maßnahmen zum Arbeitsschutz hat sie in der Technischen Regel für Gefahrstoffe „Abgase von Dieselmotoren“ aufgelistet.

Dieselabgase durch Partikelfiltersysteme gesundheitlich nicht mehr relevant

Zum Risiko von Dieselmotoremissionen auf der Straße aber sagt BAuA-Toxikologe Thomas Gebel: „Bei modernen Dieselmotoren mit geregelten Partikelfiltersystemen sind die Emissionen an partikulärem elementaren Kohlenstoff so niedrig, dass sie Ottomotoremissionen vergleichbar sind.“ Ein Krebsrisiko sei in diesem Fall nicht mehr gesundheitlich relevant.

Von Bettina Reckter

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