Schweinegrippe

Weltgesundheitsbehörde erhöht Warnstufe  

Die WHO signalisiert mit einer Anhebung der Warnstufe nun das deutlich gestiegene Risiko einer kontinentübergreifenden Ausbreitung der Schweinegrippe. VDI nachrichten, Genf, 30. 4. 09, ber

Dies bedeutet aber nicht, dass jetzt eine Pandemie unvermeidlich sei, betonte die Weltgesundheitsbehörde (WHO) am Montag in Genf. Der stellvertretende WHO-Generaldirektor Keiji Fukuda sagte aber, eine Eindämmung sei derzeit kaum möglich, da sich das Virus bereits auf mehrere Länder ausgebreitet habe.

Mit Stufe vier warnt die Organisation vor einer um sich greifenden Übertragung unter Menschen, die den Boden für einen Ausbruch innerhalb größerer Gemeinschaften bereite. Bisher galt Warnstufe drei, mit der sporadische, voneinander unabhängige Fälle an verschiedenen Orten festgestellt werden. Die höchste Stufe sechs bedeutet den weltweiten Ausbruch einer Krankheit.

Die WHO rufe die Staaten mit allem Nachdruck zu weiteren Vorsorgemaßnahmen auf, so ein WHO-Vertreter. Sie empfehle aber weder die Schließung von Grenzen noch Einschränkungen für den Reiseverkehr. Nach Meinung der Experten sei es noch immer möglich, eine Pandemie zu verhindern.

Das Auswärtige Amt rät mittlerweile von nicht unbedingt erforderlichen Reisen nach Mexiko dringend ab. In den USA verlief die Erkrankung eher mild und entspreche beinahe einer „normale“ Grippeerkrankung. Alle Patienten seien wieder genesen oder dabei, sich zu erholen, betonte das Weiße Haus. Einreisebeschränkungen seien für die USA oder Kanada deshalb nicht zu erwarten.

Indes prüft das Land Hessen bereits strengere Kontrollen am Frankfurter Flughafen. „Wir sind noch im Abstimmungsprozess, ob weitere Maßnahmen ergriffen werden“, sagte eine Sprecherin des Sozialministeriums am Dienstag.

Mittlerweile hat die Schweinegrippe Europa erreicht. Spanien bestätigte am Montag den ersten Infektionsfall, zudem wurden zwei Fälle aus Schottland gemeldet. In Deutschland hatte es am Montag für die ersten Verdachtsfälle aus Nordrhein-Westfalen vorläufige Entwarnung gegeben. Neue Verdachtsfälle wurden am Dienstag bekannt.

Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt schließt eine weltweite Ausbreitung der Schweinegrippe nicht mehr aus. „Dieses Risiko kann heute niemand genau kalkulieren. Es kann eine weltweite Grippewelle geben“, sagte die SPD-Ministerin.

Ein ausgearbeiteter Pandemieplan, der auch funktioniert, liege vor, sagte Schmidt. Sie räumte aber ein, dass es noch keinen direkt gegen das neue Virus helfenden Impfstoff gebe. Dieser müsste erst entwickelt werden, „Den Ländern ist zunächst empfohlen worden, sogenannte antiviral wirkende Arzneimittel vorzuhalten. Diese können nach Erkenntnissen aus den USA helfen“, so Schmidt.

Der Pharmakonzern Roche könnte nach eigenen Angaben binnen 24 h 3 Mio. Packungen des Grippemedikaments Tamiflu in Krisenregionen liefern und prüft derzeit eine Ausweitung der Produktion. Es handele sich dabei um einen Teil der Schenkung von insgesamt 5 Mio. Packungen an die WHO aus dem Jahr 2006, sagte Roche-Sprecherin Martina Rupp. Die Packungen lagerten je zur Hälfte in der Schweiz und in den USA.

Inzwischen haben Impfstoffhersteller mit ersten Schritten zur Produktion eines Impfstoffs gegen die neue Schweinegrippe begonnen. Die US-Behörde für Seuchenkontrolle (CDC) hatte den Stamm des Schweinegrippe-Virus H1N1 isoliert und so den Weg freigemacht für einen Impfstoff. Der Schweizer Konzern Novartis hat nun den genetischen Code des Virus erhalten.

Allerdings wird es nach Ansicht der WHO fünf bis sechs Monate dauern, bevor ein handelsüblicher Impfstoff bereitsteht. Denn Grippeviren gehören mit zu den wandlungsfähigsten Erregern überhaupt. Das erschwert die Entwicklung wirksamer Impfstoffe.

Der aktuelle Erreger in Mexiko ist nach Angaben der WHO eine neu entstandene Variante des Typs H1N1, dessen Erbmaterial sich mosaikartig aus dem Erbgut von Mensch, Geflügel und Schwein zusammensetzt. Er hat gelernt, sich von Mensch zu Mensch auszubreiten. Die Symptome der Fälle, die durch den neuen Subtyp verursacht werden, ähneln denen einer saisonalen Influenza.

Dieser Subtyp war auch Auslöser der Spanischen Grippe, die in den Jahren 1918 bis 1920 mindestens 25 Mio. Menschen das Leben kostete. Seit sechs Jahren verbreitet sich zudem die Vogelgrippe (Erreger H5N1) vor allem in Südostasien die WHO registrierte 257 Todesfälle seit 2003. AP/rtr/dpa/ber

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