Sicherheit

Was kostet uns der kalte Krieg?

Amerikas kalter Krieg gegen Bagdad dämpft die Hoffnung auf konjunkturellen Frühling. Was Unternehmern, Anlegern und Politikern das Leben schwer macht – ein Überblick.

Energiepreise: Am Sichtbarsten drückt sich die Kriegsgefahr an den Zapfsäulen aus. Die Kraftstoffpreise sind auf die Rekordhöhen von 1,14 @ pro Liter Normalbenzin, 1,16 @ für Super und 0,96 @ für Diesel gestiegen – innerhalb einer Woche allein je um 5,5 Cent. Ursächlich dafür ist der Ölpreis, der so hoch ist wie seit zweieinhalb Jahren nicht mehr – rund 36 $ kostet der Barrel (159 Liter) an den US-Ölmärkten, das traditionell billigere Nordseeöl der Sorte Brent bis zu 33 $.
Nicht allein die Furcht vor einer Ölverknappung im Kriegsfall sorgt für den Preisanstieg: Die Streiks in Venezuela bewirkten einen Totalausfall dieses vor allem für Amerika wichtigen Öllieferanten. Ein dauerhafter Anstieg des Ölpreises um 10 $ je Barrel bedeutet für Deutschland eine Wachstumseinbuße von rund 0,3 Prozentpunkten, schätzt Prof. Volker Nienhaus, Wirtschaftswissenschaftler an der Uni Bochum.
Euro-Kurs: Die Kraftstoffpreise wären noch stärker gestiegen, hätte der Euro-Kurs nicht gegenüber dem US-Dollar – der Ölwährung – deutlich an Wert zugelegt. Der lange schwächelnde Euro hat seit Ende November rund 9 % an Wert gegenüber dem Dollar gewonnen, er ist von 0,99 $ auf 1,08 $ gestiegen.
Nach Aussagen von Devisenexperten liegt das auch an der Irak-Krise: „Der Markt hat das Risiko eines Irak-Kriegs noch nicht voll eingepreist. Es gibt noch jede Menge Sorgen“, so Devisenanalyst Jim McCormick von der Investmentbank Lehman Brothers.
Exporte: Die Kehrseite des starken Euro sind Gefahren für den Export. Erzielte die deutsche Wirtschaft 2002 noch einen Rekordüberschuss von 126,1 Mrd. @, so sind die Aussichten für 2003 ungewiss. Fakt ist jedenfalls, dass der „gestiegene Euro-Wechselkurs das Exportieren nicht leichter macht“, so Anton Börner, Präsident des Bundesverbands des Deutschen Groß- und Außenhandels (BGA).
Allerdings steht nicht nur der Kurs einem stärkeren Export entgegen – im US-Geschäft wird befürchtet, dass der diplomatische Zwist zwischen deutscher und US-Regierung auf das Kaufverhalten der Amerikaner durchschlägt. Börner befürchtet einen Rückgang der Exporte in die USA um 10 %.
Bei den Exporten in die arabische Region gibt es aber keine Auswirkungen, „der Handel floriert mit zweistelligen Zuwachsraten“, sagt Jochen Münker, Referatsleiter Mittlerer Osten beim DIHK.
Sorgen ergeben sich vor allem durch die Lähmung der Weltkonjunktur. „Das größte Problem ist die schlechte Stimmung in der Wirtschaft, die weltweit simultan zu beobachten ist“, sagt Roland Döhrn vom Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung in Essen. „Überall verhalten sich die Verbraucher sehr vorsichtig, überall werden Investitionen zurück gestellt.“
Zusätzliche Gefahr droht von der US-Finanzpolitik: Die amerikanische Regierung will die Steuern radikal senken und gleichzeitig das Militärbudget kräftig ausweiten. Um die Schere zwischen Einnahmen und Ausgaben zu schließen, sollen neue Schulden gemacht werden. Mögliche Folge: Höhere Zinsen, die die wirtschaftliche Erholung verlangsamen würden.
Stabilitätspakt: Das für den als „Sparminister“ titulierten Hans Eichel peinliche Verfehlen des Defizitkriteriums im Jahr 2002 – 3,7 % statt 3 % des Bruttoinlandsprodukts – droht sich 2003 zu wiederholen. Das Kriegsrisiko lähmt die Unternehmen, die Wirtschaft stagniert, Steuerquellen sprudeln schwächer. Werden zur Defizitfinanzierung nochmals die Schulden über das erlaubte Maß hinaus erhöht, sind wegen Verletzung des Europäischen Stabilitätspakts empfindliche Strafen aus Brüssel zu erwarten. Das Verfahren läuft bereits.
Ausnahmen sind nur bei „außergewöhnlichen Ereignissen“ gestattet. Wirtschaftsminister Clement hält einen Irak-Krieg für so ein Ereignis, das der Neuverschuldung und Außerkraftsetzung des Paktes Tür und Tor öffnen würde: „Im schlimmsten aller Fälle werden wir im europäischen Rahmen das Notwendige tun müssen, um die nationale Konjunktur vor Kriegsfolgen so gut wie möglich zu schützen“.
Da auch Frankreich ein Schuldenproblem hat, ziehen beide Regierungen hier an einem Strang, sich gegen den Willen sparsamer EU-Länder über den Pakt hinwegzusetzen.
Versicherungen: Die Transportkosten haben sich für den Güterverkehr rund um die arabische Halbinsel bereits erhöht – dazu gehört der gesamte Verkehr, der den Suezkanal passiert. Denn ab dem 27. Breitengrad verlangen Versicherungen einen „War Risk“-Zuschlag. Was dies bedeutet, rechnet DIHK-Mann Münker vor: „Der Versicherungszuschlag in Höhe von 1 % des Schiffswertes kostet bei drei Wochen im Persischen Golf rund 100 000 $ zusätzlich“.
Börsen: Dass sich die Aktienmärkte seit drei Jahren im Sinkflug befinden, liegt gewiss nicht am Irak-Konflikt. Dennoch dämpft auch der drohende Krieg die Stimmung auf dem Parkett. In welchem Maße ist seriös nicht zu beziffern. Klar ist, in den vergangenen drei Monaten sind die Kurse abermals gesunken: Der Dax sackte von rund 3300 auf 2700 Punkte, der Dow Jones von 8600 auf 7900 – Milliardenwerte wurden auf diese Weise vernichtet.
Eine Untersuchung von Mercer Investment Consulting hat ergeben, dass sich die Manager von globalen Fonds bei ihren Anlageentscheidungen immer weniger an wirtschaftlichen Daten, Zinsen, Ölpreis und Inflation orientieren – nur 10 % der befragten Geldverwalter nannten diese Einflussfaktoren – doppelt so viele dagegen die Terrorismusgefahr. Dabei unterschieden sie aber zwischen Terrorismus und Irak-Krise: Nur 5 % sahen letztere als relevant an. THILO GROSSER

Von Thilo Grosser

Stellenangebote im Bereich Arbeitssicherheit

TOTAL Raffinerie Mitteldeutschland GmbH-Firmenlogo
TOTAL Raffinerie Mitteldeutschland GmbH Sicherheitsingenieur (m/w/d) Leuna
Aviatics Cost & Safety Management GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Aviatics Cost & Safety Management GmbH & Co. KG Fachkraft für Arbeitssicherheit / Health- & Safety Manager (m/w/d) Düsseldorf
DEKRA Automobil GmbH-Firmenlogo
DEKRA Automobil GmbH Fachkraft (m/w/d) für Arbeitssicherheit Stuttgart
über Engfer Consulting GbR-Firmenlogo
über Engfer Consulting GbR Bereichsleiter Sicherheitstechnik (m/w/d) Brühl
Dörken Service GmbH-Firmenlogo
Dörken Service GmbH Sicherheitsingenieur (m/w/d) Herdecke
Peek&Cloppenburg KG-Firmenlogo
Peek&Cloppenburg KG Betriebsingenieur Anlagentechnik (m/w/d) Hamburg
B. Braun Melsungen AG-Firmenlogo
B. Braun Melsungen AG Fachkraft für Arbeitssicherheit (m/w/d) Melsungen
Verwaltungs-Berufsgenossenschaft-Firmenlogo
Verwaltungs-Berufsgenossenschaft Ingenieurinnen/Ingenieure (m/w/d) / Naturwissenschaftlerinnen/Naturwissenschaftler (m/w/d) Erfurt
Verwaltungs-Berufsgenossenschaft-Firmenlogo
Verwaltungs-Berufsgenossenschaft Ingenieurinnen/Ingenieure (m/w/d) / Naturwissenschaftlerinnen/Naturwissenschaftler (m/w/d) Würzburg
Verwaltungs-Berufsgenossenschaft-Firmenlogo
Verwaltungs-Berufsgenossenschaft Ingenieurin/Ingenieur (m/w/d) / Naturwissenschaftlerin/Naturwissenschaftler (m/w/d) Dresden

Alle Arbeitssicherheit Jobs

Top 5 Arbeitssic…

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.