Sicherheit

Was die echten James Bonds so alles in der Jackentasche tragen  

VDI nachrichten, Essen, 14. 10. 05 – Wenn es um Macht und Geld geht, dann wird spioniert, was die Technik hergibt. Einen Blick auf die aktuelle und historische Spionagetechnik bietet die Sonderausstellung „Mata Hari, James Bond & Co.“ im Paderborner Heinz Nixdorf MuseumsForum.

Pierce Brosnan fuhr als James Bond während der atemberaubenden Verfolgungsjagd in „Tomorrow never dies“ tatsächlich einen Automatikwagen – für manchen Fan vermutlich eine herbe Enttäuschung. Aber das ausgestellte Originalfahrzeug aus dem 007-Film bietet eine spektakuläre Sonderausstattung, z. B. rasiermesserscharfe Reifenspikes unter der hinteren Stoßstange und verborgene Raketenwerfer unter dem Dach. Die eigentliche Überraschung zeigt sich den Besuchern, wenn sie weiterwandern zu all den Ausrüstungsgegenständen aus Beständen von Stasi, KGB und CIA, die während des kalten Krieges – und vermutlich zum Teil noch heute – tatsächlich zum Einsatz kamen. Wer bisher dachte, diese Spionagethriller in Film und Fernsehen seien vielleicht gute Unterhaltung, aber wohl kaum nahe an der Realität, wird eines Besseren belehrt. Da wäre beispielsweise der bei der Stasi in den 60er Jahren gebräuchliche Maskierungskoffer, mit Schminkutensilien, Perücken, Brillen, falschen Absätzen zur Veränderung des Ganges, komplettem Zahnersatz oder Make-up für künstliches Altern. Wer denkt beim Anblick dieser vermeintlichen Gimmicks nicht unweigerlich an Peter Sellers in seiner Rolle als Inspector Clouseau.

Eine Maschinenpistole von Heckler & Koch, die im Aktenkoffer transportiert und an dessen Tragegriff ausgelöst wird, oder die „Makarov“-Pistole mit Schalldämpfer sowie eine „Kalaschnikow“-Maschinenpistole mit aufsetzbarer Gewehrgranate im Geigenkasten sind wohl hinlänglich bekannte Klassiker des Agentengewerbes. Richtig mulmig kann es einem jedoch beim Betrachten der Hilfsmittel für das Ausspähen und Belauschen von Zielpersonen werden. Wer schon mal das Gefühl hatte, irgend etwas stimmt hier nicht, und solche Gedanken gleich wieder beiseite schob, kann im Nixdorf-Forum erneut ins Grübeln geraten. So setzte die Stasi bereits um 1970 Endoskop-Kameras mit Nadelöhrobjektiv ein, mit denen durch kleinste Öffnungen, beispielsweise Türschlösser, fotografiert werden konnte. Bundeswehr und BND hatten zehn Jahre später Körperschallmikrophone im Einsatz, mit denen Gespräche im Inneren eines Raumes von außerhalb mitgehört und aufgezeichnet werden konnten. Heute sind dermaßen sensible Wandmikrophone gebräuchlich, dass selbst dickste Mauern das Mithören von Gesprächen nicht verhindern können.

Diese Geräte sind zwar in der EU nicht frei verkäuflich, doch echte Gangster und Psychopathen werden keinerlei Schwierigkeiten haben, sie dennoch in die Hände zu bekommen. Doch was treibt eigentlich Menschen dazu, von nahe liegenden materiellen Interessen abgesehen, andere auszuspionieren, unbemerkt in ihre Privat- und Intimsphäre einzudringen? „Da sind wohl menschliche Urtriebe angesprochen. Sich selbst verbergen, den Gegner aber ständig beobachten können, gibt ein Gefühl von Macht. Man fühlt sich überlegen, wenn man diese Techniken handhabt“, erklärt sich Kurator Stefan Stein die Motive der Spione.

„Aufspüren und Einbrechen“, „Beobachten und Belauschen“, Kommunizieren und Verstecken“, Tarnen und Täuschen“ sowie „Zerstören und Töten“ lauten die Überschriften zu den einzelnen Bereichen der Ausstellung, die ergänzt werden durch Abteilungen zu James Bond, Mata Hari und über das Schicksal realer Spione. Wirklichkeit und Fiktion sind geschickt miteinander verwoben, lassen kein Klischee aus über die Welt im Geheimen und Verborgenen. „Diese Ausstellung arbeitet auch mit Mythen, Metaphern und mit der Geschichte. Mata Hari war als Spionin praktisch bedeutungslos, erfüllt aber diesen Mythos der Femme fatale, der genial mit den Waffen einer Frau arbeitenden Spionin“, berichtet Stefan Klein.

Tatsächlich nutzten weibliche Spione, wie ihre männlichen Kollegen, technisches Spezialwerkzeug. Darunter die in der Schweiz gebaute „Tessina“, die kleinste zweiäugige Spiegelreflexkamera der Welt – für die Mitarbeiter der Stasi in Suhl die Tarnung in einem BH vorschlugen. Eine Kleinstkamera mit fester Brennweite wurde dagegen in einen handelsüblichen Lippenstift eingebaut. Das nur 1 mm große Objektiv kann immerhin eine DIN A4-Seite lesbar ablichten.

Von Seriengeräten, wie der wegen ihrer Zuverlässigkeit von den Geheimdiensten äußerst geschätzten Kleinstkamera „Minox B“, bis zu skurrilen Unikaten und Hightech reicht die Palette der Spionagetechnik.

Sehr anspruchsvoll ist das Equipment für die Wirtschaftsspionage, das separat im zweiten Stock des Computermuseums zu sehen ist. Ein Schreibtisch mit den üblichen dazugehörenden Utensilien, die völlig unauffällig aussehen und dennoch alle „verwanzt“ sind, lässt ahnen, auch in diesem Metier lautet das Motto: entdecke die Möglichkeiten. Die Welt der Hacker und Spam-Provider ist ebenfalls sehr gelungen in Szene gesetzt. Um was es geht, zeigt das 6-Zeilen-Skript eines Hackers, das 10 Mio. Dollar Schaden verursachte.

Den Schluss bildet ein Blick auf Beispiele für die weltweit zunehmende Produktpiraterie, die ja auch ein Ergebnis von Wirtschaftsspionage ist. Unter den Exponaten ragt hier ein echtes Highlight heraus: ein Sportschuh, der an der Ferse das Diesel-Logo aufweist und an den Seiten die berühmten drei Streifen eingenäht hat. Zöllner gaben dem Werk den Namen: Dieseldidas-Schuh. MANFRED BURAZEROVIC

Die Ausstellung ist bis zum 27. November 2005 im Heinz Nixdorf MuseumsForum zu sehen. Der Eintritt ist frei.

www.hnf.de

Von Manfred Burazerovic
Von Manfred Burazerovic

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