Gesundheit

Wann kommt der Bluttest?

Weltweit wird fieberhaft nach empfindlicheren Testmethoden für BSE und Creutzfeldt-Jakob gesucht. Doch Verfahren zur Diagnose am lebenden Organismus oder gar zur Früherkennung sind noch in weiter Ferne.

Pathogenes Prion ist nicht nur im Gehirn und Rückenmark, sondern auch in Rachenmandeln und Blinddarm vorhanden. Und wahrscheinlich auch im Blut, denn nur über die Blutbahn kann ein beispielsweise mit der Nahrung aufgenommener Erreger in die Nervenbahnen und vor dort ins Gehirn gelangen. Wissenschaftler suchen daher nach Methoden, mit denen sich die Erreger im lebenden Organismus und in geringen Konzentrationen nachweisen lassen.
Prionexperten um Mary Jo Schmerr vom National Animal Disease Center in Dayton (Iowa) sind diesem Ziel einen Schritt näher gekommen. Sie entwickelten ein Verfahren, mit dem sie infektiöses Prion im Blut von TSE-infizierten Schafen und Elchen nachwiesen. Der Trick: Das infektiöse und hydrophobe PrP(sc) wird mit organischen Lösemitteln so aufkonzentriert, dass es mit Antikörpern detektiert werden kann. So gelang es, PrP(sc) im Blut von erst vier Wochen alten Lämmern nachzuweisen. Ob der Test auch Erreger von BSE oder der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (CJK) findet, ist unklar.
Forscher am Max-Planck-Institut (MPI) für Biophysikalische Chemie, Göttingen, konzentrieren sich auf den Nachweis von krankhaften Prionen in der Rückenmarksflüssigkeit von CJK-Patienten. Sie nutzen die Eigenart von PrP(sc), Klümpchen in Nanometergröße zu bilden. Werden diese Partikel mit zwei unterschiedlichen fluoreszierenden Antikörpern markiert, kann sie ein stark fokussierter, durch die Probe geführter Laserstrahl aufspüren. Da nur die PrP(sc)-Partikel groß genug sind, um gleichzeitig beide Farbstoffe zu tragen, lassen sie sich spektroskopisch von gesunden Prionen unterscheiden.
Allerdings fanden die Göttinger Forscher nur bei einem Viertel der Patienten die Erreger und auch nur die von normalem CJD, nicht die der immer häufiger auftretenden neuen Variante (nv-CJD). „Auch wissen wir nicht, ob sich aus der Methode ein Bluttest entwickeln lässt“, so der MPI-Experte Dr. Jan Bieschke. Denn Blut enthält Prionen in weitaus geringeren Konzentration als Rückenmark, außerdem ist im Blutplasma eine Vielzahl möglicher Störstoffe enthalten.
Am Universitätshospital Zürich untersuchen Forscher, an welche Art von Eiweißen Prionen bevorzugt binden. Für ihre Experimente ummantelten sie kleine Magnetkügelchen mit rund 60 verschiedenen Serumproteinen und versetzten diese mit gelöstem TSE-infizierten Hirnproben von Mäusen und CJK-Patienten. Überraschenderweise stellte sich heraus, dass Plasminogen – ein Protein, das im Körper bei der Auflösung von Blutgerinseln eine Rolle spielt – PrP(sc) bindet, nicht aber gesundes Prion. Alle anderen Proteine konnten zwischen infektiösem und normalem Prion nicht unterscheiden. Diese Methode wäre prinzipiell geeignet, um infizierte Körperflüssigkeiten vom Erreger zu trennen. „Aber wir sind weit entfernt von einem Test“, betont Mitarbeiterin Dr. Christiane Roeckl. Ob die Bindung auch in realen Blutproben funktioniert und ob die Wechselwirkung zwischen krankem Prion und Plasminogen auch im Körper stattfindet, ist noch unklar.
Ein erstes Patent auf einen BSE-Bluttest hat eine Tochter des Pharmaunternehmens Boehringer Ingelheim beantragt. Der Test sucht nach normalem, an Leukozyten gebundenem Prion, „das bei gesunden Tieren im Blut nicht vorkommt“, erläutert Firmensprecher Ulrich Bock. Allerdings sei der Test erst noch in der Evaluierungsphase. Mit einem Prototyp rechnet Bock frühestens im Herbst. cf

BSE und die EU

Schnell, schnell, die Tests

Seit Beginn des Jahres müssen in der EU alle krank- oder notgeschlachteten Rinder auf BSE untersucht werden. Bei Tieren älter als 30 Monate sind die Mitgliedsstaaten verpflichtet, stichprobenweise auch die Schlachttiere zu testen – mit zwei Ausnahmen: In Großbritannien müssen alle geschlachteten Rinder älter als 30 Monate vernichtet werden, Finnland, Österreich und Schweden dürfen weiterhin Rindfleisch auch ohne BSE-Test auf ihren nationalen Markt bringen.
In Deutschland werden seit 6. Dezember 2000 alle Schlachtrinder älter als 30 Monate getestet, was pro Jahr – die Schlachtzahlen von 1999 zu Grunde gelegt – rund 1,8 Mio. Tiere beträfe. Noch nicht alle Länder verfügen allerdings über die notwendigen Laborkapazitäten.
Für die wachsende Zahl von Schnelltests erarbeitet die EU Referenzstandards. Sie will im Frühjahr einen Ringversuch durchführen, um die Tauglichkeit der BSE-Labors zu evaluieren. Das scheint dringend geboten: Beide Hersteller der in Deutschland eingesetzen Tests, Prionics AG, Zürich, und Bio-Rad, München, haben darauf hingewiesen, dass die Tests nicht immer strikt nach Vorschrift durchgeführt werden. So gab es bei 67 Rindern aus einem Schlachthof in Göppingen falsche, positive Ergebnisse, die laut Bio-Rad „möglicherweise auf Abweichungen von der Arbeitsanleitung zurückzuführen sind“. cf

Infos im Internet

BSE online

Es ist der Wahnsinn: Wer im Internet nach Informationen über BSE oder die Creutzfeldt-Jakob-Erkrankung sucht, kommt leicht darin um. Ministerien, Länderbehörden, Forschungseinrichtungen, Verbraucherschützer, aber auch Privatpersonen und Medien aus dem In- und Ausland bieten mittlerweile eigene Web-Seiten mit einer fast unüberschaubaren Anzahl von mehr oder weniger leicht verständlichen Beiträgen und zusätzlichen Links zum Thema. Wer sich auf BSE online einläßt, sollte also unbedingt vorher wissen, wonach er sucht.

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