Sicherheit

Vorbeugen ist besser als bezahlen  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 2. 10. 08, jul – Irak, Somalia, Pakistan und jetzt auch Ägypten. Für die Mitarbeiter westlicher Unternehmen wächst das Risiko, auf einer Geschäftsreise im Ausland entführt zu werden. Wie beugt man der Gefahr vor? Wie können sich Reisende in Krisengebieten schützen? Und was kann, sollte, muss die Zentrale im Falle eines Falles tun?

Manche lieben sie, manche hassen sie, doch Geschäft ist nun mal Geschäft: Auslandsreisen sind in Zeiten der Globalisierung weder durch E-Mails noch durch Telefonate zu ersetzen. Schließlich verdanken Unternehmen die besten Kontakte ihren Mitarbeitern, die sich mit Geschäftspartnern, Kunden und Lieferanten persönlich vor Ort treffen.

Das aber verlangt von den professionellen Globetrottern Mut zum Risiko. Denn je nachdem, wohin die Reise führt, können sie nicht mehr darauf vertrauen, ohne Schaden in ihr Heimatland zurückzukehren. Vor allem in den Krisenregionen der Welt ist die Entführung von Mitarbeitern ausländischer Unternehmen ein sprunghaft wachsendes „dirty business“.

Das erhöht die Annahmebedingungen und den Preis von Kidnapp & Ransom (K&R)-Versicherungen. „Entführungen von Geschäftsleuten sind weltweit ein zunehmendes Thema“, bestätigt Christopher Schramm, Sicherheitsberater bei Corporate Trust in Frankfurt am Main. In den letzten Monaten gab es zahlreiche Fälle von Piraterie in Somalia. Aber auch in Mittel- und Südamerika sind Geschäftsreisende nicht unbedingt sicher. „Südamerika gehört schon lange zu den Risikogebieten“, warnt Schramm, „dort herrscht hohe Korruption und organisierte Kriminalität. Zu den derzeit gefährlichsten Ländern zählen Mexiko, Venezuela, Brasilien und Kolumbien.“

China ist für Reisende aus dem Westen momentan noch sicher, doch auch dort nehmen Fälle von Kidnapping zu. „Die lernen das gerade“, entfährt es Christopher Schramm. Auch in Indien nehmen Entführungsdelikte stark zu. Als gefährliche Hotspots Nummer eins in Afrika gelten Nigeria und Südafrika, besonders die Region rund um Johannisburg, sowie der Saharagürtel von Algerien aus in Richtung Süden. Die Faustregel lautet: Je kaputter die Infrastruktur des Landes, desto mehr wird eine Reise zu einem potenziellen Himmelfahrtskommando.

Das macht die Arbeit von Peter Karius aus München nicht leichter. „Im Irak ist es noch am einfachsten“, erklärt der Leiter Auslandsvertrieb bei Knorr Bremse Systeme, „da reist man nämlich nicht hin.“ Neulich ergab sich eine geschäftliche Möglichkeit für Knorr Bremse in Mauretanien, dem Wüstenland am westlichen Rand der Sahara. Karius überlegte, einen Mitarbeiter zu Gesprächen dorthin zu schicken. Die Bedenken seiner Personal- und Rechtsabteilung und die Warnungen des Auswärtigen Amtes hielten ihn jedoch davon ab. Das Risiko schien ihm zu hoch.

Generelle Sicherheit vor Verschleppung im Ausland gibt es nicht. Doch im Besonderen lässt sich das Risiko kalkulieren. Wie, erklärt Christopher Schramm: „Vor einer Reise muss ich den Gefährdungsgrad abschätzen: In welches Land und in welche Region genau führt die Reise? Welche No Go-Areas, Hotels und Taxis sind zu meiden? Ganz wichtig: Reist der Mitarbeiter allein oder in einer Gruppe?“

Wenn man sich nicht ständig in einer Gruppe aufhalte, was sicher das Beste sei, sollte man möglichst sichere Reisestrecken und Verkehrsmittel variieren. „Unberechenbar sein, keine Muster erkennen lassen“, bläut der Security-Mann den Kunden ein, „nicht jeden Tag zur selben Zeit an derselben Stelle sein. Dort kann man leicht abgefangen werden.“ „Oberstes Ziel muss es sein“, sagt Schramm, „den Geschäftsreisenden zu einer kaum greifbaren Beute werden zu lassen. Darum ist manchmal auch Personenschutz angeraten.“

Je bekannter das Unternehmen, desto gefährdeter sind seine Mitarbeiter, lautet die Grundregel. Deshalb empfehlen Experten, „low profile“ zu reisen, das heißt, möglichst jede Auffälligkeit zu vermeiden. „Wenn man sich ein großes Schild umhängt mit dem Logo des Arbeitgebers, wenn man sich am Airport namentlich und mit Nennung des Unternehmen ausrufen lässt oder an den Zollstationen mancher Länder den geschäftlichen Zweck der Reise nennt, dann steigert man das Risiko ohne Not“, warnt Christian Schaaf, Geschäftsführer von Corporate Trust. „Wir raten zu größtmöglicher Verschwiegenheit. Das fängt beim Zoll an und hört bei der hübschen Bardame am Abend noch nicht auf.“

Wirksames Risikomanagement beginnt lange vor der Abreise und fällt in den Bereich der strategischen Planung. „Firmen, die ihre Mitarbeiter in Schwellenländer oder Krisengebiete entsenden, brauchen ein Konzept, welche Risiken von Anfang zu vermeiden und welche Maßnahmen im Notfall zu ergreifen sind“, weiß Außenhandelsexpertin Andrea Franz von der IHK in München. Wie andere Handelskammern auch stellen die Bayern ratsuchenden Firmen ein Infopaket über bestimmte Zielmärkte zur Verfügung, angefangen von Impfempfehlungen bis hin zu den Orten, an denen man sich lieber nicht aufhalten sollte. Auch das Auswärtige Amt hält Material bereit (www.auswaertiges-amt.de/diplo/de/Laenderinformationen/Sicherheitshinweise-Laenderauswahlseite.jsp).

Wer dieses Know-how nicht selbst aufbauen und aktualisieren will, kann sich Expertenrat kaufen. Über das größte internationale Netzwerk verfügt die amerikanische Clayton Consultants, Kooperationspartner von Corporate Trust, sowie die britische Control Risks, die auch ein Büro in Berlin hat.

Zunehmend nachgefragt wird neben Mitarbeitertraining und Personenschutz die Präventivberatung. Dazu gehört die Einrichtung eines Krisenstabes. Der soll rund um die Uhr erreichbar sein und weit reichende Entscheidungen treffen können. Nur das nicht: „Wenn schnell auf Lösegeldforderungen eingegangen wird, sind Sie schnell wieder dran“, weiß Christopher Schramm, „Erpresser sind treue Kunden.“ CHRISTINE DEMMER

Von Christine Demmer
Von Christine Demmer

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