Sicherheit

Von Friedensdividende keine Spur mehr

Angeschlagen durch schwache Konjunktur bei zivilen Flugzeugen, schrumpfende öffentliche Budgets in der zivilen Raumfahrt und stagnierende Nachfrage nach kommerziellen Satelliten, setzt die Luft- und Raumfahrt- branche immer mehr auf den militärischen Sektor.

Kriege und militanter Terrorismus weltweit schlagen sich deutlich in den Strategien der Luft- und Raumfahrtkonzerne der westlichen Welt und ihrer Zulieferer nieder: Alle setzen in einem Maße auf militärische Technologien, wie sie es seit dem Fall des Eisernen Vorhangs nicht mehr getan haben.
Noch 1993, so Jim Albaugh, CEO des Geschäftsbereichs Integrated Defense Systems von Boeing, machte der Umsatz mit Verteidigungs- und Weltraumprodukten 20 % des Gesamtumsatzes von Boeing aus, 80 % entfielen auf Zivilflugzeuge. Im Jahr 2002 machte der Umsatz mit Zivilflugzeugen nur noch 54 % des Boeing-Umsatzes aus, 46 % entfielen auf Verteidigungssysteme und Raumfahrt. 2003, so schätzt Albaugh, dürfte der Verteidigungsanteil bereits bei 54 % des 50 Mrd.-Dollar-Umsatzes von Boeing liegen.
Militärflugzeuge haben in Le Bourget schon immer ihre Shows am Himmel abgezogen, jetzt gelten sie als die großen, wenn auch nicht die einzigen Wachstumssektoren ihrer Branche. Und das sehen nicht nur die Amerikaner so, die traditionell von einem höheren Verteidigungshaushalt profitieren als die Europäer. Auch die europäische EADS will 2005 ihren Umsatz mit Verteidigungsprodukten auf 30 % vom Gesamtumsatz (30 Mrd. n 2002) steigern.
Zentrales Thema dieses Trends ist die intelligente, computergestützte Kriegsführung, auch „integrated battlespace“ genannt, verbunden mit „chirurgischer“ Kriegsführung.
Gegenüber den US-Unternehmen Boeing und Lockheed hat die EADS da Nachholbedarf. Aber sie arbeitet bereits daran, ihn zu decken: Auf der Messe in Le Bourget zeigte sie die Simulation eines „network-centric warfare“- Konzepts. Dieses bietet, um in der Terminologie zu bleiben, über Aufklärungsdrohnen und Kampfflugzeuge, eine „sensor-to-shooter-Verbindung, die in Echtzeit auf jede Entwicklung auf dem Schlachtfeld reagieren kann.
Amerikaner wie Europäer haben in Sachen Verteidigungs- und Sicherheitstechnik jeweils die Märkte des Anderen im Auge, und die Verstimmung nach dem Irak-Krieg hat daran nichts geändert.
Die EADS arbeitet bereits mit dem US-Department of Homeland Defense an der Entwicklung von Flugzeugen, Hubschraubern und Radarsystemen für den Küstenschutz sowie mit Boeing, Lockheed und Northrop Grumman in einer ganzen Reihe von militärischen Programmen zusammen und will sich sogar langfristig am nationalen Raketenabwehrsystem der USA beteiligen. Mit Boeing wird in dieser Frage bereits verhandelt. „Wir sind hier allerdings noch weit weg von konkreten Vereinbarungen“, so Josef Kind, Präsident des Geschäftsbereiches Space Transportation der EADS. Ziel der EADS ist, so EADS CEO Rainer Hertrich, „zukünftige technologische Entwicklungen in einem sich ändernden Verteidigungsgeschäft maßgeblich mitzugestalten“.
Das Unternehmen hat dazu seine Verteidigungsaktivitäten in einer „Defense and Security Systems Division“ zusammengeschlossen.
Um im Wettbewerb mit den Amerikanern mithalten zu können, setzen die Europäer auf die Politik. Das US-Pentagon geht davon aus, dass eine weitgehende elektronische Integration der gesamten Streitkräfte bis 2009 gut 219 Mrd. Dollar kosten wird, Summen, von denen die Europäer nicht einmal träumen können. Auch bisher haben die US-Unternehmen von einem Verteidigungshaushalt gelebt, der weit über dem der Europäer insgesamt lag. Dennoch, so Francois Auque, innerhalb der EADS für die Raumfahrt zuständig, hat dieses Finanzierungsgefälle „bisher nicht zu einem Technologiegefälle“ zwischen den USA und Europa geführt. Das aber könne sich ändern, wenn die europäischen Verteidigungsminister sich nicht bald darauf einigen, mehr Geld in die Verteidigungsforschung zu investieren.
Zuversicht macht der europäischen Branche, dass in den letzten Monaten auch in Europa eine ganze Reihe von militärischen Projekten aufgelegt wurden: Nach dem Eurofighter der Militärtransporter von Airbus, der A400M, dann Skynet 5, ein gut 3,6 Mrd. n teures System von Kommunikationssatelliten für das britische Militär.
In der Planung ist auch ein militärisches, satellitengestütztes Kommunikationssystem (Milsatcom) für das deutsche Verteidigungsministerium, ähnlich, aber von kleineren Ausmaßen als das Skynet 5-System der Briten.
Um mit den Amerikanern mithalten zu können, hat die EU einen langen Weg vor sich. Es ist absolut notwendig, so Filippo Bagnato, CEO Eurofighter, dass Europa eine „gemeinsame integrierte Verteidigungsindustrie hat, wenn wir eine gemeinsame Verteidigungs- und Außenpolitik wollen.“ moc

Von Wolfgang Mock

Stellenangebote im Bereich Arbeitssicherheit

GAZPROM Germania GmbH-Firmenlogo
GAZPROM Germania GmbH Leiter Health, Safety & Environment (HSE) (m/w/d) Berlin
Hydro Aluminium Rolled Products GmbH-Firmenlogo
Hydro Aluminium Rolled Products GmbH Brand- und Explosionsschutzingenieur (m/w/d) Neuss
B. Braun Melsungen AG-Firmenlogo
B. Braun Melsungen AG Fachkraft für Arbeitssicherheit gemäß ASiG/ DGUV V2 (m/w/d) Melsungen
Evangelische Kirche in Deutschland-Firmenlogo
Evangelische Kirche in Deutschland Fachkraft für Arbeitssicherheit nach § 7 ASiG – mit ingenieurwissenschaftlichem Studium Hannover
Buss-SMS-Canzler GmbH-Firmenlogo
Buss-SMS-Canzler GmbH Techniker/ Ingenieur Umweltschutz und Arbeitssicherheit (m/w/d) Butzbach
Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung e.V. (DGUV)-Firmenlogo
Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung e.V. (DGUV) Referent/Referentin (m/w/d) "Neue Formen der Prävention" Sankt Augustin
TÜV NORD CERT GmbH-Firmenlogo
TÜV NORD CERT GmbH Freiberufliche Auditoren*Auditorinnen (m/w/d) deutschlandweit

Alle Arbeitssicherheit Jobs

Top 5 Arbeitssic…

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.