Gesundheit

Vier von fünf Kindern überleben

VDI nachrichten, Mainz, 16. 12. 05, ber – Der erste Patient, der 1980 ins Deutsche Kinderkrebsregister in Mainz aufgenommen wurde, ist heute 38 Jahre alt. Mittlerweile umfasst das Register 40 000 Kinder und Jugendliche, 28 000 von ihnen leben noch. Neben Ursachenforschung werden Nachsorge, die Erforschung von Zweittumoren und Studien mit Nachkommen der ehemals Erkrankten immer wichtiger.

Statistisch gesehen“, bilanziert der Leiter des Deutschen Kinderkrebsregisters, Peter Kaatsch, „sind die Chancen gering, die Ursachen für Krebs im Kindesalter zu finden.“ Nach heutigem Wissen spielten allerdings Umweltfaktoren eine relativ geringe Rolle. Entscheidend sei vielmehr das Immunsystem des Kindes.

„Wir vermuten,“ so Kaatsch, „dass Kinder mit Allergien oder auch geimpfte Kinder ein geringeres Risiko haben, an Leukämie zu erkranken, weil ihr Immunsystem besonders stimuliert ist.“

Dennoch solle man Kinder so wenig wie möglich Expositionen wie Elektrosmog, radioaktiver Strahlung oder auch Sonnenstrahlen aussetzen, warnt der Medizininformatiker.

In einer aktuellen Studie, deren Ergebnisse Ende 2006 vorliegen sollen, befasst sich das Krebsregister bereits zum dritten Mal mit möglichen Zusammenhängen zwischen Krebs im Kindesalter und Kernkraftwerken.

Während die beiden ersten Studien aus den Jahren 1992 und 1997 nur die Krankheitsrate beschreiben, sollen nun Fallkontrollstudien aus dem Umfeld von 15 Hochleistungsreaktoren analysieren, ob die an Krebs erkrankten Kinder näher an den Kraftwerken wohnen als zufällig ausgewählte nicht erkrankte Kinder. Parallel soll in bestimmten Fällen geprüft werden, ob auch andere Faktoren – etwa die berufliche Strahlenbelastung der Eltern – zu der Erkrankung geführt haben können.

Die Studie über dieses auch stark mit Emotionen behaftete Thema geht zurück auf eine politische Entscheidung des Bundesamtes für Strahlenschutz. Offenheit ist nach Kaatschs Überzeugung grundsätzlich entscheidend bei der Risikokommunikation nach außen.

„Wir müssen die Methoden transparent machen, die Grenzen der Forschung aufzeigen und allgemein verständliche Ergebnisse an die Öffentlichkeit weitergeben“, betont der Epidemiologe. So sieht Kaatsch seinen Auftrag durchaus auch darin, den Menschen Handlungsempfehlungen mit auf den Weg zu geben sowie gegebenenfalls auch Hinweise an die politisch Verantwortlichen.

Mit dem Schicksal der Überlebenden befasst sich eine weitere beim Krebsregister angesiedelte Studie. Seit 1993 werden systematisch so genannte Zweittumore erfasst, also Krebserkrankungen, die möglicherweise als Folge der Therapie eines Ersttumors auftreten. Dazu zählen Brustkrebs als Spätfolge von Bestrahlungen gegen Morbus Hodgkin oder Hirntumore, die daraus resultieren können, dass früher die prophylaktische Bestrahlung des Gehirns leukämiekranker Kinder zur Standardtherapie gehörte.

Mittlerweile rücken neben den klassischen Therapien Bestrahlung und Chemotherapie auch alternative oder komplementäre Heilmethoden wie Homöopathie oder Misteltherapie ins Blickfeld der Forscher. J. WITTE/ber

Ein starkes Immunsystem könnte möglicherweise vor Krebs schützen

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