Arzneimittel

„Versorgungssicherheit ist das A und O“  

VDI nachrichten, Augsburg, 10. 11. 06, ps – Im Februar hat der indische Pharmariese Dr. Reddy´s den Augsburger Generikaspezialisten Betapharm übernommen. Was bedeutet das für den erfolgreichen Mittelständler? Wie wirkt sich die Gesundheitsreform auf die Wachstumsziele aus? Fragen an Geschäftsführer Wolfgang Niedermaier.

Niedermaier: Das ist eine Frage der Eigentümer. Das Unternehmen hat bis vor zwei Jahren der Familie Strüngmann gehört. Diese hat es dann weiterverkauft an einen Private-Equity-Investor, dem es um kurzfristige, solide Wertsteigerung ging.

Durch den neuerlichen Verkauf ergab sich für uns die Chance, dass wir mit Dr. Reddy“s einen strategischen Eigentümer erhalten, der selbst ein voll integriertes Pharmaunternehmen ist, und der ein langfristiges Interesse an Betapharm hat.

VDI nachrichten: Der deutsche Generika-Markt ist hart umkämpft. Wie wollen Sie sich behaupten?

Niedermaier: Wir haben ein sehr gutes Netzwerk an Firmen, von denen wir entwickeln lassen oder Entwicklungen übernehmen. Produziert wird dann bei spezialisierten Lohnherstellern. Wir sind weltweit unterwegs und schauen, wo Patentausläufe stattfinden. Dann überlegen wir, wer uns das Produkt so entwickeln kann, dass es zur rechten Zeit zugelassen wird.

Außerdem bieten wir für unsere Kunden mit BetaCare ein wertvolles Wissens- und Informationssystem für Sozialmedizin als Service. Das differenziert uns positiv im Markt.

VDI nachrichten: Wie wollen Sie langfristig profitabel wachsen? Durch die Gesundheitsreformen ist der Druck auf die Pharmahersteller ja gewachsen …

Niedermaier: Wir haben im vergangenen Jahr den Umsatz um 15 % auf 186 Mio. € gesteigert und lagen damit deutlich über dem Marktdurchschnitt. Wir sind auch in diesem Jahr in der Lage, den Umsatz zu steigern, obwohl der Durchschnittspreis sinkt. Wir können den Umsatzverlust weitgehend durch Mengenausdehnung kompensieren.

Zusätzlich werden wir zwischen 12 und 20 neue Produkte pro Jahr auf den Markt bringen. Hier hilft uns natürlich die Verbindung mit Dr. Reddy“s. Wir werden schon bald in den Bereichen Produktion und Einkauf Synergien erzielen können. Dr. Reddy“s als einer der größten Wirkstoffhersteller hat sehr viele Produkte in der Pipeline.

VDI nachrichten: Nochmal zurück zur Gesundheitsreform: Seit dem 1. Mai gilt das Arzneimittelversorgungs-Wirtschaftsgesetz. Leiden Sie darunter?

Niedermaier: Das AVWG erschwert unsere Wachstumsvorhaben. Zum einen hat dieses Vorschaltgesetz die Rabattmöglichkeiten, die Hersteller an die Apotheker gewähren, reguliert. Es darf nur noch ein bestimmter Prozentsatz an Rabatten gewährt werden – nämlich maximal die Differenz zwischen dem Apothekeneinkaufspreis und dem Herstellerabgabenpreis. Das gilt für alle Arzneimittel, die von den Ärzten zu Lasten der gesetzlichen Krankenkassen verordnet werden, nicht aber für die rezeptfreien Arzneimittel.

Wie wir wissen, gab es vorher bei den Generika-Firmen einen gewissen Rabattwettbewerb, der damit unterbunden wird. Diese vermuteten Rabatte werden durch das Gesetz abgeschöpft, indem den Arzneimitteln ein Zwangsrabatt auferlegt wird, der den Krankenkassen zugute kommt.

Für alle Arzneimittel, für die ein Festbetrag festgelegt worden ist, muss auf unseren Herstellerabgabepreis ein Rabatt von 10 % an die Kassen abgeführt werden. Das ist für die Pharmaindustrie eine ganze Menge. Hinzu kommt ein Rabatt von 6 % auf den Herstellerabgabepreis für alle Arzneimittel, für die kein Festbetrag festgelegt worden ist. Somit müssen wir bei einigen Arzneimitteln einen Rabatt von insgesamt 16 % gewähren.

VDI nachrichten: Seit dem 1. November sind 50 % Ihrer Arzneimittel zuzahlungsfrei. Warum machen Sie das?

Niedermaier: Das AVWG sieht vor, dass die Krankenkassen sich darauf einigen können, die Arzneimittelzuzahlungen – die so genannte Rezeptgebühr – unter bestimmten Bedingungen zu erlassen. Dies haben sie getan. Die Rezeptgebühr von 5 € bis 10 € für die Patienten fällt weg, wenn der Preis von Arzneimitteln mindestens um 30 % unter dem von den Krankenkassen festgelegten Festbetrag liegt.

Die erste Stufe hierfür wurde im Mai definiert, die zweite Stufe wurde zum 1. November wirksam. Künftig gelten für weitere 130 von 350 Festbetragsgruppen diese Regeln zur Zulassungsbefreiung. Wir haben uns entschieden, unsere Arzneimittel – wo immer möglich – zuzahlungsfrei zu gestalten, denn wir können uns dem Preiswettbewerb nicht entziehen.

VDI nachrichten: 80 % Ihrer Produkte lassen Sie bisher in Deutschland herstellen. Wollen Sie langfristig die Produktion nach Indien verlagern?

Niedermaier: Wenn sich der Bezug aus Deutschland preislich nicht halten lässt, ist Indien als Produktionsstandort in Zukunft eine Option.

VDI nachrichten: Ist das wirklich nur eine Option? Sie haben doch einen riesigen Konkurrenzvorteil durch die geringen Lohnkosten in Indien …

Niedermaier: Das ist nur die halbe Wahrheit. Die Lohnkosten sind zwar erheblich günstiger, dafür sind die Transportkosten höher – bei gleichen Energiepreisen und Rohstoffpreisen. Man hat längere Transportwege mit bis zu acht Wochen Laufzeit. Zeitgerechte Lieferung ist also mit Risiko verbunden. Zudem muss alles, was außerhalb der EU produziert wird, bei der Einführung in EU-Länder re-analysiert werden, bevor es zum Verkehr freigegeben wird.

VDI nachrichten: Was nützt es Ihnen dann, dass Sie jetzt einen strategischen Eigentümer aus Indien haben?

Niedermaier: Der Vorteil ist mittel- bis langfristig. Deutschland könnte in ein paar Jahren als Absatzmarkt für in Indien produzierte Medikamente dienen. Man kann jedoch nicht einfach die Produktion von heute auf morgen umstellen. Auch wenn nur ein geringes Risiko besteht, dass die Produktionsverlagerung nicht funktionieren könnte, so riskiert man, vorübergehend mit den Arzneimitteln im Markt nicht verfügbar zu sein. Versorgungssicherheit für den Kunden ist für ein Generikaunternehmen aber das A und O.

N. BLECHNER/U. MICHELINE

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