Telearbeit

USA: Schweinegrippe gefährdet Internet  

Immer mehr Unternehmen in den USA erwägen, zur Vorbeugung gegen die Schweinegrippe verstärkt auf Telearbeit zu setzen, doch Netzbetreiber und Marktforscher warnen vor einem möglichen Kollaps des Internets. Die arbeitende Bevölkerung schleppt sich derweil mit Husten und Schnupfen ins Büro – trotz Warnung der Gesundheitsbehörden. VDI nachrichten, New York, 13. 11. 09, ws

Bei vielen US-Firmen hat die drohende Ausweitung der Schweinegrippe zur Planung möglicher Gegenmaßnahmen geführt. Eine Hauptüberlegung zielt auf ein Verlagern der Arbeitsplätze vom gefährlichen Infektionsort Büro in das weniger gefährdete Home-Office.

Doch die Analysten des Marktforschungsunternehmens Gartner warnen davor, sich zu sehr auf eine solche Lösung abzustützen. „Das Problem ist die ,letzte Meile“, also der Zugang vom Backbone-Netz des Providers zur Wohnung“, so Vice-President Eric Paulak. Seinem Bericht zufolge könnten zwar die Hochleistungsverbindungen der Netzprovider auch die Spitzenbelastung einer explosionsartigen Nutzung von Telearbeitern verkraften, doch würde es erhebliche Probleme in den Versorgungsbereichen von Wohngebieten geben. Vor allem die Internet-Anbindung über DSL sei gefährdet, da es zum „Over-Subscribing“ kommen kann, das heißt, die Zahl der Teilnehmer, die dieselbe Leitung nutzen, steigt so hoch an, dass praktisch keiner mehr durchkommt.

„Die Infrastruktur in vielen Wohngegenden ist nicht auf solche Belastungen ausgelegt, da wird das Netz unwillkürlich in die Knie gehen“, bestätigt Richard Webb, Chef-Analyst bei der britischen Marktforschungs-Agentur Infonetics Research. Wie hoch die durch die Schweinegrippe verursachte zusätzliche Belastung sein könnte, ist unklar. Nach Schätzungen der US-Behörden könnten bis zu 40 % aller Mitarbeiter für einen längeren Zeitraum ausfallen oder nur noch als Teleworker arbeiten.

Entsprechend reagierten verschiedene US-Behörden bereits mit der in den USA bei solchen Anlässen häufig anzutreffenden Paranoia. So befürchtet der US-Rechnungshof (GAO), dass das gesamte Banken- und Börsen-System zusammenbrechen könnte, sollte die US-Wirtschaft ihre Mitarbeiter im großen Stil zur Heimarbeit nach Hause schicken. „Ein sprunghafter Anstieg der Telearbeit könnte das Internet und damit den gesamten Wertpapierhandel zum Erliegen bringen“, heißt es in einer Warnung an das Weiße Haus.

Die Behörde fordert u. a., das Heimatschutzministerium solle Maßnahmen ergreifen, mit denen der Erhalt der professionellen Kommunikations-Infrastruktur sichergestellt werden kann. Eine der Forderungen lautet, dass nicht-professioneller Content, wie YouTube, verboten werden soll, damit das Netz funktionsfähig bleibt.

Doch die Netzexperten der Investment-Banken halten diesen Bericht für unbegründet: „Wer das verfasst hat, hat keine Ahnung, wie das Internet funktioniert. Die Finanzinstitute sind alle direkt am Highspeed-Backbone angeschlossen und können nicht durch den privaten Traffic gefährdet werden“, sagt Ross Sandler, Internet-Analyst bei der Investment-Bank RBC Capital Markets. Auch das YouTube-Verbot hält er für unsinnig: „Der YouTube-Traffic fällt vor allem abends nach Büroschluss an, doch dann gibt es keinen Börsenhandel mehr und auch die Zahl der Telearbeiter geht dann deutlich zurück.“

Hinzu kommt, dass in den USA die Breitbandversorgung der Bevölkerung im Verhältnis zu anderen Industrieländern sehr schlecht ist. Das bedeutet für die Praxis die natürliche Begrenzung der Internetnutzung.

US-amerikanische Arbeitnehmer haben derweil andere Probleme: Ungeachtet der Aufforderung von Gesundheitsbehörden, mit Grippe für einige Tage das Bett zu hüten, schleppen sie sich trotz Fieber, Husten und laufender Nase ins Büro. Die Angst vor der Schweinegrippe macht ihnen die Entscheidung nicht leichter. Denn rund ein Drittel aller Arbeitnehmer in den USA bekommt keine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall.

Eine Diskussion um Telearbeit in Zeiten der Schweinegrippe und eine mögliche Netzüberlastung ist bei der deutschen Bundesnetzagentur nicht bekannt. „Das Telekommunikationsgesetz sieht vor, dass Betreiber von Telekommunikationsanlagen angemessene technische oder sonstige Maßnahmen zum Schutze gegen Störungen, die zu erheblichen Beeinträchtigungen von Telekommunikationsnetzen führen, zu treffen haben“, so Cord Lüdemann von der Bundesnetzagentur. H. WEISS/ws/ap

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