Sicherheit

Unsichere Elektroprodukte sollen schneller vom Markt verschwinden

Der Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI), die Arbeitsschutzbehörden der Länder und führende Prüfstellen wollen in Zukunft gemeinsam stärker gegen gefährliche Elektrogeräte vorgehen.

Verschmort, verkokelt, abgebrannt – vom günstigen Wasserkocher bleibt nur ein Häufchen Plastikelend. Und das alles nur, weil das günstige Schnäppchen einen defekten Überhitzungsschutz hat.
Die Chance des Verbrauchers, solche unsicheren Kandidaten bei Elektrogeräten zu erkennen, ist gering. Um derartige Produkte in Zukunft schneller aus dem Verkehr ziehen zu können, wollen Industrie, Behörden und Prüfinstitute ihre Marktbeobachtung, die Geräteprüfungen und das Branchenwissen besser miteinander verzahnen.
Im Rahmen der Aktionsplattform „Sichere Produkte“ des Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI) sollen die Mitglieder des Branchenverbandes ihre Vertriebsleute stärker zur Beobachtung unseriöser Konkurrenz vor Ort ermuntern. Die Ämter für Arbeitsschutz und Testinstitutionen wie die TÜV Rheinland Product Safety GmbH (TRSG) wollen in Zukunft über eine internetbasierte Produktdatenbank schneller reagieren können und Synergieeffekte besser nutzen.
„Wie groß der Schaden ist, den solche Produkte anrichten, ist schwer abzuschätzen“, räumt Peter Draheim ein, Vorsitzender des technischen Ausschusses im ZVEI und Vorstandsmitglied des Verbandes. Die Dunkelziffer sei hoch, aber es bestehe dringender Handlungsbedarf: „Das Gefahrenpotential ist enorm, denn in fast jeden Haushalt finden sich solche Geräte, bei denen der Besitzer gar nicht weiß, wie nahe am Stromschlag oder Kurzschluss er sich bewegt.“
Draheim, Geschäftsführer der Philips Semiconductors SMST in Böblingen, sieht aber auch Arbeitsplätze in der deutschen Industrie in Gefahr. Wer die hierzulande hohen Sicherheitsstandards umgehe, verschaffe sich Preisvorteile von – je nach Produkt – 15 % bis 25 %. Während der Verbraucher das Vertrauen in die Produktgruppe als solche verliere, müssten die Unternehmen der Elektroindustrie auch noch mit Wettbewerbern kämpfen, die das Preisniveau stark drückten.
Die neu gegründete Aktionsplattform sieht vor, dass alle seriösen Hersteller, so der ZVEI, die zum Beispiel im Markt auf auffällig billige Wettbewerbsprodukte stoßen, zunächst eine Sicherheitsprüfung dieser Geräte durch ihre eigenen Fachleute vornehmen lassen. Wenn sich hierbei Mängel zeigen, können die Firmenmitarbeiter entsprechende Geräte direkt an die Aktionsplattform weitergeben. Die lässt die verdächtigen Produkte dann umgehend überprüfen und alarmiert bei Bestätigung des Mangels die zuständige Arbeitsschutzbehörde.
Aber -das Procedere müsse schnell ablaufen, da sind sich Industrie und Arbeitsschutzbehörden einig. „Zwischen vier bis sechs Wochen maximal“, glaubt Peter Draheim, dürfe es dauern, sonst sei die Ware am Markt durch.
Es ist Aufgabe der staatlichen Arbeitsschutzbehörden der Bundesländer, gefährliche Produkte aus dem Verkehr zu ziehen. Doch unter anderem hinkt angesichts des schnellen Absatzes die Kontrolle dem Marktangebot hinterher. „Nur in enger Zusammenarbeit zwischen den zuständigen staatlichen Stellen, den Prüfinstituten und den seriösen Herstellern ist ein wirkungsvolles Vorgehen gegen unsichere Produkte möglich“, glaubt Gerd Albracht, Abteilungsleiter Arbeitsschutz und Gerätesicherheit im Hessischen Sozialministerium.
Die Behörden wollen ein länderüberspannendes Informationsnetz aufbauen, unter anderem mit einer Produktdatenbank im Internet, in dem überprüfte Geräte gelistet sind. „Diese Datenbank wollen wir auch Verbraucherschutzorganisationen zugänglich machen“, erläutert Albracht. Der hessische Arbeitsschützer glaubt, dass das Internet als Warnmedium vor unsicheren Produkten in Zukunft an Bedeutung gewinnen wird.
Die Gefahren, die gerade von solchen risikogeräten ausgehen kann, macht Michael Jungnitsch, Geschäftsführer der TRSG, deutlich. So bestehe zum Beispiel Brandgefahr bei Toastern oder Wasserkochern, bei denen die Isolierung oder die Stromabschaltung nicht vorschriftsmäßig ausgeführt sei. Regelrecht gefährlich seien billige Autoersatzteile wie etwa Scheinwerferlampen, die blenden, statt für die notwendige Sicht des Fahrers zu sorgen.
Für die Verbraucher bleibt vorerst nur, bei billigen Angeboten vorsichtig zu sein und besser nach einem Markengerät oder dem Siegel einer bekannten Prüfstelle zu schauen. Doch auch Zeichen, die die Gerätesicherheit bezeugen sollen, wie das CE-Label und das GS-Zeichen, werden gefälscht.
Wichtige Indizien für Sicherheitsprobleme seien das Fehlen einer klaren Bedienungsanleitung, einer Anbieteradresse, so Jungnitsch. „Die eigentlichen Sicherheitsmängel können die Verbraucher in aller Regel dagegen nicht erkennen.“ Wenn der Wasserkocher kokelnd den Geist aufgibt, ist es zu spät. zvei/swe

Von Zvei/Stephan W. Eder

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