Gesundheit

Uniklinik Köln ist im IT-Zeitalter angekommen

VDI nachrichten, Düsseldorf, 5. 11. 04 -Die Umwälzungen im Gesundheitsbereich erfordern einen wesentlich umfangreicheren IT-Einsatz als bisher vorgenommen. Insbesondere Krankenhäuser müssen in Zukunft wie moderne Unternehmen geführt werden, stehen aber in puncto IT-Ausstattung vielerorts erst am Anfang der Entwicklung.

Kommunikations- und Informationssysteme, ineinander greifende Applikationen und erst recht prozessorientierte Arbeitsweisen sind in den meisten Krankenhäusern bisher noch Mangelware. Gleichzeitig laufen die Kosten davon oder es ist nicht einmal bekannt, wie die Kosten entstehen. Nicht zuletzt haben Abrechnung nach Fallkostenpauschalen und permanent sich verändernde Rahmenbedingungen im Gesundheitsbereich das Personalmanagement in den Kliniken verschärft. Keine gute Ausgangslage, um sich von kameralistisch geführten Anstalten in moderne, gewinnorientierte „Wellnessfarms“ für zuzahlungsbereite Kunden zu wandeln.
Weniger drastisch formulierte Fritz A. Lauritzen von der Management-Beratung MTP in Hannover: „Derzeit entwickeln sich die Unikliniken zu Anstalten öffentlichen Rechts. Das wird durch die Länder mit vorangetrieben, um die Kliniken in die Privatwirtschaft zu entlassen. Dabei gibt es aber große Unterschiede in den Ausprägungen und insbesondere in den Auflagen durch die Länder.“ Weniger diplomatisch formuliert: Die meisten Kreistage würden ihre Krankenhäuser lieber heute als morgen los werden, weil sie die Etats enorm belasten. Besonders schmerzhaft hierbei ist, dass viele Häuser tatsächlich nicht einmal wissen, in welchen Bereichen welche Kosten anfallen – und an welchen Stellen gespart oder effizienter gearbeitet werden könnte.
Abhilfe können Krankenhaus-Informationssysteme (KIS) schaffen, Programme, die ähnlich einer betriebswirtschaftlichen Standardsoftware Patienten-, Analyse- und andere Daten sammeln, verarbeiten und auswerten. Der Anbieter des KIS „Orbis“, die Trierer GWI AG, hat derzeit rund 500 Institute mit ihrer Software ausgestattet. Allerdings fehlen den Häusern nach Auskunft von GWI-Marketingdirektor Walter F. Schäfer die finanziellen Mittel, um in IT zu investieren. International betrachtet werden in Deutschland lediglich 0,8 % bis 1,8 % des Gesamtbudgets von Krankenhäusern für IT ausgegeben, in Frankreich liegt der Anteil bei 3 % bis 5 %, in den USA sogar bei 7 % bis 9 %.
Bei etwa 250 000 € liegt die Anfangsinvestition für ein KIS. Damit sind aber nur die Lizenzkosten bezahlt. Rund 3 Mio. € hat z. B. die Uniklinik Köln für den Komplett-Einstieg in professionelle IT gezahlt, also Software plus Hardware, Netzwerke und Rechenzentrum. Hinzu kommen die laufenden Kosten für Wartung und Systempflege, etwa 17 % der Anschaffungskosten pro Jahr. So kommt der IT-Chef des Uniklinikums Köln Volker Hüsken auf rund 2000 € pro Bett und Monat nur für IT, die sein Haus investiert, um effizientere Abläufe und nicht zuletzt mehr Service für Patienten zu erhalten. Doch von den etwa 2250 Krankenhäusern in Deutschland sind nach den Worten von Schäfer weniger als 20 % so ausgestattet, dass sie in der Lage wären, die gegebenen technischen Möglichkeiten zur Effizienzsteigerung zu nutzen.
Eine enorme Hürde ist nach Auffassung von Dimension Data-Vorstand Herbert Bockers regulatorischer Natur: „Die Patientenstammakte, in Großbritannien bereits seit einem halben Jahr gang und gäbe, ist in Deutschland politisch (noch) nicht gewollt.“ Mit einer durchgängigen ID für jeden Patienten ließe sich ein nahtloses IT-System über alle Krankenhäuser und auch alle Arztpraxen hinweg betreiben. Die gängigen Sicherheitstechniken vorausgesetzt, müsste sich kein Bürger um den Schutz seiner Daten sorgen. Der IT-Anbieter Dimension Data aus Oberursel ist beispielsweise beim Klinikum Köln für die Sicherheit der IT-Netze inklusive Anwendungen zuständig. In der Domstadt sind 40 Gebäude des Klinikums über einen redundanten Glasfaserring in Gigabit-Ethernettechnik vernetzt. Damit können beispielsweise vor einer Operation aufgenommene Endoskopie-Sequenzen über einen Videoserver direkt vom Operateur abgerufen werden.
Auch nach Meinung von Hüsken steht die Durchdringung mit IT in den Krankenhäusern erst am Anfang. Erst wenige Häuser hätten hier einen hohen Wirkungsgrad erreicht. Doch diese könnten dann gleich doppelt profitieren: zum einen durch effizientere Prozesse, zum anderen durch IT-Abteilungen, die ihr Wissen als ausgegründete Tochterunternehmen an alle Nachzügler verkaufen. Bei der Uniklinik Köln heißt das Spin-Off Meduniserv und bietet Dienstleistungen für den Betrieb von Gesundheitseinrichtungen. Ähnliche Wege gingen bereits IT-Ableger der Krankenhäuser in Hamburg, Leipzig und Rotterdam.
Insgesamt, so die Referenten des von Dimension Data ausgerichteten Roundtables zum Thema IT im Gesundheitswesen Ende Oktober in Frankfurt unisono, würden nur solche Krankenhäuser überleben, die sich in ein kostentransparentes und prozessorientiertes Unternehmen wandeln. KONRAD BUCK

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