Gesundheit

Tropenkrank in Deutschland

Immer mehr Tropenkrankheiten werden in Deutschland entdeckt, die nicht aus fernen Ländern eingeschleppt wurden, sondern sich hier eigenständig entwickelt haben. Ob dies im Zusammenhang mit dem Klimawandel steht, will ein bundesweites Netzwerk von Insektenforschern und Parasitologen nun erkunden.

Das Rätsel begann im September 1997. Die Ärzte der Aachener Kinderklinik wunderten sich, als sie ein 15 Monate altes Kind untersuchten. Der kleine Junge litt an Fieberanfällen Leber und Milz waren stark vergrößert. Die Symptome sowie die Ergebnisse einer Blutanalyse ließen nur eine Diagnose zu: ein schwerer Fall von Leishmaniose, einer Tropenkrankheit, die von Sandmücken übertragen wird. Doch der Junge war nachweislich nicht in den Tropen gewesen er hatte Deutschland bis dahin nie verlassen.
Sollte dies das erste Anzeichen dafür sein, dass der Klimawandel neuen Infektionskrankheiten den Weg nach Deutschland öffnet? Oder stimmt die bizarre Erklärungstheorie der behandelnden Ärzte? Im Sommer 1997 weilten die Eltern mit dem Baby auf einem Zeltplatz in Füssen. Dort kampierten auch Urlauber auf ihrer Rückreise vom Mittelmeer. Eine infizierte Sandmücke könnte, so die Vermutung der Ärzte, mit dem Reisegepäck hierher gekommen sein und das Kind gestochen haben.
Walter A. Maier glaubt an den Klimawandel. „Sandmücken kommen mittlerweile auch in Deutschland vor“, sagt der Parasitologe an der Uni-Klinik Bonn. 1999 seien die ersten Exemplare dieser Wärme liebenden Insekten in Südbaden gefunden worden. Damit bestehe hierzulande ein reales Leishmaniose-Risiko. Und um die Unruhe komplett zu machen, nennt er weitere Krankheiten, vor denen Deutschland in Zukunft möglicherweise nicht mehr verschont bleibt: Malaria, Dengue-Fieber, West-Nil-Virus. „Wir haben immer gedacht, bei uns kommt so etwas nicht vor“, sagt Maier. „Aber wenn man genau hinschaut, stellt man fest, dass da schon viel mehr ist, als wir uns wünschen würden.“
Maier schaut genau hin. Er ist Leiter eines neu geschaffenen, bundesweiten Netzwerkes von Insektenforschern und Parasitologen. Unter dem Titel Maezo (Medizinische Arachno-Entomologie und Medizinische Zoologie) wollen sie mögliche Zusammenhänge zwischen Klimawandel und Einzug neuer Krankheiten in Deutschland aufklären. „Wir wollen keine Panik schüren“, sagt er. Aber es sei an der Zeit, einmal die Anzeichen für eine mögliche Ausbreitung neuer Infektionsgefahren genauer unter die Lupe zu nehmen.
Zum Beispiel Malaria: Vier Arten von Anopheles-Mücken, die den Malaria-Erreger übertragen können, kommen hierzulande vor. Allein die Malaria-Erreger fehlen. Doch jedes Jahr reisen rund 1000 Menschen hierzulande ein, die in den Tropen an Malaria erkrankt sind. Würden einige von ihnen in Deutschland von Anopheles-Mücken gestochen, könnte so die Malaria weitergegeben werden. „Das Risiko ist noch verschwindend gering und sollte nicht dramatisiert werden“, sagt Maier. Zumal die Anopheles-Arten hier nur die Erreger der harmloseren Malaria tertiana übertragen können.
Aber wenn das Klima wärmer wird, könnte dies die Verbreitung und Vermehrung von Mücken fördern, die auch die lebensgefährliche Malaria tropica weitergeben. Maier denkt bereits über Vorsichtsmaßnahmen nach: In potenziell gefährdeten Regionen Deutschlands, wo sehr viele Anopheles-Mücken vorkommen, wäre es dann sinnvoll, in der Landwirtschaft keine Saisonarbeiter einzusetzen, die aus Malariagebieten kommen.
Die genaue Verbreitung von Anopheles- und Sandmücken in Deutschland zu bestimmen, ist eine der Aufgaben der Maezo-Netzwerkes. Dafür wird es in diesem Jahr vom Umweltbundesamt mit 140 000 DM gefördert. Gezielt suchen wollen die Insektenforscher auch nach dem Überträger des Dengue-Fiebers, der asiatischen Tigermücke (Aedes albopictus). Noch wurde sie hierzulande nicht nachgewiesen. Doch das ursprünglich in Südost-Asien beheimatete Insekt hat seinen Weg schon bis Italien und Frankreich gefunden. „Wenn die Tigermücke schon in der Normandie ist, kann sie auch im Rheintal auftreten“, sagt Maier.
Und noch etwas hat der Leiter der Expertengruppe zu kritisieren. Das deutsche Gesundheitswesen sei nur sehr schlecht vorbereitet für den Fall, dass tatsächlich neue Vektor-gebundene Krankheiten auftreten sollten, kritisiert Maier. Es fehle an ausgebildeten Spezialisten, weil Forschung und Lehre auf dem Sektor der medizinischen Insektenkunde seit Jahren vernachlässigt wurden, erklärt der Bonner Parasitologe Maier. Erst mit den Auslandseinsätzen der Bundeswehr seien tropische Infektionskrankheiten wieder ins Blickfeld der heimischen Medizin geraten.
Allerdings muss nach den Erfahrungen von Michael Faulde, Parasitologe am Zentralen Institut des Sanitätsdienstes der Bundeswehr in Koblenz, gar nicht erst bis in die Tropen geschaut werden, um Defizite zu erkennen: „In Deutschland sind selbst die heimischen Blutsauger wie Mücken, Zecken und Läuse dem Fachpersonal oft nur sehr lückenhaft oder gar nicht bekannt.“ LUCIAN HAAS

http://www.m-ww.de/krankheiten/infektionskrankheiten
http://www.maezo.de (demnächst)
http://www.meb.uni-bonn.de/parasitologie/wissensch.html

Mögliche Tropenkrankheiten

Dengue-Fieber bald auch am Rhein

Malaria wird von Anopheles-Mücken übertragen. Vier Arten kommen auch hierzulande vor. Sollten sie mit dem Malaria-Erreger in Kontakt kommen, indem sie etwa einen nach Deutschland einreisten Malaria-Infizierten stechen, könnten sie die Krankheit weitergeben. Das Risiko, so Experten, sei aber äußerst gering.
Leishmaniose kommt bereits im Mittelmeerraum vor. Über infizierte Hunde gelangen die bakteriellen Erreger (Leishmanien) nach Deutschland. Da hierzulande vor kurzem auch Sandmücken als Überträger nachgewiesen wurden, rechnen Experten in feucht-warmen Flusstälern bereits mit einem gewissen Infektionsrisiko.
Dengue-Fieber wird von der asiatischen Tigermücke übertragen. Noch ist diese in Deutschland nicht bekannt, doch sie tritt bereits in Italien und Frankreich auf. Tropenreisende bringen die Viren ins Land.
West-Nil-Fieber wird von einem Virus ausgelöst, das auch von heimischen Stechmücken übertragen werden kann. In Deutschland ist noch kein Fall bekannt, aber in Tschechien, Frankreich, Rumänien, Ungarn, Portugal und in der Slowakei wurden West-Nil-Viren in Mücken gefunden und auch vereinzelte Infektionen registriert. Zugvögel können die Erreger ins Land schleppen. luh

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