Sicherheit

Testfeld für die Kriegsführung der Zukunft

Der schnelle Vorstoß der Amerikaner und Briten auf Bagdad scheint ihr Vertrauen in die Leistungen von Präzisionswaffen zu rechtfertigen. Die Strategie des Krieges im Irak wird damit zum Modell für Auseinandersetzungen in der Zeit nach dem kalten Krieg. Die Zukunft heißt Net Centric Warfare.

Eigentlich war alles klar: 3000 „intelligente“ Raketen sollten den Truppeneinmarsch vorbereiten, Schlüsseleinrichtungen des Iraks von Kommandozentralen bis zu Flugabwehrstellungen ausschalten. Die Truppen würden einmarschieren, direkt auf Bagdad. Gleichzeitig würde die so genannte „Special Operation Forces“ – schätzungsweise 10 % der regulären Truppen – hinter den feindlichen Linien operierten. Der Krieg wäre dann eine Frage „eher von Wochen als von Monaten“, so US-Vize-Präsident Dick Cheney. Mit dem bevorstehenden Fall von Bagdad sieht es aus, als gehe der Plan auf.
Der Irak-Krieg gilt als Modell einer Kriegsführung in der Zeit nach dem Kalten Krieg. Wie in keinem Krieg zuvor setzten die USA auf ihre überlegene Technologie – von der Satellitenaufklärung bis zu den „intelligenten“ Waffen. Waren im Golfkrieg 1991 nur gut 10 % aller Waffen so genannte „smart weapons“, so sollen es im Irak-Krieg nach unterschiedlichen Quellen 80 % bis 90 % sein. Ziel war eine „chirurgischen Kriegsführung“ fiel. Zivile Opfer sollten so gering gehalten werden wie nur denkbar.
Davon ist heute kaum noch die Rede. „Der Feind, den wir hier bekämpfen, ist ein anderer als der unserer Kriegsspiele“, so General William S. Wallace Ende März. „Wir sind in einen mühsamen Kleinkrieg verstrickt, wie er in jedem Dritte-Welt-Land denkbar ist“, so Major William Gillespie vom 3. Infanterie- Regiment.
Daran ändern auch die Präzisionswaffen nichts – zumal sie so präzise auch nicht sind. Nach Agenturmeldungen sind bis Anfang dieser Woche gut 14 500 solcher Präzisionsbomben und -Flugkörper abgeworfen und abgeschossen worden. Diese werden entweder via Laser, GPS-Signal oder Radarsignal gelenkt. GPS-Signale können auch die Irakis jammen, wie die gefundenen russischen Jammer belegen. Auch die eingegebenen Koordinaten können falsch sein. Laser wiederum können unterbrochen werden, sei es durch Wolken, Sandstürme oder den Ruß über brennenden Ölfeldern. Nicht umsonst haben irakische Soldaten um Bagdad Gräben mit Öl angezündet.
Cruise missiles, wie die Tomahawks, verfügen über eine Radarsteuerung. Sie können über Zielen kreisen, auf andere Tomahawks warten und dann gemeinsam zuschlagen. Bei ihrem Flug richten sich die gut 600 000 Dollar teuren Fluggeräte nach bestimmten Referenzpunkten am Boden. Wenn die, wie in Wüsten, fehlen, wird die Orientierung schwierig. Und dann können auch noch die mechanischen Systeme der Raketen versagen. Dementsprechend verfehlen gut 10 % dieser intelligenten Waffen ihr Ziel.
Damit steigt die Zahl der zivilen Opfer, wenngleich sie wohlweislich geheim gehalten wird. Bomben schlagen in Wohngegenden und auf Märkten ein. Nach Angaben des Roten Kreuzes werden stündlich bis zu 100 verletzte Zivilisten in die Krankenhäuser von Bagdad eingeliefert.
Damit ist der einst als „sauberer Krieg“ propagierte Irakkrieg das geworden, was Kriege immer sind: schmutzig. Aus den Präzisionsangriffen sind massive Bombardements geworden.
Die technologische Hochrüstung schützt Amerikaner, Briten und die sympathisierenden Kurden aber auch nicht vor dem Beschuss durch ihre eigenen Leute. In den bisher über 12 000 Luftangriffen der Briten und Amerikaner sind bisher durch „friendly fire“ vermutlich fast 20 US-Soldaten, 18 Kurden und wohl auch ein Brite gestorben. Damit scheint die Quote der durch eigenes Feuer Getöteten kaum geringer zu sein als im Golfkrieg 1991, als 35 der insgesamt 148 getöteten US-Soldaten durch „friendly fire“ starben. Und das obwohl das Pentagon seit 1992 mit 175 Mio. Dollar versuchte, ein Battlefield Combat Identification System zu entwickeln.
Zudem sind trotz dreiwöchigen Präzisionsbombardements die Erfolge der Amerikaner und Briten in Mossul und Kirkuk bescheiden geblieben. Auch das irakische Fernsehen und der Rundfunk senden noch immer.
Dennoch wird der Krieg einen Wendepunkt in der Waffentechnologie und den Methoden der Kriegsführung bringen. Das Stichwort der Zukunft heißt hier Network Centric Warfare. Dabei soll jede Kommandoeinheit an jedem Ort zu jeder Zeit den kompletten Überblick über das Kriegsgeschehen bekommen. Alle Informationen sollen miteinander vernetzt werden, von Satellitendaten über die Informationen der „Special Operations“, und der Kampfflugzeuge bis hin zu den Standorten einzelner Soldaten. Und das in Echtzeit. Ziel ist die Selbstorganisation und „Selbstsynchronisierung“ von militärischen Einheiten, die ein schnelles Vorrücken der Truppen möglich macht.
Basis sind die Fortschritte in der Informationstechnologie. Im Golfkrieg standen für die taktische Datenübertragung vor Ort 9,8 kBit/s zur Verfügung, 2001 waren es nach Angaben von europäischen Fachleuten 238 kBit/s. Im Jahr 1991 konnte ein Flugzeugträger pro Tag 162 Ziele bekämpfen, heute sind es bis zu 700. Und die Kriege sind ein enormes Testfeld neuer Waffen: Im Irakkrieg sind auf amerikanischer Seite allein 15 verschiedene Flugzeugtypen im Einsatz.
Und natürlich, wie schon im Golfkrieg, britische und amerikanische panzer- und bunkerbrechende Geschützmunition mit abgereichertem Uran. Dieses Material gilt als ein Grund für die seit 1991 massiv zunehmende Leukämierate im Irak und wird auch mit dem Golfkriegssyndrom vieler ehemaliger US-Soldaten in Verbindung gebracht.
Noch nicht gefunden waren bei Redaktionsschluss die Massenvernichtungswaffen Saddam Husseins. moc

Von Wolfgang Mock

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