Forschen im Team

Technik allein löst keine Zeitfragen  

Die Technik allein bringt uns beim Thema „Sicherheit und Gesellschaft“ nicht weiter, sagten sich Informatiker der Universität Freiburg und taten sich mit anderen Disziplinen zusammen. Die Verzahnung der Fachbereiche wird sich für Hochschulabsolventen am Arbeitsmarkt auszahlen, sind die Freiburger überzeugt. VDI nachrichten, Freiburg, 16. 10. 09, ws

Es ist so bequem und praktisch: einkaufen, ohne einen Schritt vor die Tür setzen. Homebanking und Online-Shopping ersparen weite Wege.

Es ist so ärgerlich: Einige deutsche Journalisten boykottierten die Leichtathletik-Weltmeisterschaft in Berlin, weil sie die Überprüfung ihrer persönlichen Daten durch das Bundeskriminalamt, den Verfassungsschutz und den Bundesnachrichtendienst ablehnten.

Es ist so hilfreich: Freizügige Facebook-Accounts erleichtern Personalabteilungen die Suche nach geeigneten Bewerbern. Immer mehr Arbeitgeber suchen private Karriereportale und soziale Netzwerke nach Informationen über ihre Kandidaten ab.

Die Technik macht“s möglich: Der Homo Sapiens in seiner virtuellen Form ist abrufbar und durchschaubarer denn je, die Vision vom „gläsernen Menschen“ ist nicht mehr weit, oft ist sie bereits Realität. Intimität wird öffentlich. „Es ist doch so: Leute erzählen im Internet stolz von einem Saufgelage, und sind peinlich berührt, wenn ihnen das beim Bewerbungsgespräch präsentiert wird. Auch Kollegen, die mit Technik zu tun haben, meinen angesichts der Auswirkungen: Das geht eindeutig zu weit!“

Gerhard Schneider ist selbst einer, der viel mit Technik und sehr viel mit Datenspeicherung zu tun hat. Für den Professor und Leiter des Rechenzentrums an der Universität Freiburg stellt sich die Frage: „Kann man durch Überwachung für Sicherheit sorgen und dennoch die persönliche Freiheit garantieren?“

Da ein einzelner Wissenschaftler mit der Beantwortung allein hoffnungslos überfordert wäre, haben sich auch Fachleute aus anderen Disziplinen in dem Kompetenzverbund „Sicherheit und Gesellschaft“ zusammengefunden. „Das breite fachliche Zusammenspiel, um gesellschaftliche Nebenwirkungen von Sicherheitstechnologie auf ihre Bedeutsamkeit abzuklopfen, ist in dieser Form in Deutschland wohl einmalig“, sagt Schneider. „Sicherheit“ im Sinne der Überwachung habe nicht zu mehr Sicherheit geführt, sondern werfe neue Unsicherheiten auf, die nur gemeinsam aufzulösen seien.

Informatiker und Mikrosystemtechniker diskutieren und forschen mit Juristen, Soziologen, Philologen, Psychologen und Ökonomen, um Möglichkeiten und Grenzen moderner Sicherheitsarchitektur abzustecken. Schneider: „Viele von uns sind viel zu spät mit anderen Welten in Kontakt getreten. Es ist so wichtig, aus seinem wissenschaftlichen Schneckenhäuschen herauszukommen und sich gemeinsam mit anderen Fachbereichen in die Politik einzumischen. Sicherheit ist ein umfassendes Thema, bei dem man merkt, wie man in seinem Labor und seiner wissenschaftlichen Arbeit unter die Räder gerät, wenn andere bestimmen, was zu geschehen hat.“

Es ginge nicht darum, im Sinne der Technikfolgenabschätzung begleitend oder nachwirkend zu beraten, sondern „flankierende Maßnahmen zu ergreifen, damit technische Entwicklungen nicht fehlgenutzt werden“. Hätte man etwa im Falle des Mautsystems „Toll Collect“ auf eine breite wissenschaftliche Expertise gesetzt, hätte man sich diese „kleine Katastrophe“ erspart, ergänzt Ilia Polian vom Lehrstuhl für Rechnersysteme.

Dabei ist die Kooperation der Fachbereiche und Institute „eine alte Geschichte“, wie Schneider betont. „Mich hat der aktuelle juristische Umgang mit technischen Entwicklungen im Netzwerkbereich erbost. Im Dialog mit Kollegen aus den Rechtswissenschaften zeigte sich sofort deren hohe interne Fachkompetenz, doch wir verstanden uns nicht. Die Frage kam auf: Wie können wir uns den Sachverhalt und die Auswirkungen gegenseitig erklären? Was geht technisch und juristisch? Was geht nicht?“

Der 11. September trieb die Entwicklung voran. „Vor zehn Jahren wären wir mit dem Thema kaum aufgefallen. Fachliche Querverbindungen waren uns in diesem Ausmaß nicht bewusst.“

Die wissenschaftliche Beratung soll die Politik nicht vor vollendete Tatsachen stellen, sondern neue Möglichkeiten aufzeigen. „Unsere Politikberatung sollte man sich nicht normativ vorstellen“, so Soziologe Stefan Kaufmann. „Wir wollen die möglichen Folgen und Konsequenzen von Entscheidungen darstellen. Es wäre wissenschaftlich unsinnig, den Zeigefinger zu heben und konkrete politische Schritte vorzugeben.“

„Transparenz“ ist für Bernd Becker vom Lehrstuhl für Rechnerarchitektur das Zauberwort. Der Professor nennt ein Beispiel: „Man muss den Menschen signalisieren: In diesem Kaufhaus werden folgende Daten von Ihnen erhoben, dort jene. Jeder muss für sich entscheiden können, inwieweit er sich öffnet.“

Bis es so weit ist, werden Becker und seine Mitarbeiter noch viele fachübergreifende Gespräche führen. „Bei allem Kooperationswillen: Die Fachsprache ist ein Problem. Es dauert lange, bis der eine den anderen versteht.“

Selbsterkenntnis ist auch hier der erste Schritt zur Besserung. „Informatiker haben viel zu wenig Ahnung davon, was im Hintergrund passiert“, spricht der angehende Informatik-Wissenschaftler Dirk von Suchodoletz aus der Perspektive des Nachwuchses. Da auch Studierende anderer Fachbereiche den Blick nach außen richteten, sei in den disziplinübergreifenden Seminaren für reichlich Gesprächsstoff gesorgt.

Das enge interne Netzwerk der Uni Freiburg, belebt durch Kooperationen mit Max-Planck- und Fraunhofer-Instituten, zahlt sich nicht nur rein wissenschaftlich aus. „,Jurastudenten, kommt nach Freiburg und ihr lernt, wie Technik funktioniert!“, könnte eine Botschaft lauten“, hofft Schneider. „Internetjuristen sind noch nicht mit dem Studium fertig, da wird schon um sie gebuhlt. Die Verzahnung verschiedener Bereiche wird sich für Absolventen auf dem Arbeitsmarkt positiv auswirken. Es werden zunehmend Fachleute für die Grenzgebiete verlangt.“ WOLFGANG SCHMITZ

Von Wolfgang Schmitz

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